St. Paulis Traumtor begann mit einem folgenschweren Fehler
FC St. Pauli
„Bestes Tor, das ich je erzielt habe“: Jones verblüfft auf St. Pauli sogar die Gegner
Es war zum Zungeschnalzen, dieses Ausgleichstor des FC St. Pauli im Test gegen Gladbach. Erst eine Schiri-Fehlentscheidung machte es möglich.
Die Nummer war das Highlight eines ohnehin schon schwer unterhaltsamen Fußball-Testspiels am Hamburger Millerntor: Der wundervolle Ausgleichstreffer von Ricky-Jade Jones beim 1:1 (0:1) des FC St. Pauli gegen Borussia Mönchengladbach begeisterte selbst die Gäste-Fans unter den 17.859 Zuschauer:innen. Dabei hätte es das Tor und die generell sehr dramatische Sequenz davor wohl gar nicht geben dürfen.
Manchmal sind Fehlentscheidungen von Schiedsrichtern dann doch für etwas Positives gut. Bundesliga-Referee Harm Osmers aus Hannover hatte überschaubar viel zu tun am Samstagnachmittag, fast alles davon erledigte er problemlos und korrekt. Ein doch relativ deutliches Foul an Arkadiusz Pyrka an der Außenlinie in Höhe Mitte der Gladbacher Hälfte aber übersahen sowohl er als auch sein eigentlich bestens platzierter Assistent. Das Spiel lief also weiter in dieser 75. Minute – und wie!
St. Pauli zwischen Hölle und Himmel: Hinten rettet Ritzka, vorn trifft Jones
Zunächst einmal rollte der Konter der Gäste, die in Überzahl aufs Gehäuse der Hausherren zurannten. Der Ball landete schließlich beim eingewechselten Fritz Fleck, der noch David Nemeth aussteigen ließ und aus zwölf Metern abzog. Unzweifelhaft wäre das Runde im Eckigen eingeschlagen, aber Lars Ritzka hielt todesmutig seine Rübe rein – und hatte so einen Bärenanteil an dem, was sich Sekunden später auf der Gegenseite zutrug. Denn von Ritzka kam die Kugel zu Martijn Kaars, der einen wohltemperierten Pass in die Tiefe auf den startenden Jones spielte. Und der Engländer hob kurz den Kopf und schlenzte das Spielgerät mit dem ersten Kontakt und ganz viel Gefühl über Gladbachs Torhüter Daniel Batz in die Maschen. Publikum und Mitspieler eskalierten, nur Pyrka nicht. Der lag immer noch mit sichtbar großen Schmerzen auf dem Boden.
„Offen gesagt ist es wahrscheinlich eines der besten Tore, das ich je erzielt habe“, stellte Jones später grinsend fest und erklärte: „Es war ein guter Pass von Martijn. Ich habe kurz geschaut, wo der Torwart steht. Ich hatte den Eindruck, dass er diese Seite nicht abdeckt, also habe ich gedacht, ich versuche es einfach mal – und der Ball ging rein.“ Wer den Treffer nicht gesehen hat, ihn sich aber vorstellen mag, der schaue sich das legendäre 3:1 von Lars Ricken im Champions-League-Finale des BVB gegen Juventus Turin 1997 an.
Selbst St. Paulis Ex-Coach Alexander Blessin war begeistert
Auch sein Ex-Trainer war begeistert. „Die einfachen Dinger macht er ja nicht“, sagte Alexander Blessin, inzwischen bekanntlich für die Gladbacher Geschicke verantwortlich. „Aber die schweren, da holt er schon Dinger raus, wo du dich fragst: ‚Wo zaubert er denn so was her?‘“ Man erinnere sich an den kuriosen Last-Second-Ausgleich von Köln oder die Volley-Abnahme von Dortmund in der vergangenen Saison.
Natürlich haben wir fantastische Stürmer im Verein, deshalb muss ich einfach weiter so hart wie möglich arbeiten.
Ricky-Jade Jones
Da hatte Jones noch meist gespielt, wenn er denn fit war. Das ist aktuell eher weniger der Fall bisher, aber kein Grund zur Klage für den 23‑Jährigen. „Natürlich haben wir fantastische Stürmer im Verein, deshalb muss ich einfach weiter so hart wie möglich arbeiten“, stellte er lapidar fest. „Wenn Spieler wie Abdoulie Ceesay oder Martijn in jedem Spiel treffen, kann es manchmal schwierig sein. Aber man muss einfach weiterarbeiten, und wenn man so eine Chance bekommt, muss man sie nutzen.“
Jones und Kaars funktionieren als Duo perfekt bei St. Pauli
Was ihm geglückt ist, zweifelsfrei. Und zwar schon im letzten Punktspiel in Cottbus, als er – Duplizität der Ereignisse in vertauschten Rollen – Kaars den 1:1-Ausgleichstreffer vorgelegt hatte. „Ich habe das Gefühl, dass ich mit allen Stürmern gut zusammenspielen kann, besonders mit Martijn“, erklärte Jones, dem in der Gruppe auch wegen seines positiven Wesens eine besondere Rolle zukommt. „Ich glaube, wir haben alle einen guten Draht zueinander und wissen, wo der andere steht“, schloss er.
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