„Bisher ist so gut wie nichts passiert“: Stunt-Familie tourt seit drei Generationen durch Deutschland
Stand: 21.07.2026, 18:18 Uhr
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Trucks, Stunts und viel Blech: Bei „Dynamit auf Rädern“ in Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis) kommen Adrenalin-Fans auf ihre Kosten.
Friedrichsdorf – Motorengeheul, brennender Gummi, beißender Qualm, spektakuläre Action – und das alles dort, wo sonst Heimwerker Berge von Bau- und Bastelmaterial in überfüllten Einkaufswagen zu viel zu kleinen Autokofferräumen schieben: Am Sonntag verwandelte sich der Toom-Parkplatz in Friedrichsdorf (Hochtaunuskreis) in eine Arena für Adrenalin-Fans. Die Stunt-Show „Dynamit auf Rädern“ gastierte dort bereits zum zweiten Mal und wieder waren rund 300 Zuschauer dem Ruf der Plakate gefolgt.
Viele, offenbar schon ahnend, dass sich das Spektakel nicht gerade in Zimmerlautstärke abspielen würde, hatten Kopfhörer dabei. Empfindliche Nasen sollten Besucher solcher Stuntshows auch nicht haben, denn so lecker riecht verbranntes Gummi durchdrehender Reifen nun auch wieder nicht. Die Zuschauer erlebten eine actionreiche Mischung aus waghalsigen Auto- und Quadstunts, rasanten Drifts, spektakulären Überschlägen und präzisen Fahrmanövern auf zwei und vier Rädern.
Was diese Stunt-Familie auf dem Toom-Parkplatz in Friedrichsdorf abliefert
„Wheelies“ mit Motorrädern kennt man zwar schon. Dass man sich aber auch mit einem Quad auf die Hinterräder stellen und dabei noch hurtig einhändig Slalom fahren kann, war vielen dann doch neu. Immer wieder brandete Applaus auf, wenn die Fahrer ihre Maschinen scheinbar mühelos an die Grenzen der Physik und rechtzeitig zum Stillstand brachten. Höhepunkte der zweistündigen Show waren natürlich die Monstertrucks namens „Joker“, 500 PS stark, „Carkiller“ und „Danger“, beide mit immerhin auch noch 300 Pferdestärken unter der nur wenig verbeulten Haube.
Von zwei nicht mehr ganz TÜV-tauglichen Autos, einst heilig Blechle ihrer stolzer Besitzer, ließen die heiser aus oberschenkeldicken Auspuffrohren brüllenden, XXXL-Bügeleisen nach martialischer Überfahrt kaum mehr übrig, als flachgequetschte Blechscheiben. Zartbesaitete Autofahrernaturen, die selbst nach kleinsten Parkremplern Schnappatmung bekommen und nach der Polizei rufen, erfuhren in diesen zwei Stunden, dass Blechschäden durchaus auch relativ sein können.

Wie Trapezkünstler unter der Zirkuskuppel ohne Sturzhelm und Fangriemen umherfliegen, verzichteten auch diese automobilen Artisten größtenteils auf schützende Hüllen, Netz und doppelten Boden. „Weil sie wissen, was sie tun“, so sagte es Stephanie Frank, die „Mutter“ der Truppe, die Teil einer 1861 gegründeten, international erfolgreichen Schausteller- und Zirkusdynastie ist. Bisher sei auch noch „so gut wie nichts passiert“, ergänzt Familienoberhaupt Aribert Frank, der, zehn Minuten vor Showbeginn gemeinsam mit den Söhnen Milano und Roberto noch bis zum Bauch im Motorraum eines 330er BMW E46 steckt: „Der verliert Wasser, aber ansonsten läuft er. Er muss auch noch eine Weile halten, die Dinger sind heute wegen des Heckantriebs schwer zu kriegen.“ Klar, Heckantrieb muss sein, damit lässt es sich prima driften.
Bei zwei Nummern war dann doch „Vorsicht die Mutter der Blechkiste“. Milano schlüpfte tatsächlich in einen feuerfesten Overall und ließ sich von Mutter Stephanie noch ein nasses Handtuch um den Hals packen, bevor er den Sturzhelm aufsetzte und sich aufs Dach eines von Bruder Roberto gelenkten BMW legte, um sich von ihm durch eine Feuerwand chauffieren zu lassen. Mit Helm kletterte er auch auf ein drei Meter hohes Holzgestell, bevor ihm dieses, wieder von Roberto, mit Tempo 60 unter den Füßen weggeschossen wurde. Bei der etwas unsanften Landung einmal überkugelt, aufgestanden, ins Publikum gewinkt und „Helm ab zur nächsten Nummer“: Drinnen im BWM war wohl kein Platz mehr für ihn. Kurzerhand machte er es sich bei hurtiger Gangart, etwa 70 Sachen, oben auf dem Dach gemütlich und grinste im Vorbeigefahrenwerden fröhlich ins Publikum.
Abgesehen davon, dass trotz aller Vorsicht natürlich immer mal etwas passieren kann – ganz billig sind solche Eskapaden freilich nicht. Wie Moderator Lorenzo Frank zwischen zwei Gigs verriet, sind die Jungs mit 900 Euro unfallversichert, jeder, jeden Monat…
500-PS-Monstertrucks walzen Autos platt: Stunt-Show „Dynamit auf Rädern“ begeistert Friedrichsdorf
Die Show der Familie Frank zählt seit drei Generationen, die vierte steht bereits in den Startlöchern, zu den bekanntesten mobilen Stuntproduktionen in Deutschland und tourt regelmäßig durchs Land. Leider werde es immer schwieriger, passende, rund 100 Meter lange und 40 Meter breite Plätze zu finden, sagt Stephanie Frank. Immer problematischer werde es auch, Standplätze für den Wohnwagentross der neunköpfigen Truppe zu finden: „Uns bleibt nichts anderes übrig, als jeden Abend ins Quartier in Bad Mergentheim zu fahren, und das bei den Spritkosten.“

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Hinzu kommen hohe Ersatzteilkosten für die nicht gerade schonend behandelten Autos. Und die Autos, die zur Gaudi des Publikums unter fast mannshohen Reifen tonnenschwerer Monstertrucks zermalmt werden, kosten auch Geld. „Rund 300 Euro das Stück, zwei bis drei brauchen wir pro Show. Hier in Friedrichsdorf haben wir sie mal umsonst bekommen“, freut sich die Tourchefin. Ganz „tot“ dürfen die Autos zum Teil aber noch nicht sein, denn einige müssen noch fahren, um sich nach dem Passieren der Rampe vor aller Augen unter tosendem Applaus dreimal in den Schrotthimmel zu überkugeln …