Als eine gewaltige Staubwolke die Sonne verdeckte: Spektakuläre Hochhaus-Sprengung begeistert München


Stand: 29.08.2026, 16:47 Uhr

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Die Sprengung des Agfa-Hochhauses sorgte für großes Interesse in München. Tausende verfolgten den Fall des Gebäudes live. Die Straßen waren überfüllt.

Obergiesing-Fasangarten – Am Ende dauerte es nur wenige Sekunden. Ein Klick, ein Knall und im Anschluss eine gigantische Staubwolke. Mittlerweile ist die Sprengung bereits über 18 Jahre her. Der Andrang für das Event war jedoch gewaltig. Tausende Menschen wollten dem Fall des Agfa-Hochhauses in Obergiesing am 17. Februar 2008 beiwohnen. Bis heute ist es die größte Sprengung in der Stadt.

Die Sprengung des Agfa-Hochhauses in München.

Mit einem dumpfen Krachen stürzte das 52 Meter hohe Agfa-Hochhaus wie in Zeitlupe in sich zusammen. Es war die größte Sprengung Münchens. © dpa/Felix Hörhager

Münchens größte Sprengung aller Zeiten: Tausende verfolgen Fall des Agfa-Hochhauses

Geplant war der große Knall für 12 Uhr mittags. Es ertönten ein langer und danach zwei kurze Töne – das Signal für die Sprengung. Doch es dauerte einige Minuten, bis etwas passierte. „Da stimmt was nicht, da läuft was schief“, raunten einige der wartenden Zuschauer. Um 12.05 Uhr ertönte dann der Knall.

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Als gebürtiger Untergiesinger – der auch immer noch im Viertel lebt – durfte ich die Vorzüge und den Charme des Münchner Südostens jahrzehntelang aus nächster Nähe erleben und lieben lernen. Für tz.de berichte ich über die Themen, die München und Münchner bewegen. Umso mehr freue ich mich, für Sie künftig die aktuellen Entwicklungen aus Ihrem (und meinem) Teil der Stadt im Newsletter „München-Südost“ zusammenzufassen und erklären zu können, was bei Ihnen (und bei mir) vor der Haustür stattfindet.

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Benedikt Strobach

Benedikt Strobach ist Redakteur bei tz.de und merkur.de. © privat

Das 52 Meter hohe Gebäude der Agfa sackte daraufhin in Sekunden weg. 125 Kilo Sprengstoff hatten den Koloss in die Knie gezwungen. Eine gewaltige Staubwolke stieg im Anschluss auf. Diese verdeckte sogar kurz die Sonne – in Giesing wurde es schlagartig dunkel.

15.000 Menschen verfolgen Sprengung des Agfa-Hochhauses in München vor Ort

15.000 Schaulustige hatten die Sprengung vor Ort verfolgt, viele weitere Menschen in ganz Deutschland live im Fernsehen. Die Zuschauer in Giesing standen an den Absperrungen, welche die Polizei in einem 200 Meter großen Bereich rund um das Gebäude errichtet hatte, auf Hausdächern, Kirchtürmen sowie Balkonen. Rund um das Agfa-Gelände hatten die Menschen auch Leitern und Stühle aufgestellt, um eine noch bessere Sicht auf den Turm zu haben.

Für die Sprengung waren umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen notwendig. Etwa 400 Wohnungen, die innerhalb der Sperrzone liegen, wurden von der Polizei und der Feuerwehr evakuiert. Hunderte Bewohner mussten am Vormittag ihre vier Wände verlassen.

Die Firma Agfa in Obergiesing

Ende der 1920er Jahre bezog die Firma Agfa („Actien-Gesellschaft für Anilin-Fabrikation“) das ehemalige Areal der Firma Sedlbauer an der Tegernseer Landstraße. 1928 waren bei Agfa etwa 950 Arbeitskräfte mit der Herstellung von Kameras beschäftigt. Zwei Jahre später war das Obergiesinger Kamerawerk nach der Firma Kodak der weltweit zweitgrößte Hersteller von Fotoapparaten.

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde das „Agfa-Camerawerk“ schrittweise in einen Rüstungsbetrieb umgewandelt. Bald wurden hier keine Fotoapparate mehr, sondern Zünder für Fliegerbomben, Gewehr-Zielfernrohre und Aufschlagzünder hergestellt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg zog das Agfa‑Werk vollständig von Berlin nach München. Erweiterungsbauten wurden notwendig. 1957 entstand an der Tegernseer Landstraße 161 das Hochhaus – für Verwaltungs- und Konstruktionsbüros sowie für Forschungslabors. Bis 1982 war Agfa mit circa 4600 Beschäftigten Giesings größter Arbeitgeber. Danach wurde die Kamerafertigung nach Belgien verlagert. 2500 Arbeitsplätze gingen verloren. In Giesing verblieben die Filmentwicklung und die Reparaturabteilung. 2007/2008 wurden weite Teile des ehemaligen Agfa-Werks abgerissen.

Quelle: KulturGeschichtsPfad für Obergiesing-Fasangarten

Die ersten Zuschauer waren bereits um 9 Uhr gekommen. Der große Ansturm begann in Giesing gegen 10.30 Uhr. Ab 11 Uhr sperrte die Polizei schließlich den Mittleren Ring zwischen Candidplatz und Chiemgaustraße. Um kurz vor 12 Uhr war die Tegernseer Landstraße schließlich dicht – sie war so überfüllt mit Menschen, dass sogar die Tram Probleme hatte, durchzukommen. Auch auf der anderen Seite standen die Menschen auf der Straße, sogar fast bis zur Auffahrt auf die A995.

Zuschauer strömen zum Trümmerhaufen nach Hochhaus-Sprengung

Fünf Minuten nach der Sprengung war dann auch die Staubwolke verschwunden. In Giesing wurde es wieder hell. Die Blicke fielen auf den gewaltigen Trümmerhaufen: 15.000 Tonnen Stahl und Beton hatten sich zu einem riesigen Berg aufgetürmt. Im Anschluss an die Sprengung stiegen blaue Ballons auf – ein Zeichen, dass sie erfolgreich gewesen war.

Die Sprengung des Agfa-Hochhauses in München.

Für Trambahnen war an der Tegernseer Landstraße kein Durchkommen mehr möglich. © IMAGO/HRSchulz

„Die Aktion ist absolut nach Plan gelaufen“, sagte der damalige Polizeisprecher Wolfgang Wenger zur tz. Die vielen Zuschauer klatschten Beifall. Gegen 12.30 Uhr hob die Polizei schließlich die Sperren für Schaulustige auf. Hunderte Zuschauer marschierten daraufhin los, um sich den Trümmerhaufen aus der Nähe anzusehen. Das „Agfa-Camerawerk“ war damit endgültig Geschichte. Hier steht heute der „Agfa-Park“, ein Quartier mit etwa 950 Wohnungen und bis zu 1200 Arbeitsplätzen.

Knapp 45 Minuten nach der Sprengung konnte die Polizei den Mittleren Ring schließlich wieder freigeben. Kehrmaschinen hatten zuvor noch die Tegernseer Landstraße von Staub und Dreck gereinigt. Die Münchner zogen da bereits wieder weiter – um eine spektakuläre Erinnerung reicher. (Quellen: Stadt München, eigene Recherche, KulturGeschichtsPfad für Obergiesing-Fasangarten) (bes)