Bagger legt Kabel der Wehrmacht frei – es liegt seit 1943 unter der Staatsstraße


Stand: 06.09.2026, 07:57 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Neptun ist das Zeichen: Auf dem Kabelverbinder – der sogenannten Muffe – findet sich das Logo der Firma „Felten und Guilleaume“. © Gemeinde

Bei Tiefbauarbeiten am neuen Feuerwehrhaus in Pastetten stößt ein Bagger auf ein unbekanntes Kabel. Ein Elektromeister erkennt an einer Muffe: Es stammt aus dem Jahr 1943 und diente der Luftwaffe zur Warnung vor Bomberfliegern.

Pastetten – Die Bauarbeiten im Bereich des neuen Pastettener Feuerwehrhauses gehen derzeit auch in die Tiefe. Vor kurzem wurde der Durchlass für den Hochwasserschutz unter der Staatsstraße gebaut. Dabei ist ein altes Kabel aufgetaucht, mit dem zunächst niemand so richtig etwas anfangen konnte.

Bagger legt in Pastetten Kabel der Wehrmacht frei

„Dass wir beim Graben auf Gasleitung und Abwasserrohr stoßen, war klar. Dafür gibt es Pläne. Aber zwei Meter versetzt kam eine weitere, zunächst unbekannte Leitung zum Vorschein“, erklärt Bürgermeister Andreas Wagner. Zwei Zufällen ist es zu verdanken, dass Licht ins Dunkel kam. Zum einen war Matthias Zimmerer, ein Elektromeister mit gutem Gedächtnis, auf der Baustelle. Zum anderen wurde das Kabel an einer Stelle freigelegt, an der sich eine sogenannte Muffe – das ist ein Verbindungsstück für Kabelenden – befindet. Und diese Muffe wiederum trägt eine Plakette mit dem Schriftzug „F&G Neptun“ und einem Dreizack-Logo.

Viele Jahrzehnte alt ist das Kabel, das nun bei Erdarbeiten am Pastettener Feuerwehrhaus entdeckt wurde. Es wird nicht entfernt. © Gemeinde

Zimmerer wusste, was das bedeutet, und bekam gleich einen Gastauftritt in Wagners wöchentlichem Videobericht unter dem Motto „Gschichtn aus’m Rathaus“. Der frühere Gemeinderat aus Moosstetten erzählt im Video von einer Erinnerung seines Vaters, der im Jahr 1943 ein kleiner Bub war: „Damals haben Kriegsgefangene mit Pickel und Schaufel in der damals nur aufgekiesten Staatsstraße eine Leitung verlegt. Das hat er in Harthofen mitbekommen. Die Baustelle lief weiter nach Buch und war dann schnell wieder verschwunden.“

Heute sei bekannt, dass die Initialen „F&G“ auf der Muffe für „Felten und Guilleaume“ stehen, ein Hersteller für Spezialkabel, der damals für die Wehrmacht und die Luftwaffe produziert habe. „Neptun“ war eine Marke des Unternehmens. Wie Zimmerer erklärt, sei damals wegen der alliierten Luftangriffe auf Sizilien ein Luftmeldesystem aufgebaut worden, mit Meldestellen beispielsweise in Dorfen und Kößlarn bei Mühldorf. In Vöcklabruck in Oberösterreich war eine Flugwachtzentrale.

Um Informationen über gesichtete Bombenflieger in Richtung München blitzschnell weitergeben zu können, wurde ein eigenes Leitungsnetz installiert. „Von Vöcklabruck aus haben die Maschinen weniger als eine Stunde gebraucht, bis sie in München die Bomben abgeworfen haben.“ Das Warnnetz wurde zwar 1945 abgeschaltet, die Kabel aber blieben oft aus verschiedenen Gründen bis heute in der Erde liegen – zum einen wäre der Rückbau teuer gewesen, zum anderen gab es keine konkreten Lagepläne.

Wie Zimmerer auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt, handelt es sich bei diesem Kriegsrelikt in Pastetten um eine sogenannte 400er-Hauptleitung mit 200 Doppeladern. Ummantelt sind sie mit einer Bleischicht, nach außen hin kam eine bitumengetränkte Stahlarmierung zum Einsatz.

Bürgermeister Andreas Wagner (l.) hatte Matthias Zimmerer zu seinem wöchentliche Videobericht eingeladen, um sein Wissen über das Erdkabel weiterzugeben. Das Kabel selbst hängt im Hintergrund an grünen Spanngurten.

Auf einem Durchlass für den Hochwasserschutz stehend, hatte Bürgermeister Andreas Wagner (l.) Matthias Zimmerer zum Videobericht eingeladen. Das Kabel selbst hängt im Hintergrund an grünen Spanngurten. © Henry Dinger/

Durch diese Bauweise ist die Leitung im Boden nahezu unverwüstlich. Dort wird sie auch bleiben, denn laut Bürgermeister Wagner soll das Kabel nicht entfernt werden. Nach seiner Erinnerung sei es bereits früher bei Straßenarbeiten und beim Bau der Hackschnitzelanlage im Bauhof zum Vorschein gekommen.