„Wer absichtlich weiterdampft, erfüllt den Straftatbestand“ – was Reisende im Flieger riskieren
Dampfen im Flugzeug: Warum ein paar Züge an der E-Zigarette teuer werden können
Stand: 07.10.2026, 14:23 Uhr
Wer im Flugzeug zur E-Zigarette greift, riskiert mehr als Ärger mit der Crew – hohe Geldstrafen und sogar Haft sind möglich. Was Reisende wissen müssen.
Es ist ein weiteres Beispiel für Fehlverhalten am Himmel durch Briten: Mitte September wurden fünf Passagiere bei ihrer Ankunft am Flughafen Birmingham von der Polizei erwartet, nachdem sie beschuldigt worden waren, in einem easyJet-Flugzeug gedampft zu haben. Berichten von Mitreisenden zufolge waren die fehlbaren Urlauber wiederholt aufgefordert worden, ihre E-Zigaretten nicht mehr zu benutzen.
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Dieser Artikel von Robert Jackman entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.
Nachdem sie mehrere Warnungen ignoriert hatten, meldete der Kapitän ihr Verhalten offenbar den zuständigen Behörden, die sie bei der Landung nur allzu gern in Empfang nahmen. Doch warum verbieten Fluggesellschaften das Dampfen überhaupt? Es gibt schließlich keine offene Flamme, keine schmutzige Asche und – scheinbar – keinen Schaden durch ein paar heimliche Züge in 11.000 Metern Höhe.

Der eigentliche Grund für das Dampfverbot an Bord ist jedoch deutlich komplexer, und das Brechen der Regeln kann zu allen möglichen Schwierigkeiten führen. Wer im Flugzeug zur E-Zigarette greift, riskiert nicht nur Ärger mit der Crew, sondern im Extremfall auch ernsthafte strafrechtliche Konsequenzen. Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Fakten, die Sie kennen sollten.
Gesetze und Vorschriften zum Rauchen von E-Zigaretten im Flugzeug
Verbote des Dampfens im Flugzeug gelten seit weiten Teilen des vergangenen Jahrzehnts, seit das US-Verkehrsministerium Anfang 2016 sein Verbot von E-Zigaretten präzisierte. Seither sind die meisten internationalen Fluggesellschaften dazu übergegangen, das Dampfen an Bord mit dem klassischen Rauchverbot gleichzusetzen und es in ihren Beförderungsbedingungen ausdrücklich zu untersagen.
Auf dieser Seite des Atlantiks wird das Dampfverbot von der britischen Luftfahrtbehörde Civil Aviation Authority (CAA) durchgesetzt. Das bedeutet, dass Fluggesellschaften eine gesetzliche Pflicht haben sicherzustellen, dass niemand in ihren Maschinen dampft, und im Falle eines Versagens mit Geldbußen oder sogar dem Entzug ihrer Lizenz rechnen müssen.
Für einzelne Passagiere existieren bereits zahlreiche Straftatbestände, die etwa das Rauchen im Flugzeug oder das Ignorieren der Anweisungen des Kapitäns abdecken. Wer beim Dampfen erwischt wird, muss daher unter Umständen mit einer Geldstrafe oder sogar einer Freiheitsstrafe rechnen, insbesondere wenn er sich wiederholt oder aggressiv über die Regeln hinwegsetzt.
Strafbarkeit von Dampfen an Bord
Nach britischem Recht ist es eine konkrete Straftat (Artikel 243 der Air Navigation Order 2016), im Flugzeug zu rauchen; Täterinnen und Täter riskieren eine Geldstrafe von bis zu 2.500 Pfund (rund 2.950 Euro). Bislang gab es allerdings noch keine Pilotverfahren, die geklärt hätten, ob dieses Gesetz auch explizit für das Dampfen gilt, da dabei technisch gesehen kein Tabak verbrannt wird.
Regelbrecher sollten dennoch nicht versuchen, ihr Glück zu erzwingen, denn es gibt mehrere andere einschlägige Straftatbestände. Artikel 244 etwa stellt es unter Strafe, wenn Passagiere sich weigern, rechtmäßigen Anweisungen des Kapitäns Folge zu leisten, wobei auch hier Geldbußen von bis zu 2.500 Pfund drohen und im Wiederholungsfall strengere Maßnahmen möglich sind.
„Wer sich nach ausdrücklicher Aufforderung des Kapitäns – oder im Namen des Kapitäns – absichtlich weigert, mit dem Dampfen aufzuhören, erfüllt diese Definition“, erklärt Martha Odysseos, Strafverteidigerin bei der Kanzlei Olliers. In der Praxis kann also selbst ein scheinbar harmloser Zug an der E-Zigarette rechtliche Folgen haben, wenn er als bewusste Missachtung einer Anweisung gewertet wird.
Sicherheitsgründe für das Dampfverbot
Auch wenn das Dampfen ein deutlich geringeres Brandrisiko als herkömmliche Zigaretten darstellt, sind damit dennoch ernsthafte Sicherheitsrisiken verbunden, insbesondere in einem Flugzeug. Nicht zuletzt besteht die Gefahr, dass die Lithiumbatterien der Geräte – ein auf Flugreisen wohlbekanntes Risiko – während der Benutzung Feuer fangen, etwa durch Defekte oder unsachgemäße Handhabung.
Mindestens ebenso realistisch ist das Risiko, dass andere Passagiere beunruhigt reagieren, wenn sie sehen, wie anderswo im Flugzeug etwas aufsteigt, das wie Rauch aussieht. Die Crew könnte dies leicht als Anzeichen eines Brandes missverstehen und entsprechend handeln, was zu Panik oder unnötigen Notfallmaßnahmen führen kann.
Vapes können außerdem die Rauchmelder an Bord auslösen, insbesondere wenn sie in den Toiletten benutzt werden, was dann ein ernstes Sicherheitsprotokoll in Gang setzt. In so einem Fall muss die Crew den betroffenen Bereich sofort überprüfen, mögliche Feuerquellen ausschließen und einen detaillierten Sicherheitsbericht verfassen.
Was passiert konkret, wenn jemand im Flugzeug dampft?
Laut einem erfahrenen Kapitän einer großen Fluggesellschaft kommt es insbesondere auf Langstreckenflügen durchaus vor, dass heimliches Dampfen die Rauchmelder auslöst – selbst wenn Nutzerinnen und Nutzer sehr darauf achten, wie und wohin sie ausatmen. Die Systeme sind extrem sensibel eingestellt, um schon kleinste Anzeichen von Rauch oder Dampf zu erkennen.
Wie zu erwarten, sendet ein aktivierter Rauchmelder sofort eine Warnung an das Cockpit und die Kabinenbesatzung. Während die Crew die Situation zuerst vor Ort überprüft, möchte der Kapitän eine klare Rückmeldung, dass die verantwortliche Person verwarnt wurde und die Toilette oder der entsprechende Bereich auf mögliche Brandgefahren kontrolliert ist.
„Es wird ein Bericht zur Flugsicherheit erstellt, und die Crew wird in der Regel angewiesen, eine Durchsage über die Bordlautsprecher zu machen“, erklärt ein Linienpilot. „Wenn die Angelegenheit damit erledigt ist, besteht meist keine Notwendigkeit, die Flugsicherung zu informieren oder weitergehende Maßnahmen einzuleiten.“
Konsequenzen für renitente Passagiere
Wo Passagiere die Regeln jedoch wiederholt missachten oder gegenüber der Kabinenbesatzung aggressiv werden, steigt die Wahrscheinlichkeit erheblich, dass die Polizei eingeschaltet wird. In solchen Fällen kann der Kapitän auch eine Zwischenlandung in Erwägung ziehen, wenn das Verhalten als sicherheitsrelevant eingeschätzt wird, was für alle an Bord weitreichende Folgen haben kann.
Ob es tatsächlich zu einer Strafverfolgung kommt, hängt stark vom jeweiligen Einzelfall ab, etwa davon, ob es zu Störungen des Flugbetriebs, Drohungen oder Sachschäden gekommen ist. „Ich wäre überrascht, wenn es allein wegen eines einzigen Zugs an der E-Zigarette zu einer Anklage käme“, sagt Anwältin Martha Odysseos.
Gleichzeitig betont sie, dass wiederholtes oder bewusst provokantes Dampfen nach einer klaren Anweisung zum Unterlassen sehr wohl anders bewertet werden kann. Wer sich also trotzig über Hinweise der Besatzung hinwegsetzt, riskiert am Ende weit mehr als nur eine unangenehme Unterhaltung nach der Landung.
Darf ich eine E-Zigarette mitnehmen, ohne sie zu benutzen?
Eine E-Zigarette im Handgepäck oder an Bord mitzuführen, ist in der Regel erlaubt, sofern sie weder benutzt noch aufgeladen wird. Die genaue Regelung hängt jedoch von der jeweiligen Fluggesellschaft ab, daher empfiehlt es sich, vor Reiseantritt die Beförderungsbedingungen zu prüfen und gegebenenfalls den Akku zu entfernen oder zu sichern.
Im aufgegebenen Gepäck ist das Mitführen einer E-Zigarette laut CAA dagegen streng verboten. Der Hintergrund ist eine Reihe von Vorfällen Anfang der 2010er Jahre, bei denen sich Akkus von E-Zigaretten entzündeten und hochgefährliche Brände im Frachtraum auslösten, die nur mit großem Aufwand unter Kontrolle gebracht werden konnten.
Zudem sollte man bedenken, dass E-Zigaretten in einigen Teilen der Welt illegal sind, derzeit in stolzen 46 Ländern mit umfassenden oder nahezu vollständigen landesweiten Verboten. Auf der Liste finden sich zwar Ziele, die aktuell kaum jemand für den Urlaub ins Auge fasst – etwa Nordkorea, Syrien, Kuba, Irak oder Bangladesch –, aber auch zahlreiche beliebte Feriendestinationen.
Vape-Verbote weltweit und praktische Reisetipps
Zu den Ländern mit harten Beschränkungen zählen unter anderem die Malediven, Thailand, Hongkong, Vietnam, Singapur, Sri Lanka, Mauritius, Brasilien, Argentinien und Indien. In manchen dieser Staaten drohen bereits für den bloßen Besitz einer E-Zigarette empfindliche Geldstrafen oder sogar Haft, während anderenorts vor allem der Verkauf und Import verboten ist.
Reisende sollten sich daher vor Antritt einer Auslandsreise genau über die Rechtslage im Zielland informieren, um unangenehme Überraschungen bei der Einreise zu vermeiden. Da sich die Gesetzeslage teils schnell ändert, ist es ratsam, auf aktuelle Hinweise von Behörden oder seriösen Reiseportalen zu achten.
Alles in allem ist es wahrscheinlich am einfachsten, die E-Zigarette tatsächlich zu Hause zu lassen. Wer nicht auf das Nikotin verzichten möchte, kann auf erlaubte Alternativen wie Nikotinkaugummis oder -pflaster ausweichen, die an Bord in der Regel unproblematisch sind und deutlich weniger Konfliktpotenzial bergen.