Ausstand an Berliner Charité: Pflegekräfte wollen ab der Frühschicht am Donnerstag streiken


Am Donnerstagmorgen dieser Woche könnten einige Abläufe an der Berliner Charité durcheinandergeraten. Zumindest einzelne Stationen dürften spürbar vom Ausstand der Pflegekräfte betroffen sein: Verdi ruft von der Frühschicht am Donnerstag bis einschließlich der Spätschicht am Freitag zum Warnstreik auf.

Ob und welche Behandlungen verschoben werden müssen, soll in den einzelnen Abteilungen bald entschieden werden. Wie üblich wird die Charité die betroffenen Patienten darüber informieren.

Die Gewerkschaft und der Vorstand der Universitätsklinik verhandeln, wie berichtet, über den Entlastungstarifvertrag. Er regelt seit 2021, dass Pflegekräfte bei personeller Unterbesetzung auf einer Station mit Freizeit, Sachleistungen oder Geld entschädigt werden.

Doch die Charité muss angesichts eines Defizits von fast 64 Millionen Euro im vergangenen Jahr sparen. Wegen verschärfter Vorgaben des Bundes werden die Krankenkassen künftig weniger Mittel an die Kliniken zahlen. Schon heute schreiben viele Krankenhäuser rote Zahlen. Hinzu kommt ein Sparkurs in Berlin, der die landeseigene Charité insbesondere in ihrer Funktion als Hochschule trifft – weshalb der Tarifkampf auch in den Koalitionsverhandlungen nach der Wahl eine Rolle spielen wird.

Europas größte Universitätsklinik verfügt über 3300 Betten und beschäftigt einschließlich ihrer Tochterfirmen mehr als 25.000 Menschen, darunter 7000 Pflegekräfte. Im Jahr 2025 versorgte die Charité rund 148.000 stationäre und 853.000 ambulante Fälle. Ihre Hauptstandorte liegen in Steglitz, Wedding und Mitte.

Auch während des zweitägigen Streiks werden akute Fälle wie gewohnt versorgt. Die Notdienstvereinbarung zwischen Verdi und dem Klinikvorstand ist in diesem Fall sogar deutlich umfangreicher, als es der Gewerkschaft lieb ist: Die Charité-Spitze setzte vor dem Arbeitsgericht durch, dass mehr Personal im Einsatz sein muss, als von Verdi vorgeschlagen worden war.