Das neue Team Merz: Können diese Frauen und Männer die Stimmung drehen?


Liebe Leserin, lieber Leser,

im Garten des Kanzleramts setzte der Kanzler nach 14 quälenden Monaten heute zum Neustart seiner Regierung an. Er will mit Macht das Gemäkel beenden, die Umfragen drehen und endlich taktisch in die Vorhand kommen. Dabei ist er bereit, ein großes Risiko einzugehen. Zu den beschlossenen Reformprojekten bei Rente, Steuern, Gesundheit kommt eine Neuaufstellung seiner Mannschaft, die viel umfassender ist, als man es dem Kanzler zugetraut hat. Lesen Sie im heutigen Newsletter meine Einzelanalyse:

Nina Warken (CDU) Bundesgesundheitsministerin

Nina Warken: Von der Bundesgesundheitsministerin zur ersten Kanzleramtschefin© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Nina Warken 

Die bis vor einem Jahr ziemlich unbekannte Bundesgesundheitsministerin wird als erste Kanzleramtschefin über die Performance der Regierung entscheiden. Sie ist Dreh- und Angelpunkt zwischen Fraktion, Regierung und Partei und muss als menschliches Frühwarnsystem Probleme orten, bevor sie entstehen.

Jörg Quoos.

Jörg Quoos.

Sie interessieren sich für politische Hintergründe und wollen wissen, was in der Hauptstadt hinter verschlossenen Türen passiert? Dann ist der Newsletter „Hauptstadt Inside“ von Jörg Quoos, dem Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion, genau das Richtige für Sie. Dreimal pro Woche fasst er zusammen, was Sie wissen müssen – und ordnet die Geschehnisse ein. Hier können Sie sich anmelden.

Warken hat den Kanzler mit ihrer hart ausverhandelten Gesundheitsreform überrascht. Ihm gefällt auch die Uneitelkeit, mit der die 47-Jährige aus Baden-Württemberg ans Werk geht. Warken meidet Talkshows und bevorzugt harte Verhandlungsrunden hinter geschlossenen Türen. Risiko: Mit Warken verliert Merz die Expertin, die die Fußangeln ihrer heiklen Gesundheitsreform kennt. Das Projekt ist zwar beschlossen, aber noch lange nicht durch die Parlaments-Tür.

Carsten Linnemann CDU

Carsten Linnemann: Vom CDU-Generalsekretär zum Gesundheitsminister© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Carsten Linnemann

Der jugendhafte Querkopf wollte sich schon nach der Wahl nicht in das Bundesgesundheitsministerium schieben lassen und wäre lieber Arbeitsminister geworden. Der Buchhändlersohn aus Paderborn wurde mit dem Posten des CDU-Generalsekretärs nicht adäquat abgefunden. Jetzt kann er als Doch-noch-Bundesgesundheitsminister operativ beweisen, was er als Sozial- und Reformpolitiker drauf hat.

Mit Patienten, Senioren, Ärzteschaft und Pharmalobby hat Linnemann die heikelste „Kundschaft“, die man als Politiker haben kann, und wird seinen ersten Ministerposten als krasse Bewährungsprobe erleben. „Einfach mal machen“ – das Lieblingsmotto Linnemanns – kann er hier vergessen.

Verkehrsminister Patrick Schnieder

Er hatte eine undankbare Rolle: Verkehrsminister Patrick Schnieder fliegt© picture alliance/dpa | Michael Ukas

Patrick Schnieder

Der Bundesverkehrsminister war dem Kanzler nicht agil genug und erfährt mit seiner Entlassung die Höchststrafe. Das ist ungerecht, weil Schnieder keine konkreten Fehler gemacht hat und niemand Versäumnisse aus Jahrzehnten wegzaubern kann. Schnieder hatte die desolate Lage der Bahn klar erkannt und mit der neuen Bahnchefin Evelyn Palla aus Österreich eine mutige Personalentscheidung getroffen. Nach Schnieders Rauswurf ist das Amt jetzt endgültig der „Arschkarten“-Posten im Kabinett. So sagte es jedenfalls ein ehemaliger Bundesminister zu mir.

Fritz Güntzler

Er will Schnieders Job als Verkehrsminister nicht: Fritz Güntzler© picture alliance / dts-Agentur | dts Nachrichtenagentur GmbH

Fritz Güntzler 

Der 60-jährige CDU-Abgeordnete und Wirtschaftsprüfer aus Cuxhaven wurde heute inoffiziell als der Merz-Favorit für das Amt des Bundesverkehrsministers gehandelt, obwohl er nie als Verkehrsexperte bundesweit in Erscheinung trat. Güntzler lehnte nach übereinstimmenden Medienberichten dankend ab. Die Gründe? Siehe oben.

GER, Berlin, TV, maischberger, January 28, 2026,

Philip Amthor wird der neue Staatsminister für die Bund-Länder-Zusammenarbeit© picture alliance / HMB Media | Uwe Koch

Philip Amthor

Der 33-Jährige aus Ueckermünde (Mecklenburg-Vorpommern) und neue Staatsminister für die Bund-Länder-Zusammenarbeit ist ein Paradiesvogel in der CDU und damit das Gegenteil seines Vorgängers Michael Meister. Amthor, meist in Anzug und Schlips, kommt aus der konservativen Ecke der CDU und positionierte sich genderkritisch, gegen Schwangerschaftsabbrüche und gegen die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Er ist der jüngste Abgeordnete, der je einen Wahlkreis gewann.

Bei der Vorstellung Amthors lobte der Kanzler heute dessen Erfahrung als Staatssekretär im Ministerium für Staatsmodernisierung, aber dort war Amthor nur ein Jahr. In Wahrheit fasziniert Merz das Konservative, das Selbstbewusstsein und die öffentliche Präsenz von Amthor. Was mir auffiel: Mit Hilfe des Informationsfreiheitsgesetzes enthüllte der Spiegel die unzulässige Lobbyarbeit Amthors für das IT-Unternehmen Augustus Intelligence, was ihn an den Rand des Rücktritts brachte. Nach einem Bericht von t-online steckt Amthor maßgeblich hinter der Absicht der Koalition, das Informationsfreiheitsgesetz einzuschränken.

 Franziska Hoppermann

Franziska Hoppermann: Von der CDU-Schatzmeisterin zur neuen CDU-Generalsekretärin© FUNKE Foto Services | Marcelo Hernandez

Franziska Hoppermann

Die 44-jährige Hamburgerin, bislang CDU-Schatzmeisterin, wird dem eher linken Parteilager zugeordnet und soll neue CDU-Generalsekretärin werden, allerdings ist das noch nicht offiziell. Ich erinnere mich an Hoppermann, wie sie für Norbert Röttgen als neuen CDU-Chef warb. Am Ende machte Merz das Rennen. Hoppermann wäre auf diesem Posten neben Warken die zweite Frau, die extrem nah am Kanzler dran ist und mit ihrer Arbeit über seine Performance entscheidet.

Damit wären wir vorerst am Ende des Tableaus, weitere Personalien werden folgen. Wenn Sie noch eine Gesamteinordnung aller Personalien vermissen, lesen Sie hier gerne meinen heutigen Kommentar.

Ich wünsche Ihnen ein erholsames Sommer-Wochenende,

herzlich, Ihr

Jörg Quoos
Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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