0:2 gedreht: Kickers Offenbach feiern vierten Heimsieg im vierten Spiel


Stand: 09.09.2026, 13:56 Uhr

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Offenbachs Offensivmaschinen: Maximilian Schmid, Torschütze des 1:2, jubelt nach dem Ausgleich durch Maximilian Wolfram. Der 29-Jährige war an allen drei Toren beteiligt und ist nun bester Scorer der Regionalliga Südwest.

Offenbachs Offensivmaschinen: Maximilian Schmid, Torschütze des 1:2, jubelt nach dem Ausgleich durch Maximilian Wolfram. Der 29-Jährige war an allen drei Toren beteiligt und ist nun bester Scorer der Regionalliga Südwest. © Harald Bremes/Jan Hübner

Wolfram traf und legte vor – an allen drei Toren beim 3:2 gegen Steinbach Haiger war er beteiligt. Wie der OFC einen Zwei-Tore-Rückstand wegsteckte, zeigt ein Blick in die Partie.

Offenbach – Gruppenfotos von Mannschaft, Trainerteam, Staff und den Fans sind mittlerweile zu einem festen Ritual geworden beim Fußball-Regionalligisten Kickers Offenbach. Nach dem mitreißenden 3:2 (2:2)-Sieg gegen den hessischen Rivalen TSV Steinbach Haiger war der nächste Schnappschuss fällig. Völlig euphorisiert hatte die gesamte Mannschaft nach dem hochintensiven Duell mit Happy End den Platz gestürmt – und mit den Fans den vierten Sieg im vierten Heimspiel der Saison gefeiert. Ein Blick in Stichpunkten auf die Auffälligkeiten der Partie:

Intensität

Wie schon das Duell beim FSV Frankfurt (1:1) war auch die Partie gegen die Westhessen ein hochintensives Spiel. Vor allem in Hälfte eins gönnten sich beide Teams kaum eine Atempause. Mann gegen Mann jagten sich 20 Feldspieler quer über den Platz. Auf Balleroberungen folgten sofort schnelle Umschaltaktionen. Anfangs zeigte sich dabei Steinbach Haiger eiskalt, führte nach zwölf Minuten 2:0. Aber: Beide Tore hatten Aussetzer des OFC begünstigt. Vor dem 0:1 durch Dildar Atmaca (2.) patzte Routinier Robin Krauße, vor dem 0:2 durch den Ex-Offenbacher Serkan Firat (12.) verlor Keanu Staude leichtfertig die Kugel. Davor und danach aber waren die Kickers am Drücker. „Wir haben in der ersten Hälfte so viele Chancen herausgespielt wie nie“, meinte Zimmermann, der diese Aggressivität und Aktivität permanent von außen einfordert: „Wir mussten mehr Risiko gehen, und wir wollen einfach nicht passiv werden.“ Immer wieder suchten die Kickers über rechts den Weg nach vorn. Jan Hendrik Marx war kaum zu halten. Sein Pendant auf links, Nathan Doganay, gelang wenig. Zimmermann reagierte nach 40 Minuten, nahm den Youngster (20) runter. Durch Jayson Breitenbach erhoffte er sich mehr Zugriff über diese Seite. Was sich auszahlte. Auch nach Wiederanpfiff, als Luka Garic den Gelb-verwarnten Staude ersetzte. In Hälfte zwei blieb der OFC klar am Drücker. „Da haben wir es super kontrolliert“, lobte Zimmermann. Steinbach kam aber dennoch zu zwei Großchancen von Kircher (52./90.+2), die OFC-Torwart Johannes Brinkies herausragend parierte.

Effizienz

Zimmermann hatte gerade zu Beginn die letzte Überzeugung beim Herausspielen der Chancen missfallen. Doch sein Team drehte mächtig an der Effizienzschraube. Das wichtige Anschlusstor fiel erstmal über die starke rechte Seite. Vor dem 1:2 von Maximilian Schmid setzte der dieses Mal bei drei Chancen glücklose, aber enorm engagierte Benedikt von Hagen Maximilian Wolfram in Szene, der das Auge für Schmid hatte. Beim 2:2 brach Staude über links bis zur Grundlinie durch, den Abpraller verwandelte der überragende Wolfram mit Wucht. Auch das 3:2 durch Joker Jan Becker, für den sich Zimmermann besonders freute („Der Junge war schon etwas ungeduldig, jetzt stand er einfach richtig“), bereitete Wolfram klug vor. Der 29-Jährige steht mittlerweile bei vier Toren und vier Vorlagen in sechs Partien – Bestwert in der Liga. Übrigens vor seinen Teamkollegen Schmid und von Hagen (je vier Treffer und zwei Assists).

Mentalität

„Es geht nur über das Team und die Fans, dadurch ist die Luft da“, meint Maximilian Schmid: „Und jeder gönnt jedem alles. Das ist einfach das Geilste.“ Der 23-Jährige steht exemplarisch für den „neuen OFC“ in dieser Spielzeit. Der Zugang vom Drittliga-Absteiger Erzgebirge Aue ist permanent unterwegs, sucht ständig das Dribbling und den Zweikampf, ist erster Anläufer nach Ballverlusten. „Wir waren noch nicht in so einer Situation, dass wir 0:2 zurücklagen“, räumte Schmid ein: „Da galt es, weiter eine hohe Intensität zu haben und mutig zu bleiben.“ Auch Maximilian Wolfram zeigte sich über den Spirit begeistert: „Was wir für einen Teamgeist haben, ist der Wahnsinn.“

Qualität

Die Offenbacher haben eine funktionierende Achse, das zeigte sich auch gegen Steinbach Haiger wieder. Johannes Brinkies ist ziemlich sicher der beste Torwart der Liga, hielt erneut zweimal glänzend. In der Abwehr ging Bastian Frölich mit giftiger Zweikampfführung voran, pushte damit seine Nebenleute Jakob Lewald und Aziz Abdelhadi, der dieses Mal trotz Gelber Karte im Spiel blieb und Firat, den besten Steinbacher, ständig beackerte. Zugang Lewald, dem Zimmermann bei seinem Startelfdebüt eine „solide Leistung“ bescheinigte, gefiel mit Ruhe und Kopfballstärke. Auf der rechten Außenbahn war Marx ein ständiger Antreiber. Bis zu seiner umstrittenen Gelb-Roten Karte (90.+2) durch den schwachen Referee Kadir Yagci (Seitingen-Oberflacht), der in einem keineswegs unfairen Spiel zehn Gelbe Karten verteilte und final Gelb-Rot für Marx. Gelb hatte er zuvor für einen zu früh ausgeführten Freistoß gesehen. Im Mittelfeld demonstrierte Krauße nach seinem frühen „Blackout“ vor dem 0:1, dass er solche Tiefschläge wegstecken kann. Der Routinier (32) steigerte sich deutlich, war in Hälfte zwei wieder ein Stabilisator. Und wenn es um Qualität geht, fällt unweigerlich der Name Wolfram. Seine Präsenz, sein Gefühl für entscheidende Räume und Momente machen ihn zu einer Attraktion in der Liga. Dass er an allen drei Treffern beteiligt war, fand auch der vom TSV 1860 München gekommene 29-Jährige besonders: „Besser geht es nicht, aber letztlich ging es um die drei Punkte.“

Resilienz

„Rückschläge gehören dazu, auch Gegentore“, sagte Mark Zimmermann, der die Reaktion seiner Mannschaft heraushob: „Solche Spiele kannst du auch verlieren, von daher ein Riesenkompliment an die Mannschaft.“ Denn die blieb positiv, dran und belohnte sich schließlich erst mit dem Ausgleich vor der Pause, dann mit dem Siegtor in Hälfte zwei. Dass die Spieler auch über eine gute Selbstreflexion verfügen, ist ebenfalls Teil der neuen OFC-DNA. „Es hat nicht alles funktioniert“, räumte Wolfram ein. Umso mehr überwog der Stolz darüber, dieses Spiel gedreht zu haben.