Badesachen werden zur großen Gefahr für Seen und Flüsse: Warum sie möglichst oft gewaschen werden sollten


Stand: 14.08.2026, 14:11 Uhr

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Quagga-Muscheln bedrohen Seen und Flüsse in Deutschland – und ungewaschene Badesachen helfen ihnen dabei. Was Badegäste jetzt unbedingt wissen müssen.

Ludwigshafen – Wer nach einem langen Tag am See oder Fluss nach Hause kommt, hängt den nassen Bikini oder die nasse Badehose oft einfach zum Trocknen auf. Und zieht die Badesachen beim nächsten Ausflug wieder an. Doch das kann Deutschlands Seen und Flüsse in echte Gefahr bringen. Der Übeltäter ist winzig klein und kaum zu sehen: Die Quagga-Muschel (Dreissena rostriformis bugensis). Sie stammt ursprünglich aus dem Schwarzmeerraum und breitet sich seit Jahren in deutschen Gewässern aus.

Menschen sitzen an einem See

Nach einem Tag am See oder Fluss sollte man seine Badesachen nicht zu schnell wieder benutzen. Ein kleines Tier ist der Grund. © Frank Hammerschmidt/dpa

In Bayern sind Bodensee, Chiemsee und Rothsee bereits befallen. Seit 2025 und 2026 gibt es laut BR24 erste Nachweise auch am Starnberger See und Ammersee. Und das Problem reicht längst über Bayern hinaus: Das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz meldete gegenüber der dpa, die Muschel sei in der gesamten rheinland-pfälzischen Mosel bereits „in hohen Dichten“ vertreten – eingeschleppt über den Schiffsverkehr aus dem Donaugebiet. Auch in Abschnitten von Rhein und Saar hat sie sich in dem Bundesland ausgebreitet.

Badesachen gefährden Flüsse und Seen in Deutschland – Quagga-Muschel macht sich breit

Die unsichtbare Gefahr steckt in den Larven: Sie schweben frei im Wasser und setzen sich unbemerkt in Badekleidung, Tauchausrüstung oder Wasserspielzeug fest. Wer dieselben Sachen ungewaschen in den nächsten See oder Fluss mitnimmt, transportiert die Larven mit – und hilft der Muschel so, neue Gewässer zu besiedeln. BR-Umweltredakteur Simon Plentinger bringt das Problem auf den Punkt: „Sie verändert das Ökosystem, wenn sie plötzlich in so großer Zahl in einem See vorkommt.“

Quagga-Muschel

Quagga-Muscheln sind in mehreren deutschen Gewässern nachgewiesen worden. (Archivfoto) © Felix Kästle/dpa

Millionenkosten und Verletzungsgefahr durch Quagga-Muschel – „Nicht mehr aus dem See herauszubekommen“

Die Folgen sind handfest. Am Bodensee verstopfen die Quagga-Muscheln Leitungen, durch die Trinkwasser gepumpt wird – die Reinigung kostet Millionen. An der Mosel müssen Schleusen nun deutlich häufiger gewartet werden, weil sich die Tiere an Gitter und Schleusentore heften, wie das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt der dpa berichtete. Dazu filtert die Muschel Plankton aus dem Wasser und entzieht damit anderen Tieren die Nahrungsgrundlage. An ihren scharfen Kanten können sich Badegäste schneiden.

Für Prof. Herwig Stibor von der LMU München, der die Ausbreitung am Chiemsee beobachtet, gibt es kaum Hoffnung auf eine schnelle Lösung: Die Muschel „ist nicht mehr aus dem See herauszubekommen“, erklärte er laut bgland24.de von Ippen.Media bei einem Expertenforum in Seebruck.

Was jeder nach dem Baden tun sollte

Das Landratsamt Starnberg hat an Pilsensee und Wörthsee bereits Warnschilder aufgestellt. Die Empfehlung der Behörden lautet: Badekleidung und alle Ausrüstungsgegenstände nach jedem Gewässerbesuch gründlich abspülen, vollständig trocknen lassen – mindestens fünf Tage – und erst dann woanders ins Wasser nehmen. Das gilt für Angelausrüstung, Boote und Luftmatratzen genauso wie für Bikini und Badehose, wie utopia.de erklärt. In der Schweiz gibt es dafür bereits eine gesetzliche Reinigungspflicht für Boote. (Quellen: BR24, BR, dpa, utopia.de, bgland24.de) (kh)