Rente mit 63 vor dem Aus: Jeder dritte Neurentner betroffen – Ökonom mit vernichtendem Urteil


Beliebtes Rentenmodell vor Abschaffung – Diskussionen um „Rente mit 63“

Stand: 18.08.2026, 19:51 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Die Bundesregierung will das Aus für die „Rente mit 63“. Rund jeder dritte Neurentner wäre betroffen. Experten sehen großes Sparpotenzial. Stimmt das?

Berlin – Die Bundesregierung plant, die Rente mit 63 abzuschaffen. Davon wäre rund jeder dritte Neurentner betroffen – entsprechend groß dürfte der Widerspruch sein. Mindestens sieben Ministerpräsidenten stellen sich nun gegen das Vorhaben. Und das, obwohl die meisten Wissenschaftler die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente begrüßen. Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht darin sogar das wichtigste Instrument der Reform. Doch wie viel Geld würde die Abschaffung tatsächlich einsparen?

Eine ältere Person hält im öffentlichen Raum eine geöffnete Geldbörse in der Hand, aus der ein 20-Euro-Schein hervorschaut.

Diskussion um die Abschaffung der Rente mit 63. (Symbolbild) © picture alliance/dpa | Sina Schuldt

Streit um „Rente mit 63“: Rentenmodell vor Abschaffung

Deutschland wird immer älter. Dadurch gibt es weniger Menschen, die in die Rentenkasse einzahlen, aber immer mehr Rentner. Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung hat deshalb 33 Vorschläge für eine langfristige Reform ausgearbeitet. Dazu gehört auch die Abschaffung der Rente mit 63. „Die Rente für besonders langjährige Versicherte soll unter Berücksichtigung des verfassungsrechtlich gebotenen Vertrauensschutzes zum frühestmöglichen Zeitpunkt abgeschafft werden“, heißt es in den Empfehlungen der Rentenkommission.

Seit 2015 geht etwa jeder dritte Neurentner ohne Abschläge früher in Rente. 2025 lag die durchschnittliche Rente dabei bei rund 1677 Euro. Laut Alterssicherungskommission profitieren davon vor allem Menschen mit höherem Einkommen, Männer und Personen mit einer durchgehenden Erwerbsbiografie. Geringverdiener, Menschen mit längeren Unterbrechungen im Berufsleben und viele Frauen können diese Möglichkeit dagegen seltener nutzen.

Kritik gibt es auch daran, dass die abschlagsfreie Frührente zu höheren Rentenzahlungen führt, die von der gesamten Versichertengemeinschaft mitfinanziert werden. Auch die Möglichkeit, unbegrenzt neben der Rente zu arbeiten und Geld zu verdienen, kann einen frühen Renteneintritt attraktiver machen. Die Rentenkommission erklärt: „Da zudem keine Grenzen bei Hinzuverdienstmöglichkeiten bestehen, besteht ein zusätzlicher ökonomischer Anreiz, die Rente zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu beziehen.“

DIW-Präsident zum Aus der Rente mit 63: „Ohne dieses Element ist die Reform tot“

Trotz der Beliebtheit der Rente mit 63 sieht DIW-Präsident Marcel Fratzscher ihre Abschaffung als wichtigen Teil der Reform. „Ohne dieses Element ist die Reform tot“, wird er von der Welt zitiert. Seiner Auffassung nach würde die Schere zwischen Jung und Alt sowie zwischen Arm und Reich ohne die Abschaffung weiter auseinandergehen. Das Aus könnte langfristig rund zehn Milliarden Euro einsparen. Außerdem könnten dadurch etwa 125.000 Menschen pro Rentnerjahrgang zusätzlich arbeiten.

Der Begriff „Rente mit 63“ ist heute eigentlich nicht mehr richtig. Ursprünglich konnten Menschen, die mindestens 45 Versicherungsjahre hatten und vor 1953 geboren wurden, bereits mit 63 Jahren ohne Abschläge in Rente gehen. Inzwischen wurde das Eintrittsalter schrittweise angehoben. Seit 2016 steigt es für jeden weiteren Jahrgang um zwei Monate. Wer 1961 geboren wurde, kann heute frühestens mit 64 Jahren und sechs Monaten ohne Abschläge in Rente gehen.

Wie stark würden die Rentenbeiträge ohne die Rente mit 63 sinken?

Wer früher in Rente geht, zahlt weniger lange in die Rentenkasse ein und bekommt gleichzeitig länger Rente. Das kostet viel Geld: Laut Deutscher Rentenversicherung entstehen dadurch jedes Jahr rund 3,5 Milliarden Euro zusätzliche Kosten. Pro Beitragszahler sind das laut BR24 etwa 40 Euro im Jahr. Dabei wird die abschlagsfreie Rente nicht nur durch Beiträge, sondern auch durch Steuergeld finanziert. Die Zahlen sind daher nur eine Schätzung.

Laut einer Prognos-Studie würde der Beitragssatz um 0,4 bis 0,5 Prozentpunkte sinken, wenn die abschlagsfreie Rente abgeschafft wird. Im Jahr 2030 läge er dann bei 19,5 statt 20 Prozent. Für einen Arbeitnehmer mit einem mittleren Bruttogehalt von 4500 Euro wären das rund 11 Euro weniger Rentenbeitrag im Monat. Das gesparte Geld könnte stattdessen in die private Altersvorsorge fließen.

Wenige wissen, dass es mit dem „Wertguthaben“ eine andere Möglichkeit gibt, schon mit 63 oder sogar früher in Rente zu gehen. Dabei wird ein Teil des Gehalts angespart und später genutzt, um den früheren Ruhestand zu finanzieren. Das sogenannte Wertguthaben gibt es in Deutschland bereits seit 1998. Laut Deutscher Rentenversicherung können Beschäftigte dabei Arbeitszeit oder einen Teil ihres Gehalts ansparen. Das angesparte Guthaben kann später genutzt werden, um für längere Zeit nicht arbeiten zu müssen.