Arbeiterwohlfahrt: Sozialverband spricht sich für Bündelung von Sozialleistungen aus


Grundsicherung, Wohn- und Kindergeld zusammenlegen – das senkt laut AWO nicht nur die Bürokratie, sondern auch das Armutsrisiko. Dem stehen jedoch hohe Kosten gegenüber.

Quelle: DIE ZEIT, epd, dpa, KNA, Reuters,

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  1. August 2026, 13:21 Uhr

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Mit ihren Reformvorschlägen will die AWO das Armutsrisiko senken. © Sebastian Gollnow/​dpa

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat die Vorschläge einer Kommission der Bundesregierung unterstützt, Sozialleistungen künftig zu bündeln. Indem man Leistungen wie Grundsicherung, Wohn- oder Kindergeld zusammenlege, vereinfache man nicht nur das System und die Arbeit der Behörden, sondern trage auch aktiv dazu bei, das Armutsrisiko zu reduzieren, teilte die AWO mit. Zur Begründung legte der Sozialverband eine Studie mit Reformvorschlägen vor, die er vom ​Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut ifo hatte durchrechnen lassen.

Mit der Studie stimmt die AWO den Reformvorschlägen der Regierungskommission im Wesentlichen zu. Lediglich die Einkommensanrechnung werde im AWO-Entwurf »entgegen den Empfehlungen der Kommission für niemanden systematisch verschlechtert«, erklärte der Verband.

Im Kern sieht die Idee der AWO vor, Leistungen für erwerbsfähige ​Menschen zu bündeln ‌und nur noch einen Einkommensbegriff zu verwenden. Expertinnen und Experten zufolge sei der Sozialstaat in seiner jetzigen Form zu komplex und bürokratisch, weshalb viele Menschen ihre Sozialansprüche nicht wahrnehmen würden, teilte die AWO mit.

Weniger Armut, mehr Arbeit

Die Leistungen könne man in einen existenzsichernden Teil und einen existenzunterstützenden Teil aufteilen, sobald Empfangende einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nachgehen. Ein sogenannter »Erwerbsbooster« – eine Sonderzahlung von 100 Euro pro erwerbstätiger Person über der Minijobgrenze im Haushalt – sowie Freibeträge für Alleinerziehende könnten dafür zusätzliche Anreize schaffen, hieß es.

Unter dem Schnitt könnten die untersten Einkommensgruppen damit etwa 515 Euro mehr im Jahr zur Verfügung haben. Die Armutsgefährdungsquote könne um 0,9 Prozentpunkte sinken, sagte Studienleiter Maximilian Blömer vom ifo-Institut. Derzeit sind 16 Prozent der Menschen in Deutschland als armutsgefährdet eingestuft.

Auch die Arbeitslosigkeit könne damit effektiv bekämpft werden. Die Studienautoren rechnen mit 322.000 Menschen, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen könnten. Und da das Konzept mehr Menschen in Arbeit bringe, würden auch die Kosten des Reformpakets sinken. Blömer sprach dazu von einem Plus an Arbeitsstunden im Umfang von 188.000 Vollzeitäquivalenten.

Hohe Kosten

Trotzdem würden Sozialreformen in dem Umfang den Staat wohl 5,4 Milliarden Euro im Jahr kosten. Die AWO hob in einer Pressemitteilung dennoch die »verteilungspolitische Effizienz« des eigenen Ansatzes hervor. So würde etwa eine Erhöhung des Kindergeldes auf 299 Euro im Monat ebenfalls 5,4 Milliarden Euro jährlich kosten, die Armutsgefährdungsquote jedoch nur um 0,1 Prozentpunkte senken – bei schwächeren »Arbeitsmarkteffekten«.

Die finanziellen Herausforderungen, vor allem für die Kommunen, leugne man nicht, sagte AWO-Referent Lukas Hochscheidt. Allerdings müssten sich Sozialreformen in erster Linie daran orientieren, »das Leben der Menschen besser zu machen«. Zur Gegenfinanzierung könnte man etwa darüber nachdenken, die Besserstellung für wohlhabendere Familien über Steuerfreibeträge gegenüber dem Kindergeld abzubauen. Das brächte über drei Milliarden Euro, sagte Hochscheidt.