Der neue Audi A2 e-tron: Elektro-Zwerg mit Riesen-Reichweite


Stand: 11.09.2026, 18:19 Uhr

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Erste Sitzprobe im neuen Audi A2 e-tron. Der Stromer sieht gut aus, schafft über 600 Kilometer Reichweite und soll beim Verbrauch Effizienz-Weltmeister werden.

Ingolstadt – Sparsam, unrostbar, kompakt und trotzdem geräumig. Der Audi A2 war seiner Zeit weit voraus. Dank der Aluminium-Karosserie wog das Basismodell nur 900 Kilogramm. Der 1,2-Liter große TDI verbrauchte unter drei Litern. Und trotzdem war der kleine Ingolstädter ein Ladenhüter. Die klobige und an einen Van erinnernde Form schreckte viele Kunden ab. Außerdem war der Kleinwagen seinerzeit (1999) mit 33.000 Mark ziemlich teuer. Erst jetzt, 21 Jahre nach dem Produktionsstopp, bringt Audi einen Nachfolger. Den Audi A2 e-tron. Und eigentlich sollte der elektrische Kleinwagen weder so heißen noch so aussehen wie der legendäre Verbrenner, der heutzutage ein gesuchter Klassiker ist.

Audi A2 e-tron Front

Die Hauptscheinwerfer sind im rechteckigen Kühlergrill versteckt, sodass man beim neuen Audi A2 e-tron nur die schmalen Tagfahrlichter unter der Motorhaube sieht. © Audi

Zu schwer wog die erfolglose Vergangenheit. Aber dann kam die Form. Weil die Entwickler wieder ein windschlüpfriges Auto bauen wollten (cw-Wert 0,24), landeten sie automatisch bei der hohen Dachlinie, wie es bei Audi heißt. Und auch der Spoiler rutschte aus Gründen der Aerodynamik wieder in die Heckscheibe, dieses Mal nicht mittig, sondern weiter unten. Und schon erinnerte die Seitenlinie des neuen A2 ziemlich genau an den alten A2. Zum neuen alten Namen mit dem Zusatz e-tron war es dann nur noch ein kleiner Schritt.

Mamma mia: Warum solche Türgriffe?

Die markante Dachlinie und das kecke Heck sind aber nicht die einzigen Designmerkmale, die uns beim ersten Studio-Termin ins Auge gesprungen sind. Auffällig sind auch die großen bogenförmigen Sicken über den Radhäusern und dann natürlich die Frontseite. Statt des markanten Single-Frame-Grills setzt man jetzt auf ein sogenanntes Black Panel. Das flache Rechteck zieht sich über die ganze Seite des A2. An den Rändern versteckt sitzen die dunklen Hauptscheinwerfer. Man bemerkt sie zunächst nicht, weil der Blick automatisch auf die schmalen Tagfahrlichter fällt, die direkt unter der Fronthaube sitzen und dem Auto einen verwegenen Gesichtsausdruck verpassen. Ungewöhnlich sind auch die Türgriffe – sie sitzen wie kleine Finnen direkt an der Fensterleiste. So wie beim neuen Volvo EX60. Ästheten sind sie ein Gräuel. So schlimm finden wir sie zwar nicht, aber einen Schönheitspreis dürften sie nicht gewinnen.

Mit Wohlfühlstoffen zur Wohnzimmer-Atmosphäre

Wir nehmen Platz im neuen A2 – und freuen uns zunächst über das großartige Raumgefühl. Ähnlich wie beim ersten A2 liegt das Dach mit 1,55 Metern recht hoch. Der Himmel ist fast komplett aus Glas. In der Länge misst das Auto 4,32 Meter, und übertrifft seinen Vorgänger damit um fast einen halben Meter. Auch der Radstand ist mit 2,76 Metern recht ordentlich. Das ist so viel wie beim Audi Q4 e-tron. Deshalb sitzt man hinten recht bequem. Wer dort die Seitenscheiben öffnet, erlebt eine kleine Überraschung. Sie lassen sich konstruktionsbedingt leider nur bis zur Hälfte öffnen. In den Kofferraum passen 396 Liter, umgeklappt sind es 1.336. Dank der gewölbten Heckklappe ist der Stauraum auch für drei hochkant gestellte Koffer geeignet. Beim Interieur setzt Audi wieder verstärkt auf Qualität und gepolsterte Flächen. Der sogenannte Soft-Wrap besteht aus weichen Stoffen, die sich über das Armaturenbrett bis zu den oberen Türflächen sowohl vorn als auch hinten ausbreiten und so für eine behagliche Atmosphäre sorgen. Unter den mittleren Lüftungsdüsen sitzt eine offene Ablage mit zwei kreisförmigen und beleuchteten Ladeflächen. Zu stark darf man daran nicht rütteln, das Teil macht einen wackligen Eindruck. Liegt aber vielleicht daran, dass es noch ein Vorserienfahrzeug ist.

Audi A2 e-tron Interieur Cockpit

Viel Stoff und gepolsterte Flächen: Audi hat an der Qualität gearbeitet, das merkt man dem Interieur auch an. Neu ist auch die Ablage unter dem Cockpit. Sie hat zwei Ladeschalen. © Audi

Dieser Hebel hat uns schon im Q3 verrückt gemacht

Die digitale Bühne wird von zwei Bildschirmen in einem gebogenen Rahmen beherrscht. Der Tacho ist 11,9 Zoll groß, der Touch-Screen für die Bedienung des Infotainments 12,8 Zoll. Mit den üblichen Kacheln kommt man gut durch das Menü. Neu ist die Software „Audi Connected Work“, die mit Teams kompatibel ist. Über die KI-Sprachsteuerung kann man sich damit unter anderem eine Zusammenfassung seiner Mails vorlesen lassen oder checken, welche Termine in der nächsten Woche anstehen. Auf dem Lenkrad findet man die üblichen Tasten – von der Lenkradheizung bis hin zum Abstandstempomaten. Gott sei Dank nicht mehr im Klavierlack-Design. Hinter dem Volant entdecken wir rechts die Steuerung für die Fahrstufen, links den umständlichen Multifunktionshebel. Der hat uns schon im Audi Q3 nicht gefallen, weil die Funktionen teilweise verdeckt, und weil man beim Bedienen schon mal die Scheibenwischer einschaltet, obwohl man eigentlich nur blinken will.

Audi A2 e-tron Heck

Ein Stromer mit Vorgeschichte: Der neue Audi A2 e-tron ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger ein reines Elektroauto. Er soll ähnlich sparsam sein wie der Drei-Liter-Verbrenner. © Audi

Top-Modell spurtet in 5,7 Sekunden von 0 auf 100

Kommen wir zum Antrieb. Vier verschiedene Varianten bietet Audi an – von 170 PS bis zu 325 PS. Der stärkste A2 darf bis zu 200 km/h schnell sein und rennt in 5,7 Sekunden von 0 auf 100. Alle anderen werden bei 160 km/h abgeregelt. Die Kraft geht immer auf die Hinterachse, was für feinen Fahrspaß auch bei 1,9 Tonnen Gewicht sorgen könnte. Mit dem DCC Pro steht ja auch ein bewährtes Fahrwerk aus dem Konzern zur Verfügung. Die Kraft zieht sich der A2 aus drei verschiedenen Batteriegrößen. 50 respektive 58 kWh (jeweils netto) bieten die kleineren Akkus aus Lithium-Eisenphosphat (LFP) mit Reichweiten von 423 bis 515 Kilometern. Mit der 81‑kWh-großen Batterie soll der Audi sogar bis zu 646 Kilometer schaffen. Mit einem Verbrauch von 12,8 kWh (WLTP mit Ladeverlusten) dürfte das drin sein. Aber das muss der erste Praxistest zeigen. Beim Laden sieht es eher mau aus. Das Basismodell packt gerade mal 100 kW, beim stärksten A2 sind es immerhin 183 kW. Die Ladezeiten sollen zwischen ebenfalls sehr durchschnittlichen 24 und 29 Minuten liegen.

Audi A2 e-tron Seite Autor Rudolf Bögel

Der neue Audi A2 e-tron ist wie sein Vorgänger relativ hoch, die tropfenförmige Karosserie ist der Aerodynamik geschuldet. Das Auto sieht gut aus, findet Autor Rudolf Bögel. © Audi

Unser Fazit zum neue Audi A2 e-tron

Vom Aussehen her bekommt der neue Audi A2 e-tron von uns die Note 1. Er sieht mindestens so cool aus wie der Audi A6 allroad. Von der Silhouette her erinnert er an das berühmte Vorgängermodell, aber sonst steht der Stromer viel eleganter und kräftiger auf der Straße. Mit dem alten A2 verbindet ihn auch der gute cw-Wert und ein effizienter Antrieb. Sollten die 12,8 kWh Verbrauch auf 100 Kilometer tatsächlich Bestand haben, dann wäre das ziemlich gut. Leider ist das Auto, das nach Wegfall von A1 und Q2 das neue Einstiegsmodell in die Audi-Welt sein soll, teuer. Ab 38.200 Euro geht es erst los. Bestellt werden kann das Modell jetzt schon, ausgeliefert wird im Dezember. Rudolf Bögel