Ukraine beschießt Wildberries – mit gravierenden Folgen für den Alltag in Russland


Angriffsserie auf Wildberries: Kiews Strategie reicht nun bis in Russlands Alltag

Stand: 09.08.2026, 16:56 Uhr

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Die Ukraine greift weiter Lagerhallen des russischen Onlinehändlers Wildberries an. Damit dringt der Ukraine-Krieg bis weit in die russische Gesellschaft hinein.

Jekaterinburg – Seit Mitte Juli nimmt die Ukraine gezielt Lager des größten und wichtigsten russischen Onlinehändlers Wildberries ins Visier. Die Plattform hat in Russland für zahlreiche Haushalte einen enormen Stellenwert – vergleichbar mit dem von Amazon in anderen Erdteilen. Aber auch im seit nunmehr viereinhalb Jahren währenden Ukraine-Krieg nimmt Wildberries eine bedeutende Rolle ein.

Die Ukraine greift weiter Lagerhallen des russischen Onlinehändlers Wildberries an. Damit dringt der Ukraine-Krieg bis weit in die russische Gesellschaft hinein.

Fotomontage eines Wildberries-Logos und Rauchwolke nahe der Isaakskathedrale in St. Petersburg © IMAGO / Russian Look und dpa/AP | Uncredited

Mit der Angriffswelle auf Wildberries-Logistikzentren in ganz Russland weiten die Streitkräfte Wolodymyr Selenyksjs ihre Strategie, Russlands Wirtschaft durch empfindliche Schäden zu destabilisieren, in großem Stil aus. Am Freitag (7. August), dem 1626. Tag des Ukraine-Kriegs, gelang Kiews Truppen tief im geografischen Herzen Russlands ein weiterer Drohnenschlag von verheerender Wirkung für den russischen Online-Giganten.

Ukraine gelingt verheerender Drohnenangriff auf Wildberries in Jekaterinburg

Die Ukraine hat am Freitagabend ein Wildberries-Logistikzentrum in Russlands viertgrößter Stadt Jekaterinburg – knapp 1500 Kilometer östlich von Moskau gelegen – mit Drohnen ins Visier genommen. Drei der Geschosse schlugen Gouverneur Denis Pasler zufolge im Dach des Wildberries-Logistikzentrums ein, das aus Sicherheitsgründen geräumt worden sei. Auch internationale Medien – darunter Reuters und die Deutsche Presse-Agentur (dpa) – berichteten übereinstimmend über den Angriff. 

Kiews Streitkräften gelang es durch den Drohnenangriff, das Wildberries-Logistikzentrum in Jekaterinburg in Brand zu setzen. Mitarbeiter seien allerdings rechtzeitig evakuiert worden, wie der russische Onlinehändler bestätigte. Tote gab es deshalb – im Gegensatz zu anderen Fällen der ukrainischen Angriffsserie auf Wildberries-Lagerhallen in Russland – beim jüngsten Drohnenschlag in Russlands viertgrößter Stadt keine. 

In sozialen Medien kursierte sowohl Fotos als auch Videos, die den Angriff dokumentieren sollen. Sie zeigten, wie Rauchsäulen über einer Lagerhalle aufstiegen. Unabhängig überprüfen lässt sich das Material allerdings nicht.

Bereits mindestens 13 Menschen in Russland starben durch ukrainische Drohnenangriffe auf Wildberries 

In mittlerweile fast viereinhalb Jahren Ukraine-Krieg haben sich die Methoden und Strategien der Kriegsführung stetig verändert. An der Frontlinie, an der es einst direkte Gefechte gegeben hatte, wird in der nur wenige Kilometer schmalen „Todeszone“ nun ausschließlich auf Drohnen gesetzt. Die Soldaten beider Seiten ziehen sich dagegen wochen- oder monatelang in unterirdische Verstecke zurück. Während Russland inzwischen auch Zivilisten in ukrainischen Städten mit unbemannten Flugobjekten angreift – wie jüngst einen Gemüsehändler auf dem Markt von Cherson – wollen Kiews Streitkräfte den Schaden infrastruktureller und wirtschaftlicher Ziele im Land von Machthaber Wladimir Putin weiter steigern.

Neben der Angriffsserie auf Russlands Energie-Infrastruktur und Luftschlägen auf die Hauptstadt Moskau, geht es nun seit einigen Wochen auch darum, den Dreh- und Angelpunkt des russischen Onlinehandels zu schädigen. Seit Mitte Juli haben ukrainische Drohnenangriffe der New York Times zufolge 23 Wildberries-Lagerhäuser in ganz Russland getroffen. Neben der jüngsten Attacke auf Jekaterinburg waren mitunter auch Wildberries-Standorte im Gebiet Tula südlich von Moskau, in der Ostsee-Metropole Sankt Petersburg, auf der von Russland besetzten Krim und in vielen weiteren Städten von der Ukraine angegriffen worden. Bei den Luftschlägen wurden bislang mindestens 13 Menschen getötet und mehrere Dutzend weitere verletzt.

Deshalb nimmt die Ukraine Russlands Onlinehandels-Riesen Wildberries ins Visier

Bereits mehrere Wildberries-Lagerhäuser mussten ihren Betrieb infolge des ukrainischen Beschusses einstellen. Die Angriffe dürften einerseits dazu dienen, den Krieg in die russische Bevölkerung hineinzutragen – und zwar bis auf Verbraucherebene. Im Gespräch mit der Tagesschau betonte eine russische Passantin etwa, dass die ukrainische Wildberries-Angriffsserie ihr „Angst mache“, weil nun spürbar sei, „dass der Krieg nicht mehr weit entfernt ist“. 

Selenskyjs Streitkräften geht es bei den Wildberries-Angriffen aber offenbar auch darum, Russlands Soldaten die Eigenausstattung zu erschweren. Viele derer, die für den Kreml in den Krieg ziehen, beschafften verschiedenste Alltagsutensilien über die omnipräsente Onlineplattform. Bis vor Kurzem gab es auf Wildberries laut Angaben der New York Times außerdem eine Kategorie für militärische Ausrüstung. Dieser aber sei mittlerweile von der Website entfernt worden.

Wie wichtig Wildberries den Russinnen und Russen ist, wird an Zahlen allzu deutlich: 79 Millionen Menschen, und damit mehr als die Hälfte der russischen Bevölkerung, nutzen Wildberries jeden Monat. Tatjana Kim, Co-Initiatorin des 2004 gegründeten Unternehmens, ist durch Wildberries’ Erfolg inzwischen zur wohlhabendsten Frau Russlands avanciert. Wildberries’ Reichweite ist in Russland mit der keines anderen Unternehmens vergleichbar. Denn diese reicht bis in die entlegensten Winkel des Landes, darunter in Dörfer, in denen es außer einem örtlichen Einzelhändler oftmals keine anderen Geschäfte gibt. (Verwendete Quellen: Reuters, dpa, New York Times, Tagesschau) (fh)