Putin lässt Russland erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs wählen – auch in besetzten Gebieten
„Beitrag zum Sieg des Landes“: Putin lässt die Russen ein neues Parlament wählen – ohne Opposition
Stand: 18.09.2026, 07:38 Uhr
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Zum ersten Mal seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine wählt Russland ein neues Parlament. Die Opposition ist nicht zugelassen.
Moskau – Kreml-Chef Wladimir Putin führt mit Russland seit Februar 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Obwohl die russischen Militärs dachten, den Nachbarn schnell einnehmen zu können, dauern die Kämpfe nun seit mehr als vier Jahren an – und forderten Millionen Tote, gerade auch auf russischer Seite. Doch nicht nur das: Die Wirtschaft liegt brach, was nicht zuletzt mit immensen Kriegskosten und Drohnenangriffen der Ukraine zu tun hat. Dennoch will Putin seinen Kriegskurs vom Volk bestätigen lassen.

Denn von heute (Freitag) bis Sonntag wird in Russland ein neues Parlament gewählt. Putin hat die Russen aufgefordert, mit ihrer Stimmabgabe einen Beitrag zum Sieg des Landes zu leisten. Deshalb gilt der Urnengang vor allem als ein Referendum über den Ukraine-Krieg. Die seit mehr als 20 Jahren regierende Kremlpartei „Geeintes Russland“ erwartet nach dem Ausschluss der Anti-Kriegspartei „Jabloko“ eine Zweidrittelmehrheit. Für die Partei kandidieren Dutzende Kriegsveteranen.
Opposition in Russland streitet über Umgang mit Duma-Wahl
Aufgerufen sind mehr als 110 Millionen Russinnen und Russen zur Wahl von 450 Abgeordneten für die neue Staatsduma in Moskau. Die Opposition ist nicht zugelassen und die zehn Parteien auf dem Wahlzettel sind durchweg kremlnah und Kriegsunterstützer. Neben „Geeintes Russland“ sind im Parlament bisher vier weitere systemtreue Parteien vertreten. „Aus Angst vor dem Ausmaß der in Russland angehäuften Probleme unternimmt der politische Block des Kremls alles in seiner Macht Stehende, um die Wahlen so unauffällig wie möglich abzuhalten“, analysiert Andrej Perzew von der Denkfabrik Carnegie.
In der Opposition brodelt es derweil, weil Uneinigkeit darüber besteht, wie man mit der Wahl umgehen soll. Besonders laut ist der Streit unter jenen, die den Krieg ablehnen. Das Team des in Haft zu Tode gekommenen Oppositionsführers Alexej Nawalny empfiehlt, für Kandidaten zu stimmen, die nicht der Kremlpartei angehören. Nikolai Rybakow, Chef von „Jabloko“, geht weiter: Er rief Wahlberechtigte auf, ihre Stimmzettel zu zerreißen.
Der unabhängige Politologe Alexander Kynew wiederum verwies darauf, dass „Nowyje Ljudi“ (auf Deutsch: Neue Leute) am wenigsten Kriegspropaganda verbreite. Die wirtschaftsliberale Partei, bei jungen Menschen beliebt, hatte sich zuletzt offen gegen die häufigen Internetsperren ausgesprochen und könnte nun auch von Anhängern der ausgeschlossenen „Jabloko“ profitieren.
Duma-Wahl findet auch in von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine statt
Laut Umfragen des staatlichen Instituts Wziom kann „Geeintes Russland“ mit über 30 Prozent der Stimmen rechnen. „Nowyje Ljudi“ liegt demnach bei zehn, die Kommunistische Partei bei elf Prozent und die ultranationalistische LDPR bei neun Prozent. „Gerechtes Russland“ könnte mit fünf Prozent knapp den Wiedereinzug in die Duma schaffen.
Erstmals wird die Abstimmung auch in den von Russland besetzten ukrainischen Regionen Luhansk, Donezk, Saporischschja und Cherson abgehalten – gegen den ausdrücklichen Protest Kiews. Die internationale Gemeinschaft wertet dies als Verstoß gegen das Völkerrecht. (Quelle: dpa) (ktho)