Bundeskanzler Merz sorgt für Novum im Wimbledon-Finale – das gab es selbst zu Boris Beckers Zeiten nicht
Stand: 12.07.2026, 18:16 Uhr
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Friedrich Merz sitzt in der Royal Box – als erster Bundeskanzler überhaupt beim Wimbledon-Finale. Sein Versprechen an Alexander Zverev hat er gehalten.
London – Ein dunkelgrüner Anzug, die Royal Box des Centre Court, Prinz William als Gesprächspartner vor dem Anpfiff: Friedrich Merz hat am Sonntagnachmittag Geschichte geschrieben, noch bevor Alexander Zverev auch nur einen Ball geschlagen hatte. Der Bundeskanzler verfolgte das Wimbledon-Finale zwischen dem deutschen Tennisstar und Titelverteidiger Jannik Sinner – und ist damit laut übereinstimmenden Medienberichten der erste amtierende Bundeskanzler überhaupt, der einem Wimbledon-Endspiel beiwohnt. Dabei hätte es in der Vergangenheit Gelegenheiten genug gegeben.

Denn in den goldenen Jahren des deutschen Tennis, als Boris Becker und Steffi Graf den Rasen von Wimbledon dominierten, blieben die Kanzler stets zuhause. Merz machte es anders – und das aus einem ganz persönlichen Grund. „Ich habe ihm gratuliert, als er Roland Garros gewonnen hat, und habe ihm gesagt: Wenn du ins Endspiel in Wimbledon kommst, komme ich“, erklärte Merz vor dem Match bei Prime Video. Zverev, der vor dem Wimbledon-Finale zehn Stunden schläft, zog ins Finale ein – und der Kanzler hielt Wort.
Merz beim Wimbledon-Finale Zverev-Sinner: „Wimbledon ist der heilige Rasen“
Merz reiste mit seiner Frau Charlotte an, nachdem er sich zuvor telefonisch bei Zverevs Manager gemeldet hatte. Zverev, der Kanzler Merz um Hilfe wegen seiner Oma bat, hatte den Besuch bereits nach seinem Halbfinalsieg gegen den Briten Arthur Fery angekündigt: „Er hat bei meinem Manager angerufen und gesagt, er komme mit seiner Frau vorbei. Also wird er da sein, wenn nicht gerade irgendwas Außergewöhnliches passiert.“
Für den CDU-Politiker war der Ausflug in den Londoner All England Club sichtlich mehr als ein Pflichttermin. „Wimbledon ist der Ort des weltweiten Tennis“, schwärmte er. „Es ist der heilige Rasen. Das ist englische Tennistradition. Man kriegt einen Dresscode und das hat schon Stil.“ Merz sprach auch über seine eigene Vergangenheit als Tennisspieler – mit einer gehörigen Portion Selbstironie. „Das war ganz gut, ich bin nicht schnell genug gewesen. Das Laufen ans Netz war immer mein Handicap, aber ich war immer ein ganz guter Grundlinienspieler“, sagte er.
Für Zverev geht es beim Duell gegen Weltranglistenersten Sinner um den zweiten Grand-Slam-Titel in Serie, nachdem er Anfang Juni die French Open in Paris gewonnen hatte. Er wäre der erste deutsche Wimbledon-Sieger im Männer-Einzel seit Michael Stich 1991. Merz gab sich vor dem Anpfiff kämpferisch: „Ich verfolge es heute mit großer Spannung und natürlich mit Daumendrücken für Alexander Zverev.“ Und er verband den Besuch mit einer größeren Hoffnung: „Es ist schon etwas Besonderes und ich hoffe, dass es dem deutschen Tennis auch wieder ein bisschen Aufschwung gibt.“
Ob der Kanzler-Besuch Glück bringt? Fest steht: Friedrich Merz hat mit seinem Auftritt in der Royal Box ein Stück deutsch-britische Sportgeschichte geschrieben – ganz ohne Schläger in der Hand. (ck)