Bad Nauheim will Kita-Gebühren erhöhen: Krippenplatz kostet 1150 Euro mehr pro Jahr


Stand: 30.08.2026, 06:00 Uhr

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Die Vorschulkinder der Kita Auenland Bad Nauheim stellen Strom aus Zitronen her.

Eltern sollen das Portemonnaie immer weiter und weiter öffnen, um ihren Kindern eine Betreuung in der Kita zu ermöglichen. Besonders stark betroffen von den Erhöhungsplänen der Stadt sind Krippenkinder. © pv

Die Stadt Bad Nauheim will die Gebühren für Kita-Betreuung anheben. Für Familien mit Kindern unter drei Jahren steigen die Kosten bis 2029 um rund 1150 Euro jährlich. Der Familienbeirat widerspricht dem Vorhaben.

Bad Nauheim – Die Stadt will die Kita-Gebühren erhöhen. Am Donnerstag soll der Ausschuss für Soziales, Jugend, Senioren, Sport und Kultur (SJSSK) darüber beschließen. Hierzu hat der Fachbereich neun verschiedene Varianten zur Einnahmensteigerung vorgelegt und sich für die sogenannte Variante F entschieden.

Bad NauheimStadt erhöht Kita-Gebühren, Familienbeirat dagegen

Eltern sollen das Portemonnaie immer weiter und weiter öffnen, um ihren Kindern eine Betreuung in der Kita zu ermöglichen. Besonders stark betroffen von den Erhöhungsplänen der Stadt sind Krippenkinder. © Nici Merz

Plan ist, einen jährlichen Mehrertrag von 254.000 Euro zu erwirtschaften. Besonders betroffen sind Familien mit Kindern unter drei Jahren, die einen Krippenplatz belegen. Im Vorfeld lehnt der städtische Familienbeirat das Vorhaben ab, unterbreitet aber einen Gegenvorschlag.

Öffentliche Sitzung

Termin der Sitzung des städtischen Ausschusses für SJSSK (Soziales, Jugend, Senioren, Sport und Kultur) ist Donnerstag, der 3. September, um 19.30 Uhr. Die Sitzung ist öffentlich. Ort ist der Sitzungssaal im Obergeschoss des Rathauses in der Parkstraße 36 bis 38. Die Erhöhung der Kitabeiträge ist (außer Verschiedenes) der einzige Tagesordnungspunkt.

Wie es in einer Pressemitteilung heißt, hat sich der Beirat mit der empfohlenen Anpassung der Kita-Betreuungsgebühren sowie der vorgesehenen Erhöhung einer Dynamisierung um drei Prozent ab 2028 befasst (statt wie bisher zwei Prozent). Mit „Dynamisierung“ ist gemeint: Die Gebühren steigen jährlich automatisch um besagten Prozentbetrag.

Ja zu Beteiligung, aber angemessen

Der Familienbeirat erkenne an, dass sich Bad Nauheim in einer schwierigen Haushaltssituation befinde. Er verschließe sich deshalb nicht grundsätzlich einer Diskussion über eine angemessene Elternbeteiligung. Variante F in Verbindung mit der dauerhaften Erhöhung der Dynamisierung lehnen die Eltern aber ab.

Nach der Magistratsvorlage soll das U3-Grundmodul auf 350 Euro monatlich steigen, zusätzliche Betreuungsstunden sollen mit 1,50 Euro und Randzeiten mit 3 Euro je Stunde berechnet werden. Die Betreuungskosten eines Krippenkindes steigen laut Familienbeirat von rund 4425 auf 5253 Euro im Jahr 2027; durch die 3-Prozent-Dynamisierung auf rund 5576 Euro im Jahr 2029. Das seien rund 1150 Euro mehr als derzeit, die Verpflegungskosten von rund 800 Euro noch nicht eingerechnet.

Bei einem kommunalen Finanzierungsbedarf von 14 bis 16 Mio. Euro – so viel gibt die Stadt laut Erstem Stadtrat Peter Krank jährlich für die Kinderbetreuung aus – entsprächen 254.000 Euro lediglich rund 1,6 bis 1,8 Prozent dieses Betrages. Da die bestehende Satzung ohnehin eine Dynamisierung vorsehe und die Magistratsvorlage hierfür einen Mehrertrag von 26.500 Euro für 2027 ausweise, betrage der Nettoeffekt von Variante F rechnerisch rund 227.500 Euro.

Die Mehrbelastung der Familien steht nach Ansicht des Familienbeirats damit in keinem angemessenen Verhältnis zum Konsolidierungsbeitrag. Besonders kritisch sehen die Mütter und Väter die Verteilungswirkung: Variante F belastet Familien mit U3-Kindern sowie Familien mit hohem Betreuungsumfang und Randzeiten überproportional. Also gerade diejenigen, die auf umfangreiche Betreuung angewiesen seien, um Erwerbstätigkeit und Familie vereinbaren zu können.

Wesentlicher Standortfaktor

Haushaltskonsolidierung dürfe nicht überproportional auf Familien mit kleinen Kindern verlagert werden; bezahlbare Kinderbetreuung sei zudem ein wesentlicher Standortfaktor für Bad Nauheim. Der Familienbeirat sehe das Land in der Verantwortung, die Finanzierung stärker an die tatsächliche Kostenentwicklung anzupassen.

Daher regen die Eltern an, dass sich Bad Nauheim gemeinsam mit anderen Kommunen und den Spitzenverbänden gegenüber dem Land für eine auskömmlichere Finanzierung einsetzt. Die Erhöhung der Dynamisierung von zwei auf drei Prozent ab 2028 lehnt der Familienbeirat unabhängig von der Bewertung der einmaligen Anpassung ab.

Er spricht sich dafür aus, die bestehende Dynamisierung von zwei Prozent beizubehalten und die Finanzierungssituation nach einem festgelegten Zeitraum erneut zu evaluieren. Für künftige Vorhaben erbittet der Familienbeirat eine frühzeitigere Einbindung. Vorschlag der Eltern ist Variante D: eine moderate Anpassung des U3-Grundmoduls auf 310,14 Euro, Betreuungsstunden auf 1,50 Euro und Randzeiten auf 3 Euro je Stunde, was einem jährlichen Mehrertrag von rund 150.000 Euro entspreche. Die Dynamisierung solle bei zwei Prozent bleiben.