„Es ist möglich, dass wir in Zukunft sogar Träume lesen können“ – KI rekonstruiert jetzt Bilder aus dem Gehirn
Brain-IT: Neue KI macht sichtbar, was im Kopf von Menschen vorgeht
Stand: 08.10.2026, 13:47 Uhr
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KI liest Gedanken: Israelische Forscher rekonstruieren aus Hirnscans detailgetreue Bilder – und wollen bald sogar Träume entschlüsseln.
Rechovot – Gedankenlesende KI-Software kann anhand eines Hirnscans sichtbar machen, was eine Person denkt, wie Wissenschaftler gezeigt haben. Das Weizmann Institute of Science in Israel veröffentlichte außerordentlich präzise Bilder von Baseballspielen, Vögeln, Stränden oder Uhrtürmen, die allein aus der Gehirnaktivität von Testpersonen rekonstruiert wurden. Das Modell namens Brain-IT erkennt die Muster, die sich in verschiedenen Hirnregionen wiederholen, wenn Menschen Bilder betrachten oder an sie denken.
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Dieser Artikel von Sarah Knapton entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.
„Es ist möglich, dass wir in Zukunft sogar Träume lesen können“, sagte Prof. Michal Irani vom Weizmann Institute, die die Forschung leitete. Zwar wurde bereits früher Software zur Hirnauslese entwickelt, doch diese war meist verschwommen, farblos und detailarm und vermittelte nur einen vagen Eindruck dessen, was die Versuchsperson gerade sah. Frühere Systeme erforderten zudem, dass Probanden in funktionellen Magnetresonanztomografen (fMRT) lagen und Tausende von Bildern betrachteten, um das Modell auf das Erkennen von Mustern zu trainieren.

Um den Prozess zu beschleunigen und zugleich genauer zu machen, nutzte das neue KI-Modell zwei Systeme. Auf der Grundlage früherer menschlicher Daten ging ein Modell von einem Bild aus und erzeugte einen geschätzten Hirnscan, der zu erwarten wäre, bevor dieser Scan an ein „Decoder“-Modell weitergegeben wurde, das ihn wieder in ein Bild zurückübersetzte. Auf diese Weise konnte das Team einen großen Datensatz aufbauen, ohne dass Menschen stundenlang im Scanner Bilder betrachten mussten.
Schnellere und präzisere Auswertung von Gehirnscans
Die Forscher unterteilten das Gehirn in etwa 40.000 „Gehirn-Voxel“ – winzige dreidimensionale Volumeneinheiten – und maßen, wie jeder einzelne auf unterschiedliche Bilder reagierte. Während der Trainingsphase identifizierte der Encoder 128 funktionelle Regionen, die allen Menschen gemeinsam sind und spezifische Aufgaben bei der Bildverarbeitung erfüllen. „Einige davon sind Neurowissenschaftlern vertraut, andere hingegen völlig neu“, fügte Prof. Irani hinzu.
„Wir haben zum Beispiel eine Aufgabenteilung innerhalb jener Hirnregion entdeckt, die Bilder von Orten verarbeitet – der PPA –, wobei ein Teil auf Innenräume und ein anderer auf Außenbilder reagiert. Künftig könnte der Encoder uns auch helfen zu verstehen, wie verschiedene Regionen zusammenarbeiten und wie Wahrnehmung Gestalt annimmt.“ Nach dem Training war Brain-IT in der Lage, detaillierte Bilder auf Grundlage der Hirnaktivität einer Person zu rekonstruieren, die ein Foto betrachtet.
Neue Einblicke in die Funktionsweise des Gehirns
Zu den von den Testpersonen gesehenen Motiven zählten eine Vielzahl von Sujets, etwa ein Mann, der ein Glas Wein hält, ein Surfer, eine Frau mit einer Giraffe, eine schlafende Person und eine Gruppe, die Frisbee spielt. Das Team arbeitet nun daran, seine gedankenlesenden Methoden auf das Entschlüsseln auditiver Informationen sowie bewegter Bilder auszudehnen, etwa auf das, was Menschen sehen, wenn sie träumen. „Besonders anspruchsvoll bleibt das Dekodieren von Videos – etwa während des Träumens“, sagte sie.
„Dutzende von Bildern wechseln jede Sekunde, während ein fMRT-Scan etwa zwei Sekunden dauert. Wenn wir all diese Hürden überwinden, ist es möglich, dass wir in Zukunft sogar Träume lesen können.“ Die Forschung wurde auf der International Conference on Learning Representations in Rio de Janeiro vorgestellt.