Automobilindustrie - Merz: "Verbrenner-Aus ist Geschichte"


Automobilindustrie
Merz: "Verbrenner-Aus ist Geschichte"

Nach der deutsch-französischen Einigung über ‌die Senkung der CO2-Werte für Neuwagen ⁠ab 2035 hat Bundeskanzler ⁠Merz vom "Ende des Verbrenner-Aus" gesprochen. Merz und Frankreichs Präsident Macron hatten die Einigung am Rande des EU-Gipfels in Brüssel bekannt gegeben. Danach soll das CO2-Reduktionsziel für Neuwagen von bisher 100 auf 90 Prozent sinken, ohne dass weitere Ausgleichsmaßnahmen erforderlich wären.

17.10.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gibt vor dem EU-Gipfel ein Pressestatement ab.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) (picture alliance / dpa / Michael Kappeler)

Italien habe als dritte große EU-Autonation Zustimmung signalisiert, sodass er mit einer Umsetzung in der EU rechne, sagte Merz. Deutschland und Frankreich schlagen zugleich strengere Regeln für den Anteil an europäischen Komponenten vor, den Autos künftig enthalten dürfen. Das abgeschwächte Ziel kommt den Wünschen ​der deutschen Automobilhersteller entgegen. Diese könnten damit auch nach 2035 neue Benzin- und Dieselfahrzeuge absetzen. Bedingung wäre nur, dass ihre Neuwagenflotte den - großzügiger bemessenen - Grenzwert nicht überschreitet.

Frankreichs Präsident Macron schrieb auf X, Europa müsse "ein Kontinent sein, der innovativ ist, investiert und produziert und dabei das Klima schützt und unsere Arbeitsplätze sichert, das ist der Kern unseres Engagements".

Unterschiedliche Reaktionen auf Vorstoß

Niedersachsens Ministerpräsident Lies (SPD), dessen Bundesland mit einem Fünftel am Branchenriesen VW beteiligt ist, nannte die Einigung ein starkes Signal für die europäische Automobilindustrie. Ähnlich äußerte sich der sozialdemokratische Parteichef Klingbeil. Es seien "richtige Entscheidungen" für die Beschäftigten und die Standorte der Autoindustrie getroffen worden. Dabei habe die SPD innerhalb der Koalition erreicht, dass gemäß der Zielformulierung wichtige Komponenten in Deutschland und Europa entwickelt und produziert würden.

Schneider: "E-Autos setzen sich in jedem Fall durch"

Auch Bundesumweltminister Schneider, der die Aufweichung der Verbrenner-Auflagen erkennbar mit Skepsis betrachtet, begrüßte die Einigung. Der SPD-Politiker betonte zugleich: "Elektroautos werden sich in jedem Fall durchsetzen, weil sie technisch überlegen sind." Die Hersteller bekämen aber "etwas mehr Spielraum bei den CO2-Werten, um sie in die Lage zu versetzen, in Elektromobilität und in europäische Standorte zu investieren".

Dröge: "Merz und Macron opfern die Klimaschutzziele im Verkehr"

Aus der Opposition kommt hingegen scharfe Kritik. Grünen-Fraktionschefin Dröge sagte der Nachrichtenagentur dpa, Merz schaffe mit dem Deal einen zusätzlichen "Bremsklotz" für die deutschen Automobil-Standorte. Stattdessen müsse man "mit voller Kraft" in das E-Auto investieren und in Zukunftstechnologien wie Batterietechnik und verbraucherfreundliches Laden. "Gerade einmal zehn Wochen nach dem heißesten Sommer und den größten Waldbränden in Europa opfern Merz und Macron die Klimaschutzziele im Verkehr", erklärte Dröge.

Gegenwind kommt ebenso von Umweltverbänden. Die Organisation T&E (Transport and Environment) bezeichnete die Einigung als "Zugeständnis" an die Vorstandsvorsitzenden der Automobilindustrie. Das deutsch-französische Positionspapier schwäche die Nachfrage nach Zukunftstechnologien aus Europa "massiv".

Diese Nachricht wurde am 17.10.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.