1860 München besiegt Ansbach: Die Löwen finden das Tor wieder


Konnte es wirklich wahr sein? Landauf und landab hieß es ja zuletzt, der TSV 1860 München habe keinen Stürmer. Aber als der Schiedsrichter Felix Grund die Partie gegen die SpVgg Ansbach anpfiff, da bewegte sich Florian Niederlechner direkt in Richtung gegnerische Hälfte, um exakt dieses Jobprofil zu erfüllen. Es schien einhellige Meinung in Giesing zu sein, dass den Löwen einer fehlt, der Tore schießt. Niederlechner schön und gut – aber hat der es überhaupt noch drauf? Ist der nicht zu langsam? Und hat er es zuletzt nicht fertiggebracht, reihenweise Scheunentore zu verfehlen? Wie soll er da ein Tor auf einem Fußballplatz treffen?

Gut 90 Minuten später stand jener Niederlechner, 35, vor dem Zaun, der den Rasen im Grünwalder Stadion von der Haupttribüne trennt, und verriet: „Es hat schon in mir gearbeitet in den letzten zwei Wochen, weil ich ein paar Dinger liegen gelassen habe.“ Als Niederlechner das sagte, hatte er eine ziemlich eigenartige Partie hinter sich. Sie hatte sich einen Spaß daraus gemacht, die These, Sechzig fehle ein Mittelstürmer, auf äußerst eindrückliche Art und Weise zu bestätigen und sie gleichermaßen deutlich zu widerlegen. Die Löwen hatten zwar mit 4:0 gewonnen, es war aber auch sichtbar geworden, dass sich die Mannschaft noch nicht ganz von der Debatte freimachen kann. Oder war es bloß Zufall, dass Sechzig ein ums andere Mal wankte, nachdem Niederlechner in der Anfangsphase erneut eine Großchance ausgelassen hatte?

Schon beim vorangegangenen 1:3 in Burghausen waren die Löwen äußerst leichtfertig mit ihren Möglichkeiten umgegangen – und nun schien es auf die gesamte Mannschaft abzustrahlen, als Niederlechner erst einmal dort weitermachte, wo er in der Vorwoche aufgehört hatte. Er ließ früh das 1:0 liegen und wenn eine Elf wieder und immer wieder arbeitet, ohne dafür entlohnt zu werden, kann es sie im schlimmsten Fall erschüttern. Dann führt das eine zum anderen – und am Ende geht gar nichts mehr.

So weit ging es am Samstagnachmittag zwar längst nicht, doch Ansbach hatte vor der Pause durchaus seine Momente und hätte in Führung gehen können. „Wir sind mit der ersten Halbzeit gar nicht zufrieden. Wir haben nicht das auf den Platz gebracht, was wir uns vorgenommen haben“, klagte Sechzigs Trainer Alper Kayabunar nach dem Spiel und verriet, dass er zur Pause hart mit seiner Mannschaft ins Gericht gegangen war: „Ich war stocksauer. Das haben die Jungs zu spüren bekommen.“

Am Ende aber veranschaulichten die 90 Minuten nicht nur, was es mit einem Team anrichten kann, wenn es seine Angriffe nicht zu Ende bringt – sie zeigten auch, was passiert, wenn es auf einmal umschlägt. „Das 1:0 war ein Brustlöser, danach sind wir richtig ins Rollen gekommen“, sagte Niederlechner, der nach dem Treffer von Felix Weber (51.) selbst das 2:0 nachgelegt und seine Flaute damit hinter sich gelassen hatte (58.).

Das zweite Tor habe Sechzig „doppelte Energie“ geliefert, während seine eigene Mannschaft danach nur noch „die Hälfte“ habe aufbringen können, analysierte Ansbachs Trainer Niklas Reutelhuber. Tatsächlich kehrte sich die Dynamik des Spiels in den ersten Minuten der zweiten Hälfte vollständig um. Plötzlich brauchten die Löwen nicht einmal eine Viertelstunde, um die Partie zu entscheiden. Nach den Toren von Weber und Niederlechner war die Frage nach dem Sieger spätestens mit dem 3:0 durch Fabio Wagner beantwortet (64.). Später war es dann noch Tunay Deniz, der einen Freistoß aus knapp 30 Metern ins Ansbacher Tor trat (79.). Damit war der höchste Löwensieg der bisherigen Regionalliga-Saison perfekt. Und das als unmittelbare Reaktion auf die erste Niederlage und das Spiel in Burghausen, bei dem Florian Niederlechner kein Scheunentor getroffen hatte.