Biber baut schneller nach: Gemeinde Meißner darf Dämme am Kupferbach absenken


Stand: 22.09.2026, 14:00 Uhr

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esw Biber Vockerode Kupferbach Spuren MeißnerDamm Wasser bei Winterweide von Jürgen Lenort

Über die Ufer tritt der Kupferbach dort, wo der Biber seine Dämme baut und immer wieder nachbessert. Seit Juli lebt das Nagetier am Ortsrand. © Eden Sophie Rimbach

Die Gemeinde Meißner hat eine Ausnahmegenehmigung erhalten, um Biberdämme am Kupferbach kontrolliert abzusenken. In der vergangenen Woche hat der Biber die Dämme binnen weniger Tage gleich zweimal wieder aufgebaut.

Vockerode – Wie in einem kleinen Teich spiegeln sich Stöcke und Bäume am Rand einer Weide, ein hölzerner Telefonmast steht im Wasser und hell leuchtet das frisch angenagte Holz an einem Ast auf, der erst in der vergangenen Nacht umgefallen sein muss. Wer am Kupferbach am oberen Ende Vockerodes unterwegs ist, der mag sich kaum vorstellen können, dass hinter Dämmen, einer Biberburg und den daraus erfolgten Überschwemmungen ein einziges Tier steckt.

esw Biber Vockerode Kupferbach Spuren MeißnerBiber hat über Nacht eine Ast zu Fall gebracht

Typische Sanduhrform: Die Spuren der Biberzähne sind entlang des Kupferbachs gut erkennbar. © Eden Sophie Rimbach

Seit Juli lebt hier ein Biber und hat durch das Stauen des Kupferbachs bereits dafür gesorgt, dass das Gewässer an einigen Stellen über seine Ufer getreten ist. Um Grundstücke und Gebäude zu schützen, hat die Gemeinde Meißner eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung bei der Unteren Naturschutzbehörde beantragt (wir berichteten) und sie erhalten. Dadurch darf sie Dämme absenken oder in bestimmten Fällen auch entfernen, um dafür zu sorgen, dass das Wasser des Kupferbachs wieder ausschließlich im Bachlauf fließt. Das erklärt Michael Hartung vom Ordnungsamt der Gemeinde.

Aktiv war der Biber laut Hartung vor allem an vier Stellen. Oberhalb der Ortslage ist der Bach über eine Wiese in zwei Gärten geflossen. Gleichzeitig bestand bereits Überschwemmungsgefahr für einen Wirtschaftsweg. Ein Teil der Wiese gehört Jürgen Lenort. Der Landwirt aus Vockerode hält 21 schottische Hochlandrinder in ganzjähriger Freilandhaltung. Die Tiere tragen in einem Gebiet, in dem sich Vegetation schnell ausbreitet, zur Landschaftspflege bei.

Biber baut Dämme wieder auf

Durch das Überlaufen des Bachs konnte die Wiese nicht beweidet werden. Stattdessen kamen die Rinder auf die Winterweide. Sie liegt auf der anderen Seite etwas höher, grenzt allerdings ebenfalls an den Kupferbach an. Da der Biber oberhalb der Weide baut und – teils in einem Rohr unter dem Weg, teils in seinem Bauwerk – lebt, stand hier ein Teil des Weidezauns unter Wasser. Den Zaun hat Lenort höher gebaut, doch gerade in diesem Jahr mit witterungsbedingt schlechten Ernten und zudem vergleichsweise vielen Wildschäden durch Schwarzwild sei das Futter ohnehin knapp. Wenn das Wasser auf die Wiese läuft, kann Lenort dort auch kein Heu machen. Zwar können Landwirte Entschädigung für durch Biber entstandene Schäden beantragen, doch mit der Ausnahmegenehmigung sollen die Auswirkungen direkt geringer bleiben.

Maximal 30 Zentimeter darf die Gemeinde von Hauptdämmen abtragen, hat das an beiden getan. Laut Hartung hatte der Biber zwei weitere Dämme bereits vernachlässigt. Da sie für das Tier nicht mehr relevant gewesen seien, wurden beide entnommen. Die Biberbeauftragte von Hessen Forst habe die erste Maßnahme begleitet. Doch der Biber baut weiter und die Dämme nach den Eingriffen wieder auf.

In der vergangenen Woche sei das bis zum Donnerstag zweimal der Fall gewesen, so Lenort. Die Gemeinde reguliere die Bauwerke dann wieder. „Es ist ein interessantes, schönes Tier“, steht für den Landwirt fest, der den Biber schon mehrfach fotografiert und gefilmt hat. Wünschenswert wäre es für alle Beteiligten, wie er sagt, wenn sich das Tier weiter oben am Kupferbach ansiedeln würde. Die Gefahr für Schäden an Weiden, Wiesen oder auch Gebäuden wäre in dem Fall wesentlich geringer.

Wenig Futter, mehr Fällungen

Und: „Das ist jetzt die Anfangsphase.“ Noch finde der Biber ausreichend Nahrung, doch im Winter werde er mehr Bäume zu Fall bringen, um nicht nur zarte Rinde, sondern auch Triebe fressen zu können. Hinzukommt die Gefahr durch Starkregenereignisse und das Tauwetter nach dem Winter.

Dass der Biber baut, hat sich übrigens gezeigt, als plötzlich kein Wasser mehr aus dem Brunnen an der Schwalbenthaler Straße kam. In den ersten Tagen, nachdem eine Anwohnerin den Nager am Kupferbach entdeckt hatte, habe sich das Tier nicht von der Stelle gerührt. Offensichtlich erschöpft hatte der Biber, wie Jürgen Lenort vermutet, wohl eine längere Reise durch die Rohre im Ort hinter sich, durch die der Kupferbach dort fließt. Als wenig später kein Wasser mehr aus dem Brunnen kam, zeigte sich: Der Biber hatte den Bach gestaut. Lenort sagt: „Das Wasser läuft wieder, seitdem die Gemeinde den Damm abgesenkt hat.“