Dakar eröffnet Regionalbahn: 57 Kilometer zum Flughafen in unter einer Stunde
Stand: 05.10.2026, 13:23 Uhr
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Der Train Express Régional verbindet Dakars Innenstadt erstmals direkt mit dem Flughafen. Die Züge stammen aus dem Elsass – und kommen pünktlich zur ersten Olympia-Veranstaltung auf afrikanischem Boden.
Für Senegals krisen- und machtkampfgeplagte Regierung dürfte es einer der angenehmeren Anlässe in jüngerer Zeit gewesen sein: die Eröffnung einer neuen Bahnstrecke in Dakar. Der „Train Express Régional“ (TER) verbindet fortan den Flughafen der Millionenmetropole mit deren Vororten und dem Stadtzentrum. Verkehrsminister Serigne Abdoul Ahad Ndiaye schwärmte bei der Eröffnungszeremonie vergangene Woche: „Meine Ambition ist klar: ein modernes Eisenbahnnetz aufzubauen, das der Entwicklung Senegals dient. Wir bringen Dakar noch näher an seinen Flughafen und verbessern ganz konkret die tägliche Mobilität unserer Mitbürger.“
Anstatt sich auf verstopften Einfallstraßen mit einem Taxi anderthalb Stunden ins Stadtzentrum Dakars zu quälen, können Reisende die 57-Kilometer-Strecke nun bequem in klimatisierten Waggons in unter einer Stunde zurücklegen. Laut dem Portal „Le 360 Afrique“ kostete die Verlängerung der Strecke 420 Millionen Euro.
Politisch war es in den 2010er-Jahren vor allem der damalige Präsident Macky Sall, der das Projekt im Rahmen seines „Plans für einen aufstrebenden Senegal“ vorantrieb. Der TER sollte das Straßennetz der Hauptstadt entlasten und schnell wachsende Neubaugebiete sowie den 2017 eröffneten neuen Flughafen anschließen. 2021 ging ein erster Streckenteil, der Dakars östliche Vororte mit der Innenstadt verbindet, an den Start. Heute gibt es auf der Strecke laut Betreiberangaben rund 115.000 Fahrten am Tag – bei 97-prozentiger Pünktlichkeit. Die Fahrpreise sind subventioniert und liegen je nach Strecke bei zumindest für die wachsende Mittelschicht leistbaren 70 Cent bis 2,30 Euro. Die Tickets bis zum Flughafen sind mit rund sechs Euro teurer. Eine Erweiterung des Netzes in die Großstadt Thiès ist in Planung.
Unternehmen der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich spielten eine wichtige Rolle bei dem Projekt: Geplant wurde die Strecke von einer staatlichen senegalesischen Agentur und der Pariser Bahnberatungsfirma Systra. Und die Bauarbeiten, die zeitweise bis zu 8.500 Menschen beschäftigt haben sollen, wurden von einem französisch-türkisch-senegalischen Konsortium durchgeführt.
Auch einen Großteil der Technik stellen französische Unternehmen: Die Triebwagen wurden von der Firma Alstom in Reichshoffen im Elsass geplant und gebaut. Ähnliche Modelle fahren auch in Frankreich und Algerien. Manche Komponenten wurden in anderen Alstom-Werken produziert – etwa das Antriebssystem im südfranzösischen Tarbes. „Wir freuen uns, einen Beitrag zur Entwicklung und Modernisierung des afrikanischen Eisenbahnnetzes leisten zu können – vom Senegal über Algerien bis nach Südafrika“, teilte Alstom mit.
Die Netzerweiterung kommt passend: Senegal richtet vom 31. Oktober an die Olympischen Jugendspiele aus – es ist die erste olympische Veranstaltung überhaupt auf afrikanischem Boden. Und einer der Hauptaustragungsorte – das neue Viertel Diamniadio – liegt direkt an der Bahnstrecke zwischen Flughafen und Stadtzentrum.
Seit zwei Jahren wird der im westafrikanischen Vergleich friedliche und demokratische Senegal von – vorrangig jungen – Politiker:innen der wirtschaftlich linken Pastef-Partei regiert, die auch einen populistisch-souveränistischen Diskurs fährt. Doch ein Machtkampf zwischen Präsident Bassirou Diomaye Faye und dem Parlamentspräsidenten Ousmane Sonko, der die Partei groß gemacht hat, dominiert derzeit die Schlagzeilen. Ebenso die Staatsverschuldung von 132 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, die Pastef von der wirtschaftsliberalen Vorgängerregierung geerbt hat. Viele Menschen in dem 20-Millionen-Land hoffen daher auf einen Geldsegen, der sich aus der 2024 komplett neu angelaufenen Gas- und Ölförderung ergeben soll – das Wirtschaftswachstum von 6,7 Prozent im vergangenen Jahr nährt diese Hoffnungen.