«Marsch fürs Läbe» in Zürich Oerlikon: Polizei setzt Wasserwerfer ein
Am «Marsch fürs Läbe» in Zürich Oerlikon kommt es zu Scharmützeln zwischen vermummten Gegendemonstranten und der Polizei
Die Abtreibungsgegner hätten eigentlich in der Innenstadt demonstrieren wollen. Das wurde ihnen wegen Sicherheitsbedenken erneut verwehrt.
19.09.2026, 19.04 Uhr
3 Leseminuten
Aktualisiert
Der «Marsch fürs Läbe» setzt sich in Bewegung – geschützt von viel Polizei.
Michael Buholzer / Keystone
Die Kundgebung am Samstagnachmittag in Zürich Oerlikon kam nicht weit. Wenige hundert Meter hinter dem Marktplatz ging plötzlich nichts mehr. Der «Marsch fürs Läbe» stand still. Auch für die Polizisten in Schutzmontur ganz vorne ging es nicht mehr weiter. Mehrere Dutzend vermummte Gegendemonstranten auf Fahrrädern hatten den Umzug der Abtreibungsgegner blockiert.
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«Fundis, verpisst euch, keiner vermisst euch!», skandierte die Velotruppe. Und: «Oisi Strasse, oisi Quartier, weg mit den Fundis, weg mit der Schmier!»

Gegendemonstranten werden per Wasserwerfer vertrieben.
Michael Buholzer / Keystone
Die Polizei liess die Vermummten ein paar Minuten gewähren. Unbeteiligte wurden per Lautsprecher gebeten, zur Seite zu treten. Und an die Radfahrer auf der Kreuzung richteten die Einsatzkräfte diese Worte: «Sie blockieren eine bewilligte Demonstration!» Dann traten die Wasserwerfer in Aktion. Die bespritzten Velofahrer flohen in alle Richtungen. Der «Marsch fürs Läbe» konnte weiterziehen. Vorerst zumindest.
«Leider einmal mehr in Oerlikon»
Die Vermummten versuchten immer wieder, den Umzug der Abtreibungsgegner zu stören. Polizisten formierten sich und schritten mit Helm, Schild und Gummischrotflinten nebeneinander auf die Gegendemonstranten zu, um die beiden Lager in den Strassen voneinander getrennt zu halten. Dabei wurden die Einsatzkräfte mit weiteren Parolen eingedeckt («Siamo tutti antifascisti!») sowie mit Feuerwerkskörpern und Flaschen beworfen.
Die Polizei setzt Wasserwerfer ein, damit die bewilligte Demonstration der Abtreibungsgegner fortgesetzt werden kann.
NZZ
Bis zu diesen Szenen war der «Marsch fürs Läbe» friedlich verlaufen. «Leider sind wir einmal mehr in Oerlikon!», hiess es zu Beginn der Veranstaltung von der Bühne auf dem Marktplatz. Beatrice Gall, die OK-Präsidentin, hätte lieber in der Innenstadt demonstriert – ein Anliegen, das den Organisatoren wegen Sicherheitsbedenken erneut verwehrt worden war.
Gall und ihre Mitstreiter aus christlich-konservativen Kreisen haben dagegen Rekurs vor dem Bezirksrat eingelegt und eine entsprechende Petition lanciert. Die Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne) wird darin aufgefordert, dem «Marsch fürs Läbe» künftig eine «öffentlichkeitswirksame» Route durch die Zürcher Innenstadt zuzugestehen. Die «Ungleichbehandlung» gegenüber dem Umzug am 1. Mai und anderen Veranstaltungen müsse aufhören – zumal bei der Nachdemo am vergangenen 1. Mai Polizisten mit Flaschen, Stühlen und Knallkörpern beworfen worden seien.
Aber die enttäuschten Worte der OK-Präsidentin wegen Oerlikon wollten nicht so recht zur Atmosphäre auf dem Marktplatz am Nachmittag passen. Der «Marsch fürs Läbe» hatte wieder einmal auf den zentralen Platz des Quartiers gebeten. Mehrere hundert Abtreibungsgegner und Anhänger der Pro-Life-Bewegung waren gekommen, viele hatten ihre Familien mitgebracht: Frauen, Männer, Kinder, Grosseltern.
Entspannte Stimmung auf dem Marktplatz
Die Stimmung am Start der Kundgebung ist entspannt, festlich, nachdenklich. Mit Oerlikon als Demonstrationsort scheinen die wenigsten Besucher ein Problem zu haben. Aber der Marktplatz ist abgesperrt, Sichtschutzzäune umgeben ihn. Freiwillige Helfer werfen beim Eingang einen Blick in Rucksäcke und Taschen. Dann darf man passieren.
Die diesjährige Ausgabe kann mit zwei Politikern aufwarten. Der frühere Kantonsrat und heutige EDU-Nationalrat Erich Vontobel befindet sich im Publikum. Der Freiburger SVP-Nationalrat Nicolas Kolly erhielt für seine Ansprache auf der Bühne viel Applaus: «Jedes Kind hat eine Mutter und einen Vater, auch wenn das gewisse Kreise anders sehen!» Kolly appellierte vor allem an die Männer, ihre schwangeren Frauen nicht alleinzulassen und ihre Verantwortung wahrzunehmen.
Die Route des Umzugs war bis am Samstag geheim gehalten worden. Sie führte vom Marktplatz in einem weiten Rund durchs Quartier auf den zentralen Platz beim Bahnhof zurück.
Die Stadtpolizei teilte am Abend mit, dass man die Teilnehmer der Kundgebung jederzeit habe schützen können. Mehrere Dutzend Gegendemonstranten wurden weggewiesen. Wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte wurden zwei Personen vorläufig festgenommen. Informationen über Verletzte oder Sachbeschädigungen lagen keine vor.
Kurz nach dem Start des Umzugs geht es nicht mehr weiter. Vermummte Gegendemonstranten blockieren den Umzug der Abtreibungsgegner in Zürich Oerlikon.
NZZ
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