Street Parade: Dott führt ab Samstag um 8 Uhr Reaktionstest ein


Publiziert7. August 2026, 14:09

«Don't Drink and Ride»Ab 8 Uhr gilt: Kein E-Trotti an der Street Parade ohne Test

Nicht erst nachts, sondern das ganze Street-Parade-Wochenende: Anbieter Dott führt für E-Trottis und E-Bikes einen Reaktionstest ein. Zudem werden Fahrzeuge in gewissen Zonen automatisch verlangsamt oder gesperrt.

Daniel Krähenbühl

Josephine Schertenleib

Darum gehts

Der E-Mobilitätsanbieter Dott aktiviert während der Street Parade in Zürich den «Don’t Drink and Ride»-Test: Wer im Umfeld der Parade einen E-Roller oder ein E-Bike mieten möchte, muss zuerst einen kognitiven Check absolvieren.

Ein schnelles, interaktives Reaktionsspiel testet die Wahrnehmung und die Reaktionsgeschwindigkeit. Wird die Aufmerksamkeitsprüfung nicht oder zu langsam bestanden, bleibt das Gefährt gesperrt. Zusätzlich schränkt Dott via Geofencing die Nutzung ein: Rund um das Festgelände gilt ein temporäres Fahr- und Parkverbot, um Trottoirs und Rettungswege frei zu halten. Gleichzeitig gilt in angrenzenden Quartieren eine Langsamfahrzone. Dott setzt die Massnahmen während der gesamten Street Parade und in deren Umfeld ein. Bei anderen Anbietern kommen vergleichbare Tests teilweise erst spät in der Nacht zum Einsatz.

Ab Samstagmorgen gilt teilweise nur noch Schritttempo

Wer am Wochenende ein Fahrzeug von Dott nutzen möchte, muss ab Samstag, 8 Uhr, bis Sonntagmorgen einen Reaktionstest absolvieren – ein Zeitfenster, das bewusst länger gewählt wurde als die eigentliche Dauer der Street Parade. «Rund um den Anlass finden zahlreiche Afterpartys und Raves statt. Die Feierlichkeiten dauern oft bis tief in die Nacht oder sogar bis am nächsten Tag», erklärt Manuel Herzog, Geschäftsführer von Dott Schweiz.

Zusätzlich gelten von der Stadt Zürich definierte Sperr- und Langsamfahrzonen. In den Langsamfahrzonen wird die Geschwindigkeit automatisch auf zehn Kilometer pro Stunde reduziert, in den Sperrzonen bremst das Fahrzeug auf Schritttempo, also zwei Kilometer pro Stunde, sodass es nur noch von Hand hinausgeschoben werden kann.

Wie kommst du nach einem ausgelassenen Fest wie der Street Parade am liebsten nach Hause?

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, das ist am bequemsten.

Ich nehme ein Taxi oder einen Fahrdienst.

Ich lasse mich von jemandem abholen, der nüchtern ist.

Ich gehe zu Fuss, wenn es nicht zu weit ist.

Ich übernachte bei Freunden in der Nähe.

Ich bin nicht an solchen Festen unterwegs.

Etwas anderes.

Mehrere Hundert Fahrten kommen an der Street Parade nicht zustande

Beim Sicherheitstest handelt es sich um eine Eigenentwicklung des Anbieters von E-Trottinetten und E-Bikes. Er soll bewusst niederschwellig sein und lässt sich innerhalb weniger Sekunden direkt in der App absolvieren. Dabei sollen die Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit der Nutzenden im Umgang mit dem Smartphone geprüft werden.

Um die Treffsicherheit künftig weiter zu verbessern, arbeitet Dott nach eigenen Angaben derzeit mit einem internationalen Institut zusammen. Nähere Angaben zum Institut macht das Unternehmen nicht.

Klar ist aber: Bis zu ein Drittel der potenziellen Fahrten dürfte am Wochenende ausbleiben. Das Unternehmen rechnet also damit, dass mehrere Hundert Fahrten verhindert werden. Wie gross die finanziellen Auswirkungen tatsächlich sind, will Dott erst im Anschluss an den Anlass auswerten.

Dott hat die Sicherheitshürde freiwillig eingeführt. Nach Ansicht des Unternehmens sollte sie jedoch für alle E-Trottinett-Anbieter verbindlich vorgeschrieben werden.

Dott hat die Sicherheitshürde freiwillig eingeführt. Nach Ansicht des Unternehmens sollte sie jedoch für alle E-Trottinett-Anbieter verbindlich vorgeschrieben werden.Urs Jaudas

Anbieter verzichtet «bewusst» auf Umsatz

Wechseln Kundinnen und Kunden deshalb zur Konkurrenz? Dott geht davon aus, dass der Präventionsnutzen überwiegt. «Viele Nutzerinnen und Nutzer entscheiden sich nach einem nicht bestandenen Test bewusst gegen die Weiterfahrt und nutzen stattdessen den öffentlichen Verkehr oder ein Taxi – statt zu einer anderen App zu wechseln», sagt das Unternehmen. Der Test wirke damit als unmittelbarer «Reality Check».

Zudem sei die Marke der Ansicht, dass solche Sicherheitshürden für Anbieter von E-Trottinetten und E-Bikes verbindlich vorgeschrieben werden sollten. Den damit verbundenen Umsatzverlust nehme Dott «bewusst» in Kauf.

Daniel Krähenbühl

Daniel Krähenbühl (dk) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Er leitet das Regionennetzwerk mit Fokus auf Stadtpolitik, Kriminalität, Gesellschaft und Recherche.

Josephine Schertenleib

Josephine Schertenleib (jos), Jahrgang 2001, arbeitet seit September 2024 für 20 Minuten und ist Teil des Regionen-Teams.

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