Berentzen wird amerikanisch: Was der Käufer im deutschen Regal sucht


Stand: 21.09.2026, 13:54 Uhr

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Sazerac bietet 22,5 Prozent Aufschlag für Berentzen. Doch der eigentliche Schatz steht nicht in der Brennerei – sondern längst im Regal.

Warum will der US-Spirituosenkonzern Sazerac die Berentzen-Gruppe aus Haselünne übernehmen? Sazerac bietet 5,55 Euro je Berentzen-Aktie – rund 22,5 Prozent über dem letzten Schlusskurs. Doch bei der Übernahme geht es um mehr als Apfelkorn und Spirituosen: Der US-Konzern kauft etablierte Marken, Vertriebswege und Zugang zum deutschen Handel. Für Mittelständler steckt darin eine wichtige Lektion über den oft unterschätzten Wert von Marken und Vertrieb.

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Sazerac hat ein Angebot für sämtliche Berentzen-Aktien angekündigt. Geboten werden 5,55 Euro je Aktie. Am Freitag hatte das Papier bei 4,53 Euro geschlossen. Rechnerisch entspricht das einem Aufschlag von rund 22,5 Prozent. Der Abschluss wird für das vierte Quartal erwartet.

Getränkehersteller Berentzen

US-Konkurrent Sazerac hat ein Übernahmeangebot für die Berentzen-Gruppe angekündigt. (Archivbild) © Friso Gentsch/dpa

Warum Sazerac gerade jetzt zugreift

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Berentzen steckt mitten im Umbau. Im ersten Halbjahr 2026 sank der Umsatz auf 71 Millionen Euro, das EBIT fiel auf 0,6 Millionen Euro. Gleichzeitig modernisiert das Unternehmen Marken wie Puschkin und erschließt neue Produktfelder. Für einen strategischen Käufer kann genau diese Mischung interessant sein: etablierte Marken und Vertriebswege treffen auf ein Unternehmen, dessen Potenzial an der Börse derzeit nur begrenzt honoriert wird.

Der Käufer bezahlt nicht nur für Alkohol

Berentzen verkauft weit mehr als den bekannten Apfelkorn. Für einen internationalen Käufer zählen vor allem drei Dinge: eingeführte Marken, bestehende Handelskontakte und Zugang zum deutschen Markt.

Das ist die eigentliche Mittelstandsbotschaft. Maschinen lassen sich bestellen. Bekanntheit nicht. Wer über Jahrzehnte Vertrauen, Vertriebswege und einen festen Platz im Handel aufgebaut hat, besitzt einen Vermögenswert, der in der Bilanz leicht unterschätzt wird.

Warum Sazerac mehr zahlt als die Börse

Der angebotene Preis liegt deutlich über dem letzten Börsenkurs. Ob er auch den langfristigen Wert des Unternehmens angemessen abbildet, lässt sich daraus allein nicht ableiten. Der Börsenkurs bewertet die Erwartungen des Marktes. Ein strategischer Käufer bewertet zusätzlich, was er mit dem Unternehmen anfangen kann.

Genau dort entsteht die Übernahmeprämie: Sazerac kann Berentzen womöglich stärker internationalisieren, Produkte in eigene Vertriebssysteme schieben und Einkauf oder Produktion bündeln.

Die gefährliche Gemütlichkeit starker Marken

Viele Familien- und Traditionsunternehmen halten ihren Markennamen für selbstverständlich. Das ist er nicht. Eine Marke muss dokumentiert, geschützt und wirtschaftlich messbar gemacht werden.

Dazu gehören Markenrechte, Kundenbindung, Preisprämien, Vertriebskosten und die Frage, wie stark der Umsatz tatsächlich am Namen hängt. Wer das erst prüft, wenn der Käufer am Tor steht, verhandelt mit verbundenen Augen. Der Berentzen-Deal zeigt deshalb eine alte Unternehmerwahrheit neu: Manchmal ist das Wertvollste eines Unternehmens genau das, was sich am schwersten in die Bilanz schreiben lässt.

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