Auswirkungen des Irankriegs: Indische Seefahrer im Kreuzfeuer


Auswirkungen des Irankriegs: Indische Seefahrer im Kreuzfeuer

Der Irankrieg trifft längst auch die zivile Schifffahrt. Sechs Tote, ein Vermisster und große Unsicherheit: Das ist die Bilanz für Indiens Seefahrer.

Ein Frachtschiff vor Anker, eine Person an Bord, im Hintergrund ein weiteres Schiff
Ein wartendes Frachtschiff in der Straße von Hormus im Juni 2026

Foto: Laurin Strele/Middle East Images/imago

Natalie Mayroth

Im März erreichte die indische Millionenmetropole Mumbai die schockierende Nachricht vom ersten im Golf getöteten indischen Seefahrer aus der Stadt: Dixit Solanki. Seitdem ist trotz des mithilfe Pakistans vermittelten Abkommens in der Straße von Hormus keine Ruhe in Sicht.

Washington bombardierte zuletzt erneut Ziele im Iran. Teheran reagierte mit der Schließung der wichtigen Meerenge. Am Sonntag griff der Iran den Tanker „GFS Galaxy“ an, der unter zyprischer Flagge ohne iranische Erlaubnis die Meerenge durchqueren wollte. Die Besatzung geriet unter Beschuss, seitdem wird ein Mann indischer Herkunft vermisst.

Laut Medienberichten handelt es sich um den Schiffsingenieur Heramb Karmarkar aus Westindien. Das Schiff musste die Reise wegen der Schäden abbrechen, die restliche Crew konnte gerettet werden. Das indische Außenministerium verurteilte den jüngsten Angriff, der eine anhaltende Bedrohungen für die Handelsschifffahrt darstelle, in der laut Regierungsangaben bis zu 350.000 In­de­r:in­nen tätig sind.

„Wir bekräftigen unseren Aufruf zu einer sofortigen Deeskalation der Spannungen […], damit Frieden und Stabilität in der Region wiederhergestellt werden können“, hieß es in der Erklärung weiter. Weder der Iran noch die iranischen Revolutionsgarden, von denen der Angriff ausging, wurden darin namentlich genannt.

Insgesamt starben im aktuellen Konflikt mindestens sechs indische Seefahrer. Im März wurde bei einem Angriff auf den Öltanker „MKD Vyom“ erstmals ein Mann aus Indien getötet, nach einem iranischen Angriff auf den Öltanker „Skylight“ starben zwei weitere indische Besatzungsmitglieder, die im Golf unter ausländischer Flagge arbeiteten.

Drei Tote bei US-Angriff

Im Juni kam es zu einem weiteren tödlichen Vorfall, bei dem drei indischstämmige Seefahrer auf dem palauischen Öltanker „MT Settebello“ getötet wurden. Sie kamen ums Leben, nachdem der Tanker von der US-Marine beschossen worden war. Unter den Toten sind der 44-jährige leitende Ingenieur Patnala Suresh aus Vizag, der kurz vor seinem Heimaturlaub stand; der 35-jährige Maschinist Shivanand Chaurasia aus Uttar Pradesh und der 23-jährige Deckkadett Aditya Sharma.

Adityas Vater Rajesh Sharma bat die Zentralregierung in Delhi öffentlich um Hilfe bei der Überführung des Leichnams seines Sohnes. „Die Reederei stand unter wirtschaftlichem Druck“, sagte er im indischen Fernsehen. Das US-Militär habe dennoch eine tödliche Entscheidung getroffen, obwohl es andere Möglichkeiten gegeben hätte, ein Handelsschiff unter Kontrolle zu bringen – etwa eine Übernahme oder die Festnahme der Besatzung. „Stattdessen haben sie das Schiff mit einer Rakete angegriffen“, beklagt Sharma. Etwa eine Woche später konnte der junge Mann im nordindischen Hamirpur von seiner Familie beigesetzt werden.

Zudem starb der 35-jährige indische Seemann Nishanth Uirthanathan im Juni an Bord des Tankers „MT Celestial“ an medizinischen Komplikationen, während das Schiff im Hafen von Oman vor Anker lag. Schätzungen zufolge stammt weltweit jeder fünfte bis sechste Seemann auf großen Handelsschiffen aus Indien.

Zu Beginn der Krise waren laut der indischen Schifffahrtsbehörde (DG Shipping) etwa 23.000 indische Seeleute in verschiedenen Funktionen in der Golfregion im Einsatz. Derzeit sitzen nach Informationen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation der Vereinten Nationen (IMO) noch rund 6.000 Seeleute verschiedener Nationalitäten auf Schiffen dort fest. Laut der iranischen Handelsmarine wurden bis Anfang April ebenfalls 44 iranische Seefahrer getötet, Angaben, die sich nicht unabhängig bestätigen lassen.

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