Däne provoziert US-Präsidenten mit Nackt-Skulptur im EU-Parlament: „Trumps Art aufzutreten, ist geradezu krank“


Drei Tage lang thronte US-Präsident Donald Trump im Europaparlament in Straßburg: nackt, vergoldet und zweieinhalb Meter hoch. Die satirische Skulptur „Orange Plague“ (dt.: „Orangefarbene Plage“) des vermeintlich mächtigsten Mannes der Welt zeigt den 80 Jahre alten Republikaner auf den Schultern einer schmächtigen Gestalt. Seine Oberschenkel und der hängende Bauch umschließen eng den Kopf des Mannes unter ihm.

Der dänische Künstler Jens Galschiøt stellte die Statue auf Einladung des EU‑Parlamentariers und Linken-Abgeordneten Per Clausen aus Dänemark aus. Neben dem Kunstwerk liegen Visitenkarten aus, die Trump als „König der Ungerechtigkeit“ mit den Worten zitieren: „Ich sitze auf dem Rücken eines Mannes. Er sinkt unter meiner Last. Ich werde alles tun, um ihm zu helfen. Außer von seinem Rücken zu steigen.“

Was es mit der Skulptur sonst noch auf sich hat, erzählt Jens Galschiøt dem Tagesspiegel auf der Heimreise von Straßburg ins süddänische Odense am Telefon.


Ihr Kunstwerk zeigt einen goldüberzogenen Donald Trump, der auf den Schultern eines kleineren Mannes hockt. Richtet sich die Skulptur gegen den US-Präsidenten persönlich oder gegen US-amerikanische Macht im Allgemeinen?
Beides. Normalerweise fertige ich nichts an, das lebende Personen zeigt. In diesem Fall wollte ich Trump persönlich darstellen, weil er meiner Meinung nach gerade die Welt zerstört. Insofern kann man sagen, dass es ein Angriff auf Trump ist. Aber natürlich richtet sich die Skulptur auch gegen die MAGA-Bewegung und diesen ganzen Populismus.

Aber es ist Trump persönlich, der alles zerstört, woran ich glaube. Er zerstört die Debatte über den Klimawandel, unsere Rechtsstaatlichkeit, die Meinungsfreiheit und unsere Art, miteinander zu diskutieren. Deshalb habe ich mich dafür entschieden, ihn persönlich anzugreifen. Und genau das ist die Art von Plage, die sich meiner Meinung nach überall ausbreitet und unsere Demokratie zerstört.

THE ORANGE PLAGUE Use Freely. Credit: GalleryGalschiot

Der dänische Künstler Jens Galschiøt hält nicht allzu viel von Donald Trump.

© PR/GalleryGalschiot

Und deshalb nennen Sie die Skulptur „Orangefarbene Plage“?
Ich nenne sie so, weil es für mich beinahe wie eine Krankheit ist, die sich in der gesamten demokratischen Welt und auch in Europa ausbreitet. Viele Menschen übernehmen Trumps Rhetorik und seinen Politikstil. Sie sind nicht ehrlich, sondern verbreiten Lügen, und die Menschen glauben ihnen.

Trumps Politikstil ist also eine Art Krankheit?
Seine Art aufzutreten, ist geradezu krank. So spricht doch niemand miteinander oder führt Debatten. Es geht nur um Machtdemonstrationen. Es ist, als würde man sich mit einem Gangster treffen. Man weiß nie, ob er einem den Finger abschneidet.

Der Name der Skulptur spielt auf Trumps Hautton an. Warum ist sie dann aber vergoldet?
Ich glaube, Trump liebt Gold. Es ist auch eine kleine Ehrung für Trump. Vor allem geht es aber um das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ von Hans Christian Andersen. Darin sagen die Menschen zum Kaiser, dass sie ihm Kleider aus unsichtbarem Gold machen würden und nur die Klügsten sie sehen könnten. Dann geht er in seinen neuen Kleidern auf die Straße, und alle sagen: „Was für schöne Kleider! Du bist der beste Mann der Welt.“ Erst ein kleiner Junge ruft, dass der Mann eigentlich nackt ist. Daraufhin bricht alles zusammen, und alle lachen über den Kaiser. Ich glaube, meine Skulptur ist dieser kleine Junge.

Würde Trump über die Skulptur auch lachen, oder was, glauben Sie, hält er davon?
Vielleicht würde Trump sie mögen und zehn davon für seinen neuen Ballsaal bestellen.

Würden Sie ihm die schicken?
Wenn er zehn Skulpturen bestellen wollte, würde ich sie anfertigen.

Er ist inzwischen einer der korruptesten Präsidenten der Welt.

Jens Galschiøt

Haben Sie keine Sorge, dass Trump vor lauter Wut jetzt wieder Ansprüche auf Grönland erhebt?
Das hat mich das dänische Fernsehen auch gerade gefragt. Aber wir haben ja jetzt erst mal ein Abkommen, und ich bin nicht sicher, ob ein Künstler daran viel ändern könnte. Außerdem müssen Künstler frei sein und sich über die Mächtigen lustig machen. Das hat eine lange Tradition. Sie tragen keine Verantwortung für die Welt. Sie müssen unabhängig sein, Kunst schaffen und einen Spiegel dessen bieten, was sie in der Welt für falsch halten.

Trump thront auf einem kleinen Mann. Für wen steht der?
Das könnte das US-amerikanische Volk sein, vielleicht auch Trumps Wähler. Es gibt viele Menschen, die für Trump gestimmt haben. Er hat ihnen versprochen, dass die USA wieder groß und der weiße Mann stolz sein würden.

Aber am Ende tut er nichts. Niemand möchte Trump tragen. Er ist inzwischen einer der korruptesten Präsidenten der Welt und zugleich einer der reichsten. Er stiehlt das Geld von allen – sogar von seinen eigenen Wählern.