258 Indigene im vergangenen Jahr in Brasilien ermordet


CIMI-Bericht

258 Indigene im vergangenen Jahr in Brasilien ermordet

Die Gewalt ist eng mit Konflikten um indigene Gebiete verbunden. Auf der Suche nach Rohstoffen wird häufig in die Territorien eingedrungen

Ein Mann in Anzug und Krawatte und eine Frau in traditioneller indigener Kleidung mit Federschmuck sprechen am Tisch miteinander. Im Hintergrund sind zwei brasilianische Flaggen zu sehen.
Brasiliens Präsident Lula da Silva mit Sonia Guajajara, Ministerin für indigene Völker, bei einem Gespräch über Landrechte.

Brasília/Wien – Die Gewalt gegen indigene Völker in Brasilien hat 2025 stark zugenommen. Das geht aus dem Jahresbericht des Indigenen Missionsrats (CIMI) hervor, wie die Dreikönigsaktion in einer Aussendung am Dienstag mitteilt. Demnach wurden 2025 258 Morde an Indigenen registriert. Gleichzeitig verschärfen sich Konflikte um indigene Landgebiete, während die Anerkennung und Demarkierung vieler Territorien nur langsam vorankommen.

Anerkennung indigener Landgebiete

Die Landfrage stellt einen zentralen Konflikt zwischen indigenen Gemeinschaften, Staat und wirtschaftlichen Interessen dar. Von den 1.443 indigenen Landgebieten, die in Brasilien bestehen oder gefordert werden, gab es laut CIMI bei 897 noch keine Verwaltungsmaßnahme zur Regulierung. Bei 582 Gebieten war demnach noch nicht einmal ein Demarkierungsverfahren eingeleitet worden.

Gleichzeitig wird häufig auf der Suche nach Gold oder anderen Rohstoffen in die indigenen Gebiete eingedrungen. 2025 registrierte die CIMI 210 Fälle von Eindringen, illegaler Ausbeutung und Sachbeschädigung in mindestens 151 indigenen Territorien. CIMI kritisiert dabei das Vorgehen der brasilianischen Bundesregierung gegen Invasoren. Diese führe zwar Räumungsaktionen durch, doch fehle es vielerorts an nachhaltigen Strukturen für die anschließende Überwachung und den dauerhaften Schutz der Gebiete. Auch die wirtschaftlichen Interessen an Bergbau, Infrastruktur sowie der Förderung von Gas und Öl erhöhen den Druck auf indigene Territorien. Laut CIMI steht die Gewalt gegen Indigene in engem Zusammenhang mit den ungelösten Landkonflikten in Brasilien.

Kinder sind besonders betroffen

Besonders dramatisch ist laut CIMI die Situation indigener Kinder. 2025 starben insgesamt 1.024 indigene Säuglinge und Kleinkinder: 586 Todesfälle, also 57 Prozent, sind dem Bericht zufolge auf vermeidbare Ursachen zurückzuführen. Dazu zählten unter anderem Grippe und Lungenentzündung, Darminfektionen und Unterernährung. Die Regionen, in denen indigene Gemeinschaften leben, sind laut CIMI häufig von mangelnder medizinischer Versorgung und unzureichender Infrastruktur betroffen. (APA, 1.9.2026)

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