Ächz! Stöhn! Grübel! Wie Erika Fuchs Micky Maus zur Kultfigur machte
Ächz! Stöhn! Grübel! Inzwischen sind diese Verbformen Kult. Geprägt hat sie die Kunsthistorikerin Erika Fuchs. Sie hat die ersten "Micky Maus"-Hefte übersetzt und entscheidend zu deren Erfolg beigetragen. Denn als der erste Comic erschien, waren viele zunächst skeptisch.
Opium in der Kinderstube
Das Magazin "Der Spiegel" etwa veröffentlichte ein halbes Jahr vor der "Micky Maus"-Premiere einen Artikel, in dem vor dem negativen Einfluss der Comics gewarnt wurde. Als Opium für die Kinderstube wurden die Hefte damals bezeichnet und weiter hieß es: Wer Bilder mit Sprechblasen lese, gerate auf die schiefe Bahn.
Die Herausgeber der deutschen "Micky Maus"-Ausgabe gingen gegen diese Aussagen mit aller Macht vor. In einem speziellen Mittelteil für Eltern garantierten sie, dass Walt Disney nur "moralisch saubere" Geschichten schreibe. Und es gab einen Einleitungsatz für Kinder: "Liebe Kinder, ihr braucht dieses Heft nicht heimlich kaufen ..."
Geheimwaffe Erika Fuchs
Zudem hatte die deutsche Ausgabe eine Geheimwaffe, die Kunsthistorikerin Erika Fuchs, sagt der Medienwissenschaftler Stephen Packard von der Universität Köln. Erika Fuchs gab den Heften einen intellektuellen Anstrich. Sie verwendete weniger Jugendsprache als im Original, dafür zitierten die Neffen Tick, Trick und Track Goethe und Schiller.
Dazu kam der so genannte Erikativ: Verbformen wie ächz, stöhn oder grübel. Die hatte es bis dahin in der deutschen Sprache nicht gegeben. "Das ist bei diesen Geschichten einfach nötig," erklärt Stephen Packard. "Denn die bestehen nur aus Dialog und Bildern und alles, was in einem anderen Text die Stimmung ist, wird über diese Worte vermittelt."
"Grübel! Grübel!" heißt eben: er läuft verzweifelt im Zimmer herum und denkt nach. Stephen Packard, Kölner Medienwissenschaftler
Die Geschichten in den ersten Micky Maus Ausgaben sind kurz und flach, mit überschaubarem Erfolg. Die Verleger bringen damals die Ausgaben mit dem Fahrrad selbst zur Post. Aber das ändert sich bald. Ende der 50er bricht in Deutschland ein wahrer "Micky Maus"-Hype aus. So geht es weiter bis in die 90er Jahre.
Auf ihrem Höhepunkt hatten die Hefte eine Auflage von mehr als einer Million. Inzwischen sind die Zahlen fünfstellig. Dafür hat sich die Zielgruppe erweitert. Anstatt nur von Kindern und Jugendlichen, werden die Hefte auch von Erwachsenen gekauft, die sich mit Nostalgie an die eigene Kindheit erinnern.