Cranger Kirmes: Volksfest ein Kassenschlager?
Rund 43 Euro gibt ein durschnittlicher Crange-Besucher an einem Tag aus. Das teilt die Stadt Herne auf Anfrage des WDR für das Jahr 2024 mit. Erhebungen des Deutschen Schaustellerbundes (DSB) kommen zum Ergebnis, dass Besucher die Hälfte des Budgets für Essen und Trinken ausgeben. Hochgerechnet bedeutet das für die Cranger Kirmes mit ihren 4 Millionen Besuchern rund 174 Millionen Euro Umsatz in elf Tagen.
Geld geht überwiegend an Schausteller
Das Geld geht erstmal an die Schausteller. So kostet zum Beispiel eine Fahrt mit der Wilden Maus für Kinder 4 Euro. Erwachsene zahlen oft das Doppelte für die Achterbahn. Laut Branchenverband DSB bleibt für die Veranstalter aber von dem Geld nicht so viel übrig, wie es klingt. Denn die Kosten für die Betreiber sind in den letzten Jahren gestiegen. Strom, Personal, Lebensmittel oder auch Standgebühren.
Schießbudeninhaber oder Bratwurststandbetreiber lassen aber auch Geld in der Region. Insgesamt sind die Schausteller und ihre Familien knapp 3000 Personen, die in der Zeit vom Auf- bis zum Abbau laut der Stadt Herne für "Kaufkraft in der Region" sorgen.
Stadt darf keinen Gewinn mit Kirmes machen
Geld, das die Stadt gut gebrauchen kann, denn auch für die Kommune entstehen Kosten. Laut einem Sprecher der Stadt Herne belaufen sich die "anfallenden Gebühren auf rund 1,2 Millionen Euro - dem stehen Kosten in gleicher Größenordnung gegenüber."
Diese Rechnung geht auf, denn laut dem Kommunalabgabengesetz NRW darf die Stadt Herne keinen Gewinn mit der Cranger Kirmes machen.
"Alle Gebühren der Stadt werden jeweils so angesetzt, dass sich Einnahmen und Ausgaben die Waage halten." Ein Sprecher der Stadt Herne
Sollte es doch Mehreinnahmen geben, dann müssen diese im Folgejahr durch reduzierte Gebühren an die Veranstalter zurückgegeben werden.
Sicherheit kostet
In den für die Stadt anfallenden Kosten sind auch die für die Sicherheit enthalten. Nach dem Anschlag auf die Christopher-Street-Parade in Berlin am 25. Juli wurde das Sicherheitskonzept der Cranger Kirmes nochmals überprüft. Laut Kirmessprecher Jochen Schübel sei das Gelände "bestens geschützt".
Das Areal ist mit 470 Trucksperren rund um die Kirmes gesichert. Die Stadt Herne möchte sich zwar nicht zu "sicherheitsrelevanten Kosten" äußern, verwies aber auf die Webseite des Herner Trucksperrenherstellers Herne Protect. Pro Sperre fallen rund 800 Euro an. Hinzu kommen Anbauteile für Start- und Endstücke sowie Umklenkhebel und Frachtkosten. Bei 470 Trucksperren sind das mindestens 376.000 Euro. Laut dieser Rechnung würden allein die Trucksperren schon ein Drittel der für die Stadt anfallenden Gebühren ausmachen.
Kirmes als Dazuverdienst
Und obwohl die Stadt selbst keinen Gewinn mit dem Kirmes-Geschäft verbuchen darf, dürfte laut einer Erhebung des Lobbyverbands DSB aus dem Jahr 2023 dennoch Geld in der Region hängenbleiben. Pro Besucher würden etwas mehr als 8 Euro in die Wertschöpfung vor Ort fließen. Sprich ÖPNV, Hotels oder Taxis.