Wut über das Disc-Ende bei der Playstation: Sony dürfte den Shitstorm einfach aussitzen
Sony legt die Produktion von Spielediscs für die Playstation ab 2028 auf Eis, was aktuell für Fassungslosigkeit bei Fans sorgt. Trotz des Gegenwinds ist laut eines Analysten aber nicht zu erwarten, dass Sony seine Entscheidung überdenkt.
Zum Monatsbeginn verkündete Sony die Hiobsbotschaft, dass ab 2028 keine physischen Datenträger mehr für Playstation-Spiele produziert werden. Diese sollen dann nur noch digital erscheinen. Für Sony eine aus wirtschaftlichen Gründen nachvollziehbare Entscheidung. Für Fans und Sammler von Memorabilia, die ihre Spiele noch "besitzen" möchten, ein harter Schlag.
Als Reaktion auf das Produktionsende der Disc wurde eine Petition zum Erhalt der physischen Datenträger ins Leben gerufen, die bereits über 300.000-mal unterzeichnet worden ist. Außerdem präsentierten Fans online Screenshots ihrer gekündigten PS-Plus-Abonnements. All das soll Sony aber nicht beeindrucken, wie ein Analyst verrät. Demnach soll das japanische Unternehmen den Shitstorm einfach aussitzen wollen.
Sony soll sich vom Shitstorm nicht beeindrucken lassen
Diese Prognose hat Dr. Serkan Toto, deutscher Staatsbürger und CEO des japanischen Beratungsunternehmens Kantan Games für die Spieleindustrie, gegenüber IGN geäußert. Für Sony dürften etwa die gekündigten PS-Plus-Abonnements nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein. Selbst wenn 500.000 Abonnenten kündigten, würde nur 1 Prozent des daraus generierten Umsatzes für Sony wegbrechen, da weltweit rund 50 Millionen Nutzer über eine kostenpflichtige Mitgliedschaft verfügten. "Natürlich ist das für Sony nicht genug, um zum Umdenken bewegt zu werden. Der digitale Bereich ist einfach zu lukrativ", führt Serkan Toto weiter aus.
Er habe Verständnis für Fans physischer Medien, gibt aber zu verstehen, dass Sony nicht einlenken werde. "Sie [Sony, Anm. d. Red.] wussten natürlich, wie die Reaktionen im Internet aussehen würden, und warten nun ab, bis sich der Sturm gelegt hat." So hart Sonys Entscheidung auch für Spieler ausfallen mag, die womöglich seit der Ära der ersten Playstation Spiele mit Disc erworben haben und nach 34 Jahren plötzlich darauf verzichten müssen, so ist sie aus einer wirtschaftlichen Sicht komplett nachvollziehbar. Ohnehin ist in der Videospielbranche seit Längerem ein Trend Richtung totaler Digitalisierung zu beobachten.
Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle finden Sie externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz Ihrer persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn Sie dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigen:
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Analyst greift zum Rechenschieber - Umstieg ist für Sony zu lukrativ
Serkan Toto erklärt in diesem Kontext, wie sich die Erlösströme im Vergleich zwischen digitalen und physischen Medien für den Konzern darstellen. Wenn Sony eine physische Edition eines Spiels auf den Markt bringt, fallen in diesem Prozess einerseits Produktions- und andererseits Vertriebskosten für den jeweiligen Händler an. Diese beiden Faktoren wären beim digitalen Vertrieb für Sony inexistent.
Der Analyst bringt hier folgendes Beispiel an: Beim Verkauf einer physischen Edition eines Spiels aus Eigenproduktion, wie etwa The Last of Us, fließen nur 65 Prozent der Einnahmen an Sony selbst. Laut Serkan Toto gehen 30 Prozent der Einnahmen im Vertrieb verloren und 5 Prozent in der Produktion. Bei Spielen von Drittanbietern, wie einem Call-of-Duty-Eintrag, soll Sony eine Lizenzgebühr von 15 Prozent erhalten.
Verkauft Sony aber die Spiele nun ausschließlich über den hauseigenen Playstation Store, bleiben die kompletten Einnahmen beim Publisher, im Falle eines First-Party-Spiels wie The Last of Us, wie Serkan Toto versichert. Beim Call-of-Duty-Beispiel verblieben noch 30 Prozent der Einnahmen bei Sony. "Ihre [Sonys, Anm. d. Red.] aktuelle Gewinnspanne ist seit Jahren zu gering, daher sehen sie sich zum Handeln gezwungen", beendet Serkan Toto seine Analyse. "Aus wirtschaftlicher Sicht sind digitale Verkäufe einfach zu sinnvoll, insbesondere für Plattformbetreiber."
Mitmachen und kommentieren
Werden Sie die CDs vermissen? Die PCGH-Redaktion freut sich über Ihre fundierte Meinung in den Kommentaren zu dieser Meldung. Sollten Sie noch keinen Extreme-Account haben, laden wir Sie zu einer Registrierung im Forum ein. Beachten Sie beim Kommentieren aber bitte die gültigen Forenregeln. Folgen Sie gerne PCGH bei 🔈 Youtube oder 💬 Whatsapp und erhalten Sie Neuigkeiten zu Grafikkarten, CPUs und Gaming direkt in Ihrem Feed.
Quelle: Serkan Toto via IGN