49.000 Migranten stürmen Ceuta: Experten geben Entwarnung – doch eine Frage entscheidet alles
Ceuta im Ausnahmezustand: Neue Flüchtlingswelle in Deutschland und Europa? Experten schätzen Lage ein
Stand: 31.07.2026, 13:46 Uhr
49.000 Migranten stürmen Ceuta – droht Europa jetzt eine Flüchtlingswelle? Experten geben überraschend Entwarnung – aber eine Frage bleibt.
Ceuta – Die spanische Exklave Ceuta ist im Ausnahmezustand. Laut Behördenangaben sollen bis zu 49.000 Migranten und Migrantinnen die kleine spanische Stadt in Marokko überrennen. Vieles ist noch unklar. Doch in Deutschland gibt es bereits Stimmen, die vor einer drohenden Migrationswelle warnen, die auf Europa zukommen könnte.

Gegenüber der Bild äußerte sich Unionsfraktionsvize Günter Krings alarmiert: „Gemeinsam müssen wir mit Spanien und anderen EU-Mitgliedstaaten jetzt dringend mit Marokko sprechen. Nur mit der Hilfe unseres südlichen Nachbarn können wir einen größeren Migranten-Ansturm auf Europa verhindern.“ AfD-Chefin Alice Weidel mutmaßte auf X, „das Ziel der meisten dieser Migranten dürfte Deutschland“ sein. Weitet sich das zunächst lokale Problem bald auf die gesamte Europäische Union und Deutschland aus?
Droht der EU mit Ceuta eine Flüchtlingswelle? Experten geben Entwarnung
Zwar sind die Migranten in Ceuta nun auf europäischem Boden – doch die spanische Exklave befindet sich in Marokko und hat besondere Einreisebestimmungen nach Spanien. Darauf verweist auch Migrationsexperte Gerald Knaus, Vorsitzender der Denkfabrik „Europäische Stabilitätsinitiative“ auf X. „Ceuta und Melilla haben ein Sonderregime mit doppelter Außengrenzkontrolle: einmal bei der Einreise aus Marokko, einmal bei der Weiterreise auf das spanische Festland.“ Er gibt Entwarnung, denn wer einmal den Zaun von Ceuta überklettere, stehe nicht in der europäischen Reisefreiheit, sondern vor einer weiteren Grenzkontrolle. Selbst das Europäisches Reiseinformations- und -genehmigungssystem (ETIAS) werde beim Verlassen der Exklave überprüft.
Knaus verweist auf die Migrationszahlen Spaniens. Im vergangenen Jahr seien um die 3500 Migranten nach Ceuta eingereist. Die irreguläre Migration in Spanien hätte in den ersten sechs Monaten 14.000 Menschen betragen. Weniger als in vergleichbaren EU-Ländern wie Griechenland oder Italien. „Im gesamten Mittelmeerraum sind die Zahlen der irregulären Migration nach Europa und nach Spanien rückläufig“, betont Knaus.
Migranten stürmen spanische Exklave Ceuta: Schuld wohl vor allem bei Marokko
Schuld an der aktuellen Krise in Ceuta sei vorrangig Marokko. „Die meisten oder alle der gerade angekommenen Menschen werden keinen Schutz erhalten.“ Spanien könne den Großteil der marokkanischen Migranten also wieder abschieben. „Es hängt allein von Marokko ab. Ist Marokko bereit, sie aufzunehmen? Wenn Marokko bereit ist, sie aufzunehmen, und die Menschen, die nach Ceuta geschwommen sind, innerhalb einer Woche wieder im Norden Marokkos sind, wird damit die Botschaft vermittelt: Hört damit auf!“
Die zentrale Frage der Krise sei nicht die spanische Flüchtlingspolitik, sondern die der Regierung in Marokko. Das sieht auch Migrationsforscher Raphael Bossing so. „Ich gehe eher von einer Momentaufnahme aus. Es ist nicht das erste Mal, dass wir solche Krisen in diesen Enklaven haben“, erklärt Bossing im Gespräch mit ntv. In der Vergangenheit sei entscheidend gewesen, wie sich Marokko verhält und, dass „Marokko auf seiner Seite die Kontrollen locker lässt“. Dies sei wahrscheinlich bei diesem Ansturm wieder der Fall gewesen, so Bossing. „Die Beziehungen zwischen Spanien und Marokko sind kompliziert und das ist wahrscheinlich auch hier der Hintergrund.“ Mit politischen Maßnahmen und einer Verbesserung der Beziehungen zu Marokko werde sich die Lage in den nächsten Tagen wieder legen“, prognostiziert der Migrationsforscher weiter.
Ausnahmezustand in Ceuta: Vergleich mit Krise von 2021 – Migranten als politisches Druckmittel
Die Krise in Ceuta ist also vor allem ein lokales Problem Spaniens. Eine Weiterreise der Migranten in der spanischen Exklave auf EU-Festland ist nicht möglich. Neben den umfangreichen Kontrollen bei einer regulären Überfahrt auf das spanische Festland, liegen zwischen 14 und 44 Kilometern offenes Meer, das die Migranten überqueren müssten. Ohnehin hatte die spanische Regierung erklärt, die Migranten wieder abschieben zu wollen. Die Situation müsse man zwar „ernst nehmen“, aber Grund zur Panik in der EU gebe es nicht. „In der Vergangenheit haben wir das vor allem mit diplomatischen Maßnahmen gegenüber Marokko in den Griff bekommen“, resümiert Experte Bossing gegenüber ntv.
Eine ähnliche Krise lösten im Mai 2021 diplomatische Verwerfungen zwischen Marokko und Spanien aus. Damals überquerten fast 9000 Menschen die Grenze nach Ceuta – ein Massenandrang, der sich unmittelbar nach einem diplomatischen Eklat ereignete: Spanien hatte dem Polisario-Front-Anführer Brahim Ghali medizinische Versorgung in einem spanischen Krankenhaus gewährt, wie der spanische Rundfunk rtve schreibt.
Haizam Amirah Fernández, Geschäftsführerin des Zentrums für Zeitgenössische Arabische Studien (CEARC), beschreibt gegenüber rtve ein klares Muster: „Die marokkanischen Behörden nutzen Menschenbewegungen, um Botschaften zu senden, die oft mit unerfüllten Erwartungen der marokkanischen Machthaber verbunden sind.“ (Quellen: ntv/X/rtve/Bild/eigene Recherche) (sischr)