Eklat nach Schwimmbad-Absage: Grünen-Politikerin wirft der CDU vor, die Gesellschaft zu spalten
Claudia Roth rechnet ab: CDU-Schweigen im Volksbad-Skandal verstärkt Spaltung
Stand: 15.08.2026, 12:17 Uhr
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Nach der Absage einer Schwimmaktion in Berlin wächst die politische Kritik. Claudia Roth macht rechte Kampagnen und die Union mitverantwortlich.
Berlin – In Berlin ist eine Debatte um das temporäre Freibad vor der Volksbühne eskaliert. Nach rassistischen Anfeindungen und Sicherheitsbedenken wurde eine für die Schwarze Community reservierte Schwimmzeit abgesagt. Nun hat die Grünen-Politikerin Claudia Roth scharfe Vorwürfe an die Berliner CDU gerichtet. Besonders scharfe Kritik übte die Bundestagsabgeordnete und ehemalige Kulturbeauftragte des Bundes am Schweigen des Berliner Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner.

Was im Umfeld der Volksbühne geschehen sei, sei „kein spontaner Shitstorm, sondern das Ergebnis eines Musters, das wir seit Monaten erleben“, teilte Roth auf Anfrage des Tagesspiegels mit. Rechte Medien und Akteure hätten ein niedrigschwelliges Angebot für Schwarze Kinder aufgegriffen und durch ihre „Empörungsmaschinerie“ instrumentalisiert. Roth warf der Union vor, in der Kultur- und Gesellschaftspolitik als Steigbügelhalter für Kräfte zu agieren, die die Gesellschaft spalten.
Absage im Berliner Volksbad: Claudia Roth erhebt schwere Vorwürfe
Vor dem Theatergebäude der Berliner Volksbühne steht für die Sommermonate ein temporäres, 25 Meter langes Freibad – das sogenannte „Volksbad“. Ursprünglich sollte das Becken am 14. August für einige Stunden exklusiv für Mitglieder der Schwarzen Community, besonders Kinder und Jugendliche, geöffnet werden. Die Aktion war gemeinsam mit dem rassismuskritischen Verein Each One Teach One (Eoto) im Rahmen eines Empowerment-Ferienprogramms geplant.
Nach tagelangen Hetzkampagnen rechter Medien und der AfD sowie heftigen Online-Anfeindungen sahen sich die Berliner Volksbühne und Eoto am Tag zuvor gezwungen, die Veranstaltung aus Sicherheitsgründen abzusagen. Die Organisatoren erklärten, dass weder eine sichere An- und Abreise der Gäste noch ein entspannter Nachmittag unter den gegebenen Bedingungen garantiert werden könne.
Politische Reaktionen auf Absage im Berliner Volksbad: Evers, Kiziltepe, Linke, Grüne
Die Absage im Volksbad Berlin löste parteiübergreifend kontroverse Reaktionen in der Politik aus:
- Stefan Evers (CDU), Kultursenator und CDU-Spitzenkandidat: Evers verurteilte die Gewaltandrohungen gegenüber dem Tagesspiegel: „Gewaltandrohungen gegen ein Kunstprojekt sind genauso inakzeptabel wie die Bedrohung kritischer Stimmen.“ Die ganze Stadt müsse ein sicherer Ort sein. Er betonte, dass Kunst provozieren dürfe, man jedoch von einer Einteilung der Menschen nach Hautfarben persönlich wenig halte.
- Cansu Kiziltepe (SPD), Antidiskriminierungssenatorin: Kiziltepe verurteilte die Hetze deutlich und stellte klar, dass zeitlich begrenzte Angebote für Menschen, die Rassismus erfahren, ausdrücklich vom Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz gedeckt seien. „Dass es dabei zeitlich begrenzte Angebote für Menschen gibt, die Rassismus und strukturelle Benachteiligung erfahren, ist keine Diskriminierung.“
- Die Linke und die Grünen: Vertreter von Linken und Grünen bezeichneten die Absage aufgrund von Sicherheitsbedenken als „unerträglich“. Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp betonte laut dpa, dass der Vorfall zeige, wie sehr Hass und Hetze in der Gesellschaft um sich greifen.
Absage im Berliner Volksbad: Weidels „Apartheid“-Vorwurf und rechtliche Einordnung
Im Vorfeld der Absage hatten rechtspopulistische und konservative Politiker die Exklusivnutzung scharf angegriffen. AfD-Chefin Alice Weidel zog einen Vergleich zum früheren Rassen-Trennungs-System in Südafrika und sprach öffentlich von „Apartheid“. Auch eine Berliner CDU-Kommunalpolitikerin äußerte in den sozialen Medien Unverständnis darüber, aufgrund ihrer weißen Hautfarbe zeitweise keinen Zutritt zu haben.
Juristisch und antidiskriminierungsrechtlich werden solche Maßnahmen hingegen anders eingeordnet: Das Berliner Landesantidiskriminierungsgesetz (LADG) erlaubt sogenannte „positive Maßnahmen“. Diese dienen dazu, bestehende Benachteiligungen strukturell diskriminierter Gruppen gezielt auszugleichen und ihnen geschützte Räume (Safe Spaces) zu bieten.
Debatte über Berliner Volksbad eskaliert nach Absage: Wegner und Weimer schweigen
Trotz der politischen Brisanz und der scharfen Reaktionen verweigern Spitzenvertreter auf Landes- und Bundesebene eine Stellungnahme. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) schwieg zu den Vorfällen und ließ Anfragen über die Senatskanzlei an die Kulturverwaltung verweisen. Ebenfalls keine Stellungnahme gab der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer (parteilos), ab. Das Schweigen der Amtsinhaber stieß bei Opposition und Kulturverbänden auf Unverständnis. (Quellen: Tagesspiegel, Merkur, dpa) (cs)