Ab ins Museum in Berlin: Dort wird die beste Städtereise aller Zeiten geboten
Neulich haben wir mitten in Berlin einen Kaiser gesehen und waren begeistert. Dafür sind wir weit in die Antike gereist. Es war unsere beste Städtereise, denn noch nie haben wir in so kurzer Zeit so viel über eine Stadt und ihre Bedeutung erfahren wie bei dem Trip ins Jahr 129 nach Christi Geburt.
Wir waren nur zwei Stunden lang an der Westküste Kleinasiens unterwegs, aber wir erkundeten jeden Winkel einer wirklich kolossalen Stadt. Wir sahen Herrscher und Handwerker, Krieger und Kaufleute, hässliche Männer und schöne Frauen. Es war ein wilder Alltag in den Gassen – und oben am Himmel zogen dramatische Gewitterwolken entlang. Das Leben in seiner ganzen Vielfalt: Wir waren in Pergamon.
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Und dabei erlebten wir, dass in Berlin ein Provisorium manchmal mehr überwältigen kann als das Original. Das kam so: Das Pergamonmuseum mit dem berühmten Altar ist geschlossen. Ich war 2014 am letzten Öffnungstag vor der Sanierung zufälligerweise dort. Die antiken Funde waren beeindruckend. Nun ist das Museum dicht, im Herbst nächsten Jahres sollen einzelne Bereiche wieder öffnen. Die Sanierung soll bis 2037 dauern.
Blutige Rituale in den Tempeln
Da ist die Sache mit dem Provisorium eine wirklich gute Idee. Nebenan, in einem Rundbau, hängt ein 360-Grad-Panorama-Bild des Künstlers Yadegar Asisi. Es ist 30 Meter hoch, knapp 100 Meter im Kreis lang: Auf 3000 Quadratmetern wird der 8. April des Jahres 129 dargestellt, als Kaiser Hadrian die Stadt besuchte. Eine Burg, auf einem 300 Meter hohen Berg, imposante Tempel, das riesige Amphitheater, Paläste und eine tolle Hügellandschaft. Im Raum eine Beleuchtung, die den Wechsel von Tag und Nacht simuliert, und ein sanfter Klangteppich mit Vogelgezwitscher, den ernsthafte Wissenschaftler sicher als Verkitschung der Historie abtun, der aber nicht stört.
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Das Bild wirkt überzeugend, weil zum Fest des Kaiserbesuchs überall Menschen sind. Der Trick, damit das Bild lebensecht aussieht: In den Ruinen der Tempel und des Theaters wurde vor Ort in der Türkei fotografiert, mit echten Komparsen – Mitgliedern einer Theatergruppe in historischen Kostümen. Dann wurde alles digital bearbeitet.
Da versuchen Propheten, mit ihren Volksreden zu begeistern, da bittet ein Bettler am Stadttor um milde Gaben, da liegt eine Frau im lilafarbenen Gewand auf der Blumenwiese und ein fast nackter Mann ruht auf ihr. Besonders überraschend: Die sonst weißen Tempel der Antike sind bunt bemalt und auch Stätten der Gewalt, wo den Göttern in blutigen Ritualen ein paar Tiere geopfert werden.
Der Kurztrip in die Antike mitten in Berlin hat sich wirklich gelohnt.
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