"Das hat ganz viel Staub aufgewirbelt"


Interview Beachvolleyballerin Louisa Lippmann

“Das hat ganz viel Staub aufgewirbelt”

Beachvolleyballerin Louisa Lippmann bei den Finals in Hannover (Quelle: IMAGO / Justus Stegemann)
Beachvolleyballerin Louisa Lippmann bei den Finals in Hannover (Quelle: IMAGO / Justus Stegemann)

Icon Kommentar

Beachvolleyballerin Louisa Lippmann hat wenige Monate vor Beginn der Qualifikationsphase für Olympia 2028 ihre Spielpartnerin gewechselt. Anfang Juli trennte sich die 31-Jährige, die für die BR Volleys an den Start geht, von Linda Bock, seitdem spielt sie mit der 25-jährigen Melanie Paul zusammen. Bei den Finals in Hannover setzte das neue Duo direkt ein Ausrufezeichen und gewann vier von vier Spielen. Doch die Trennung war alles andere als leicht, wie Lippmann im Interview erzählt.

rbb|24: Louisa Lippmann, mit Ihrer neuen Spielpartnerin Melanie Paul waren Sie direkt sehr erfolgreich bei den Finals in Hannover. Fiel Ihnen da erstmal ein Stein vom Herzen?

Lippmann: Auf jeden Fall. Diese zwei Wochen zwischen Trennung, neuer Teamformierung und den Finals in Hannover, die waren voller Ups and Downs. Wir hatten vielleicht fünf Trainings zusammen vor den Finals.

rbb|24: Beim "Elite 16" Turnier in Hamburg letzte Woche lief es dann allerdings weniger gut, da schieden Sie bereits in der ersten Qualifikationsrunde aus. Wie beurteilen Sie insgesamt die ersten gemeinsamen Auftritte im Sand?

Lippmann: Nach Hannover kam eine Erwartungshaltung dazu, in Hamburg haben wir uns dann zu viel Druck gemacht. Das haben wir vor allem mental nicht gut gemanaged. Wir müssen noch herausfinden: Was brauchen wir als Team? Wir lernen uns ja gerade komplett neu kennen. Hamburg war ein ordentlicher Dämpfer und trotzdem ist es auch ein realistischer Schnitt für die Situation, in der wir sind.

rbb|24: Blicken wir einmal zurück auf Ihre Trennung von Linda Bock. In diesem Herbst beginnt der Qualifikationszeitraum für Olympia – diese Trennung ist dementsprechend eine sehr weitreichende Entscheidung. Wie kam es dazu?

Lippmann: Jeder konnte sehen, dass wir eine sehr gute Chemie haben - sowohl im Team als auch zwischenmenschlich. Und dennoch wussten wir auch, dass es ein gewisser Risikofaktor ist, zwei Spielerinnen in ein Team zu packen, die eine Hallenhistorie haben (Paul wechselte 2023 zum Beachvolleyball, Lippmann 2022; Anm. d. Red.). Die Olympiaqualifikation geht im November los - wir haben also knapp anderthalb Jahre dafür. Und das war meinem Ermessen nach nicht die Zeit, die Linda und ich noch gebraucht hätten als Team.

Louisa Lippmann (rechts) mit ihrer ehemaligen Partnerin Linda Bock (links) (Quelle: IMAGO / Justus Stegemann)
Louisa Lippmann (rechts) mit ihrer ehemaligen Partnerin Linda Bock (links) (Quelle: IMAGO / Justus Stegemann)

rbb|24: Es war also Ihr Entschluss? Keine gemeinsame Entscheidung.

Lippmann: Ja, das war meine Entscheidung. Ich hatte das Gefühl, wir stecken irgendwie fest. Das ist dann natürlich eine scheiß Situation. Linda ist ein toller Mensch und eine tolle Spielerin. Ich habe ein offenes, ehrliches Gespräch mit ihr geführt und versucht, meinen Standpunkt zu erklären. Aber natürlich ist das sehr emotional. Mir tat das unheimlich leid.

rbb|24: Sie haben das als einen der schwersten Tage Ihrer Karriere bezeichnet.

Lippmann: Ich hatte das auch noch nie. In meiner Hallenkarriere bin ich von Verein zu Verein gewechselt. Aber sich von einer Partnerin zu trennen, ist etwas ganz anderes. Vielleicht wäre es einfacher, wenn man sich überhaupt nicht mag.

rbb|24: Das hört sich ein bisschen an, als könne man es mit der Trennung einer Beziehung vergleichen.

Lippmann: Emotional auf jeden Fall. Eine Beachvolleyball-Partnerschaft wird häufig mit einer Beziehung verglichen. Teilweise verbringt man mehr Zeit mit seinem Beachvolleyballpartner als mit seinem Lebenspartner. Und dennoch sprechen wir von Leistungssport. Das ist dann auch Business.

rbb|24: Wie funktioniert denn so ein Partnertausch im Beachvolleyball überhaupt?

Lippmann: Melli (Melanie Paul; Anm. d. Red.) ist eine sehr interessante Spielerin. Ich kannte sie aber persönlich noch gar nicht so gut. Und dann habe ich mir zum Beispiel ihren Saisonverlauf angeschaut. Am Ende ist aber natürlich entscheidend: Kann sie sich das vorstellen? Dann findet einfach ein offener Austausch statt.

rbb|24: Also haben Sie sich Melanie Paul ausgeguckt und sind dann auf sie zugegangen?

Lippmann: Genau, sie ist eine wahnsinnig athletische Spielerin mit einem krassen Aufschlag als Waffe und sie ist schon gestandener in der Sportart (Paul war nie Hallenspielerin, sondern von Beginn ihrer Karriere an Beachvolleyballspielerin; Anm. d. Red.). Das gibt mir gewisse Freiräume. Aber sie ist Linkshänderin. Das heißt, es gibt auch Herausforderungen, weil ich die Position wechseln muss.

Louisa Lippmann (links) und Melanie Paul (rechts) jubeln bei den Finals (Quelle: IMAGO / Justus Stegemann)
Louisa Lippmann (links) und Melanie Paul (rechts) jubeln bei den Finals (Quelle: IMAGO / Justus Stegemann)

rbb|24: Aber Sie waren nicht glücklich darüber, dass es nach den erfolgreichen Finals hieß, sie und Melanie Paul seien in ihrer "Honeymoon-Phase".

Lippmann: Das hat mich total genervt. "Honeymoon" ist so ein typischer Begriff im Beachvolleyball. Wie die erste Verliebtheitsphase in einer Beziehung, wenn alles toll ist und die Macken nicht auffallen. Bei uns fühlt es sich aber gar nicht nach Honeymoon an, weil wir noch so viele Baustellen haben. Honeymoon würde ja bedeuten, wir haben Zeit, können viel trainieren - das haben wir alles gerade nicht. Wir haben mitten in der Saison den Entschluss gefasst, in eine neue Partnerschaft zu gehen. Das hat ganz viel Staub aufgewirbelt.

rbb|24: Sie treten für die BR Volleys an, leben und trainieren aber in Hamburg. Was gibt Ihnen der Verein?

Lippmann: Mein Traum war es immer, mal in Berlin zu leben, aber das habe ich bisher leider nicht realisieren können. Der Leitstützpunkt für Beachvolleyball vom Verband ist in Hamburg, deswegen ist Hamburg unsere Base. Ich bin aber unheimlich stolz, dass ich für die BR Volleys antreten darf. Gerade weil Berlin wahnsinnig viele starke Männerteams hat, freue ich mich, die Volleys als Frau und Beachvolleyballerin bei Wettkämpfen repräsentieren zu dürfen. Es ist einfach ein Prestigeverein. Ob wir jetzt über die Erfolge reden, die vollen Hallen, die Stimmung oder die Fans - das ist ein geiles Miteinander in diesem Verein.

rbb|24: Am Mittwoch beginnt die Europameisterschaft in Polen. Was haben Sie sich vorgenommen?

Lippmann: Wir wollen uns weniger auf die Ergebnisse und mehr auf uns und unser Spiel konzentrieren. Jede Einzelne für sich und als Team. Wir wollen die neue Partnerschaft genießen und das auch aufs Feld bringen.

rbb|24: In Ihrer Gruppe treffen Sie direkt auf Ihre beiden Ex-Partnerinnen, die ja jetzt auch zusammenspielen. Wie kam es zu diesem "Ringtausch"?

Lippmann: Man muss dann natürlich erstmal schauen, welche Möglichkeiten bleiben. Ich denke, nach der Deutschen Meisterschaft dreht sich vielleicht auch vieles nochmal. Dass wir jetzt direkt in einer Gruppe sind, das ist dann wahrscheinlich Karma. Aber es ist eine gute Challenge, weil die Olympia-Qualifikation wird dann natürlich noch mehr Druck auf uns ausüben.

rbb|24: Sie rechnen also damit, dass es emotional wird?

Lippmann: Ja, natürlich. Es ist schon eine skurrile Situation. Alles andere wäre jetzt gelogen.

rbb|24: Vielen Dank für das Gespräch.

Der Text ist eine gekürzte, redigierte Fassung des Interviews.

Sendung: rbb|24, 10.08.2026, 18:01 Uhr

Audio: rbb|24, 010.08.2026, Louisa Lippmann im Gespräch mit Antonia Hennigs

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