Super League: Der FC Basel bleibt im Nirgendwo der Tabelle – 0:0 gegen GC
Der FC Basel verharrt weiterhin im Nirgendwo der Tabelle – im Umfeld des Fussballklubs bleibt es unruhig
Das torlose Remis im Klassiker bringt weder dem FCB noch den Grasshoppers viel – es lässt beide Fussballteams in einer ungemütlichen Situation verharren.
25.10.2026, 20.28 Uhr
4 Leseminuten

Lässt sich bei der Einwechslung viel Zeit und pariert dann mehrere Torchancen: der GC-Torhüter Justin Hammel (rechts).
Michael Buholzer / Keystone
Gegen Schluss kommt am Sonntagnachmittag im St.-Jakob-Park doch noch so etwas wie Klassiker-Stimmung auf. Dafür sorgt ausgerechnet ein Basler, der für die Grasshoppers spielt: Justin Hammel. Der 25-Jährige war bis letzte Saison der langjährige Stammtorhüter von GC, wurde dann aber degradiert. Seither steht Marvin Hübel, der im Sommer vom FC Aarau kam, zwischen den Pfosten.
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Aber nun kommt Hammel unverhofft doch zum Einsatz. Nach 75 Minuten, weil sich Hübel am Knöchel verletzt hat. Doch bevor Hammel den Rasen betritt, lässt er sich eine halbe Ewigkeit Zeit. Gemütlich bindet er sich auf der Ersatzbank die Fussballschuhe, dann zieht er völlig entspannt die Handschuhe an. Aufgewärmt? Hat er sich nicht – es ist eine Provokation sondergleichen. Erst nach rund fünf Minuten ist der Wechsel vollzogen. Was nicht nur die Basler Fans in der Muttenzerkurve enerviert, sondern auch die FCB-Spieler auf dem Rasen anstachelt.
Der FCB rennt an – GC agiert clever
In der letzten Viertelstunde hat der FCB zwar 75 Prozent Ballbesitz. Aber letztlich bleibt es ein Muster ohne Wert: Die Basler rennen unentwegt an, erspielen sich in der Schlussphase mehrere Torchancen. Doch entweder scheitern sie am starken Hammel oder am Aluminium.
Und so bleibt es beim torlosen Remis zweier Teams, die viel von ihrem einstigen Glanz verloren haben. Es ist ein Resultat, das sowohl den FCB als auch die Grasshoppers in einer ungemütlichen Situation verharren lässt: Die Basler verbleiben als Siebenter in der unteren Tabellenhälfte, GC ist mit drei Punkten Vorsprung vor Lausanne weiterhin Zweitletzter der Super League.
Immerhin hat der FCB bei der Premiere seines neuen Trainers Slavisa Jokanovic im St.-Jakob-Park die zuletzt so schwache Heimserie durchbrochen. Vor dem Duell mit GC hatten die Basler vier der letzten fünf Heimspiele verloren, zuletzt resultierten sogar drei Niederlagen in Folge – was es in diesem Jahrhundert zuvor überhaupt noch nie gegeben hatte. Nun hat der FCB unter Jokanovic aber immerhin erstmals in der Liga gepunktet. Aber klar ist auch: Ein torloses Remis gegen die Grasshoppers, die auch diese Saison höchstens um den Ligaerhalt spielen dürften, ist für die hohen Ansprüche der Basler viel zu wenig. Auch wenn seit Jokanovics Stellenantritt vor einem Monat erste Verbesserungen im FCB-Spiel sichtbar sind.
Basels Trainer sagte nach dem Spiel: «Wir machen positive Schritte, aber das ist nicht genug. Wir müssen weiter hart arbeiten und so zum Erfolg zurückfinden.» Und der 58-Jährige erklärte gleich auch, weshalb dem FCB in diesem Klassiker einfach kein Tor gelang: «Wir brauchen mehr Qualität in den letzten 30 Metern, aber GC hat das auch gut verteidigt.»

Müssen weiter auf den nächsten Heimsieg warten: die Spieler des FC Basel, hier Xherdan Shaqiri im Duell mit Kenzo Goudmijn von den Grasshoppers.
Michael Buholzer / Keystone
Der FC Basel zeigte nach dem Anpfiff zwar sofort, wie der Klub aus der Krise kommen will: indem er viel Druck auf den Gegner erzeugt. Schon in der 3. Minute kam der FCB so zur ersten grossen Torchance: Xherdan Shaqiri legte auf den nachgerückten Becir Omeragic ab, dessen Schuss an die Latte klatschte. Vor dem Cup-Spiel in Nyon vergangenes Wochenende hatte Jokanovic noch gesagt, er müsse die Leader im Team zuerst noch finden. Jetzt kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Omeragic einer von ihnen ist. Gegen GC eroberte er viele Bälle zurück, dirigierte im Zentrum das FCB-Spiel. Und sorgte so für Struktur und Ordnung, die dem in letzter Zeit verunsicherten Team so gefehlt hatte.
Nur: Die Grasshoppers gestanden den Baslern nur wenige Gelegenheiten zu. Weil sie vor dem eigenen Strafraum kompakt standen, hartnäckig in die Zweikämpfe gingen, bissig und präsent waren. Und immer wieder kam GC nach zügigem Umschaltspiel selbst zu Torchancen.
Wobei die Grasshoppers dabei meist von individuellen Fehlern der Basler profitierten, die sich mehrmals ungeschickt anstellten. Etwa in der 12. Minute, als der Innenverteidiger Flavius Daniliuc den Ball im Aufbau verlor, Young-jun Lees Schuss jedoch von Jonas Omlin pariert wurde. Oder eine Minute später, als Samuel Krasniqi mit einer Körpertäuschung den Basler Rechtsverteidiger Clément Michelin aussteigen liess, sein Schuss aber weit übers Tor flog.
Überhaupt die Aussenbahnen: Sie sind zurzeit die grosse Schwachstelle der Basler. Moussa Cissé zeigt Wochenende für Wochenende, dass er hinten links kein adäquater Ersatz für Dominik Schmid ist, der die Basler im Sommer verlassen hat. Und Michelin hat bisher ebenfalls nicht den Nachweis erbracht, dass er gehobenes Super-League-Niveau hat.
Nur in der Wertsteigerung seiner Spieler top
Nur in einem sind die Basler zurzeit top: in der Wertsteigerung ihrer Spieler. In einer in der vergangenen Woche veröffentlichten Studie des Football Observatory des CIES (International Centre for Sports Studies) rangiert der FCB weltweit auf dem 50. Platz – er steigerte den Wert seiner in den letzten fünf Jahren verpflichteten Fussballer um 150 Millionen Euro.
Doch der Klub bezahlt einen hohen Preis für die Strategie der wirtschaftlichen Konsolidierung. Spieler kommen und gehen, das Kader wird ständig ausgetauscht, seit langem fehlt eine tragfähige Achse mit Fussballern, die dem Team Stabilität verleihen könnten. Stattdessen wirkt die Mannschaft beliebig und uneingespielt. Das war auch am Sonntag wieder zu sehen. Und sorgt weiterhin für Unruhe im nervösen Umfeld des Klubs.
Wie unzufrieden die Basler Fans mit der Klubführung sind, verdeutlichte ein Transparent in der Muttenzerkurve. «Ein Brandstifter als Feuerlöscher. Verzweifelt, wer einen Böni einstellen muss», stand darauf. Der harte Kern der FCB-Fans machte damit deutlich, was er von der neuesten Verpflichtung hält. Andreas Böni war zuletzt Chefredaktor bei Blue Sport und zuvor jahrelang für den «Blick» tätig. Ab 1. April wird der Ostschweizer im FC Basel als Managing Director und Chief Communications & Club Media Officer angestellt sein. Die Aktion zeigt: Es dürfte ungemütlich bleiben in Basel – auf und neben dem Platz.
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