575 Kilometer zu Fuß durch Berlin: Berlins Wanderwege haben neue Wegweiser


Der Senat hat etwas für die größte Gruppe der Verkehrsteilnehmer getan. 36 Prozent ihrer Wege innerhalb der Stadt legen die Berlinerinnen und Berliner zu Fuß zurück. Das können sie ab sofort auf 575 Kilometern neu beschilderter „Grüner Hauptwege“. Auf insgesamt 5502 Schildern weist auf grünem Grund ein weißer Wappenbär mit Wanderstock und Rucksack den Weg entlang von 20 Routen sowie zu relevanten Orten in der Nähe.

Wobei die Relevanz sehr unterschiedlich zu verstehen ist: Der nächste S-Bahnhof ist ebenso ausgewiesen wie ein selbst in der Nachbarschaft wenig bekanntes Naturschutzgebiet irgendwo in den Wäldern am Stadtrand. Teils sind auch Fernziele ausgewiesen, die eher nicht fußläufig erreichbar sind – etwa der Bahnhof Albrechtshof am westlichen Stadtrand, der am Kleinen Müggelsee in Köpenick mit 55 Kilometern Entfernung angegeben wird. Das im Wortsinn Verbindende dazwischen ist in diesem Fall der Grüne Hauptweg Nr. 1, der entlang der Spree quer durch Berlin führt.

Mit 63 Kilometern ist der Spreeweg der längste im Netz. Der sieben Kilometer lange Bullengrabenweg in Spandau ist der kürzeste. Zwei der Wege sind Ringe. Der „Tiergartenring“ führt auf 23 Kilometern um Berlins größten Park, der „Innere Parkring“ um die gesamte City. Mit 52 Kilometern ist er länger als der S-Bahn-Ring.

In Berlin sind jetzt 575 Kilometer Wanderwege (früher: Grüne Hauptwege) fertig beschildert.

Die Wanderwegweiser sind unabhängig von der Beschilderung der Radrouten.

© Stefan Jacobs

Nachdem das im Wesentlichen aus weiß-blauen Markierungen an Laternen bestehende Vorgängerprojekt jahrelang vor sich hin dümpelte, startete die Verwaltung vor zwei Jahren die systematische Neubeschilderung der Strecken. Einige Routen, die vorher kilometerlang an tristen Hauptverkehrsstraßen entlangführten, wurden auch verlegt. Durchgehend grün und ruhig sind sie trotzdem nicht, aber reizvoller als zuvor allemal.

Rund 1500 der aufgestellten Schilder sind Wegweiser zu nahegelegenen Etappenzielen. Dazwischen wurden knapp 4000 kleine Richtungspfeile verteilt. QR-Codes führen Handynutzer aufs zugehörige Internetportal, das inzwischen mit vielen Informationen sowie Karten und GPS-Tracks zum Herunterladen bestückt worden ist. Ganz ohne zusätzliche Orientierungshilfen kommt man als Ortsunkundiger auch schwer zurecht, weil nicht an jedem Abzweig immer auch ein Schild hängt.

Barrierefrei sind die Wanderwege nicht

Nach Angaben der Verwaltung verlaufen 95 Prozent der Wege bereits auf ihrer „Idealstrecke“. Die restlichen fünf Prozent scheitern beispielsweise an den Eigentumsverhältnissen – etwa an Privatgrundstücken, die Uferwege unterbrechen. Barrierefrei sind die Routen ebenfalls nicht. Treppen und hohe Bordsteine, matschige Stellen und unbeleuchtete Abschnitte können ebenso dabei sein wie Tore zu Parks, Friedhöfen und Kleingartenanlagen, die nachts geschlossen werden.

Außerdem betont der Senat, dass „kein Anspruch auf erhöhte Verkehrssicherheit“ bestehe. Mit anderen Worten: Für Zusatzausstattungen wie Zebrastreifen und Mittelinseln zur leichteren Überquerung von Hauptstraßen hat es nicht gereicht.

Bei der Beschilderung hat sich die Verkehrsverwaltung von einem Kölner Ingenieurbüro helfen lassen. Zusätzlich gibt es Flyer zu jedem der Wege, die auch in Papierform bestellt werden können. Die Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich nach Auskunft der Behörde auf etwa 780.000 Euro. Zum Vergleich: Diese Kosten entsprechen knapp dreieinhalb Metern der neuen Stadtautobahn zwischen Neukölln und Treptower Park.