10.000 Schritte pro Tag? Braucht es nicht, sagen Forscher
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Wie viele Schritte müssen es am Tag sein? 10.000 – diese Zahl gilt seit Jahren als beliebte Orientierung. Doch eine neue Untersuchung von Forschern der Monash University und der University of Sydney stellt infrage, ob es tatsächlich eine feste Schrittzahl braucht.
Auch mit weniger als 5000 Schritten kann sich etwas bewegen
Für ihre Untersuchung werteten die Wissenschaftler Daten von 64.743 Teilnehmern der britischen UK Biobank aus. Die Menschen waren im Durchschnitt 61,5 Jahre alt und trugen zwischen 2013 und 2015 jeweils sieben Tage lang einen Aktivitätssensor am Handgelenk.
Anschließend beobachteten die Forscher die Teilnehmer über einen Zeitraum von durchschnittlich rund acht Jahren. In dieser Zeit starben 1697 Menschen, 502 davon an Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Die Auswertung zeigt: In der Gruppe mit weniger als 5000 Schritten pro Tag war ein höheres Gehtempo mit einem niedrigeren Sterberisiko verbunden. Bei denjenigen, die zwischen 5000 und 7500 Schritte schafften, zeigte sich ebenfalls ein Zusammenhang – hier konnten auch langsamere Schrittgeschwindigkeiten mit einem geringeren Risiko einhergehen.
Die geringste Sterblichkeit wurde insgesamt bei Menschen beobachtet, die zwischen 7500 und 10.000 Schritte täglich machten. Innerhalb dieser Gruppe lag das günstigste Muster bei einer höheren Schrittfrequenz von ungefähr 100 Schritten pro Minute. Die Ergebnisse für Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigten ein ähnliches Muster.
10.000 Schritte sind keine magische Grenze
Die Forscher widersprechen damit nicht grundsätzlich der Empfehlung, sich möglichst viel zu bewegen. Sie stellen aber die Vorstellung infrage, dass ausgerechnet 10.000 Schritte eine notwendige Grenze darstellen.

Die Zahl stammt laut den Autoren nicht aus einer wissenschaftlich festgelegten gesundheitlichen Vorgabe. Sie geht vielmehr auf eine japanische Schrittzähler-Kampagne aus den 1960er-Jahren zurück.
„Jeder Schritt zählt – und auch die Art, wie man diese Schritte macht, kann eine Rolle spielen“, sagt Nicholas Koemel von der Monash School of Psychological Sciences.
Gerade für Menschen, die aus gesundheitlichen oder persönlichen Gründen Schwierigkeiten haben, täglich sehr viele Schritte zu sammeln, könne das wichtig sein. Als Beispiele nennen die Forscher unter anderem Menschen mit körperlichen Einschränkungen, Personen mit wenig frei verfügbarer Zeit oder Menschen, deren Arbeitsalltag stark fragmentiert ist.
Ein bisschen schneller kann einen Unterschied machen
Wie schnell jemand gehen sollte, lässt sich allerdings nicht mit einer einzigen Zahl für alle Menschen beantworten. Das Tempo hängt unter anderem vom Alter und der individuellen Fitness ab.
Matthew Ahmadi, ebenfalls von der Monash University, empfiehlt deshalb einen einfachen Test: Bei einem zügigen Tempo sollte die Atmung merklich schneller werden. Man sollte sich noch in kurzen Sätzen unterhalten können, aber nicht mehr problemlos singen.
Dabei müsse niemand von heute auf morgen das eigene Bewegungspensum drastisch erhöhen. Entscheidend sei vielmehr, regelmäßig aktiv zu sein. Der Körper reagiere auf Gewohnheiten, so Ahmadi. Nicht eine kurze Phase besonders großer Anstrengung sei entscheidend, sondern das Bewegungsverhalten über Monate und Jahre.
Wer nicht schnell gehen kann, profitiert trotzdem
Die Studie liefert damit keine neue Pflichtzahl, die künftig jeden Tag erreicht werden muss. Vielmehr deutet sie darauf hin, dass unterschiedliche Kombinationen aus Schrittzahl und Tempo mit gesundheitlichen Vorteilen verbunden sein können.
Für einen älteren Menschen mit Knieproblemen kann ein hohes Schritttempo möglicherweise unrealistisch sein. Auch Menschen mit wenig Zeit können Schwierigkeiten haben, große Schrittzahlen zu erreichen. Für sie kann es trotzdem sinnvoll sein, die vorhandenen Möglichkeiten konsequent zu nutzen.
Die Studienautoren betonen allerdings, dass ihre Untersuchung einen Zusammenhang zwischen Gehaktivität und Sterblichkeit zeigt. Sie beweist nicht, dass eine bestimmte Schrittzahl oder ein bestimmtes Tempo allein die Lebensdauer verlängert.