Baby-Krise in den USA: Forscher machen das Smartphone für drastischen Geburtenrückgang verantwortlich
Stand: 02.08.2026, 06:52 Uhr
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Seit Jahrzehnten sinkt die Geburtenrate in den USA. Eine neue Studie bringt einen überraschenden Auslöser dafür ins Spiel: das Smartphone.
Kassel – Die Geburtenrate in den USA sinkt seit Jahrzehnten – immer weniger Kinder kommen dort zur Welt. Wissenschaftler versuchen seit Langem, dieses Phänomen zu erklären. Der jüngste Versuch einer Gruppe von Forschern, die fallende Geburtenrate zu erklären, liefert eine überraschende Antwort: die Einführung des ersten Smartphones im Jahr 2007. Andere Experten bleiben skeptisch.

Für Caitlin Myers, Ökonomin am Middlebury College und am National Bureau of Economic Research sowie Hauptautorin der Studie, stellt das Jahr 2007 einen Wendepunkt dar: Nach Angaben von CNN brachte Apple mit dem iPhone das erste moderne Smartphone auf den Markt. Die erste Generation an jungen Menschen, die mit diesen Smartphones aufgewachsen ist, habe soziale Interaktionen eher über Bildschirme gepflegt. Persönliche Kontakte hätten an Bedeutung verloren.
Laut Studie: Zugang zu Smartphones senkt die Geburtenrate
In ihrem Arbeitspapier untersuchten die Wissenschaftler die Verbreitung des Breitbandnetzes von AT&T, das nach 2007 zunächst das einzige Netz war, in das sich das iPhone einwählen konnte. Danach verglichen sie, wie sich die Geburtenrate zwischen 2007 und 2011 mit dem Anteil der Bevölkerung veränderte, der Zugang zu diesem Netz hatte. Das Ergebnis überraschte: Hatten Menschen Zugang zu Smartphones, sank in diesen Landkreisen die Geburtenrate stärker als dort, wo die Netzabdeckung gering war.
Auffällig ist die Geburtenrate bei 15- bis 19-Jährigen: Wie es bei CNN heißt, sank diese zwischen 2007 und 2011 in Landkreisen mit Smartphone-Zugang um etwa 26 Prozent. Um 14 Prozent ging die Geburtenrate in Landkreisen mit weniger Zugang zurück. Daraus schließen die Forscher, dass das Smartphone in den USA im Zeitraum zwischen 2007 und 2011 für einen Geburtenrückgang von einem Drittel bis zu einer Hälfte verantwortlich ist. Auch China kämpft übrigens mit immer weniger Geburten: Seit Anfang dieses Jahres erhebt Peking eine 13-prozentige Mehrwertsteuer auf Verhütungsmittel.
Soziale Interaktionen durch das Smartphone ersetzt
Mitautor Ezekiel Hooper nennt eine mögliche Erklärung: „Anstatt Kontakte mit Freunden und Gleichaltrigen zu pflegen, finden diese vielleicht stattdessen über ihr Handy statt.“ So sei das Smartphone zu einem Ersatz für menschliche Interaktion geworden. Neuere Studien weisen jedoch darauf hin, dass soziale Medien dem Gehirn so schaden können wie zehn Jahre Alterung.
Dr. Alison Gemmill, außerordentliche Professorin für Epidemiologie an der UCLA School of Public Health, bezweifelt, dass das Smartphone als einzige Erklärung für sinkende Geburtenzahlen in den USA taugt. „Es stimmt, dass Menschen später heiraten, später Partnerschaften eingehen und weniger Zeit in festen Beziehungen verbringen. Diese Entwicklungen finden parallel zu Veränderungen bei den Wohnkosten, im Bildungswesen, auf dem Arbeitsmarkt, bei den Geschlechternormen und im sozialen Leben statt“, erklärt sie.
Auch Dr. Sarah Hayford, Direktorin des Instituts für Bevölkerungsforschung und Professorin für Soziologie an der Ohio State University, glaubt nicht, dass die Einführung einer neuen Technologie im Jahr 2007 einen so drastischen Rückgang der Geburtenzahl erklärt. Dieser Trend sei in den USA bereits seit mehreren Jahrzehnten zu beobachten.
Sinkende Geburtenrate auch im Jahr 2025: Trend setzt sich fort
Die sinkenden Geburtenraten bleiben in den USA ein Problem: So wurden im Jahr 2025 circa 3,6 Millionen Kinder zur Welt gebracht – ein Prozent weniger als noch im Jahr 2024. Das teilt die US-Gesundheitsbehörde CDC in einer Studie mit, für die sie 99,95 Prozent aller registrierten Geburten ausgewertet hat. Demnach ist die Geburtenrate seit dem Jahr 2007 um 23 Prozent gesunken. 1000 Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren brachten durchschnittlich 53,1 Kinder zur Welt. Deutlich ist auch der Rückgang von Schwangerschaften bei jungen Frauen im Alter zwischen 15 und 19: Dort fielen die Geburten in einem Jahr um sieben Prozent.
Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters entscheiden sich jüngere Frauen immer öfter gegen das Kinderkriegen, um mehr Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt oder mehr Freizeit zu haben. Dabei sei der Rückgang der Geburtenraten ein globaler Trend, der nicht auf die USA beschränkt sei. Auch in Deutschland sinkt seit Jahren die Anzahl der Geburten. (Quellen: nber.org, edition.cnn.com, cdc.gov, reuters.com (jws)