Der neue Duden: Darum ist Deutsch eine schöne Sprache


Stand: 19.09.2026, 16:48 Uhr

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Bunt, lustig, lehrreich: Der Duden hat ein neues Buch über die deutsche Sprache veröffentlicht. Lesbar und lehrreich ist es für jedermann. Zum Beispiel hat das Wort „Joghurt“ tatsächlich drei Artikel.

Berlin (KNA) – Wie nennt man das Brotendstück, das in vielen Familien, weil hart zu kauen, zumindest von Kindern eher ungern gegessen wird? Ein bundesweit einheitliches Wort gibt es dafür nicht. Stattdessen existiert eine Fülle von regionalen Bezeichnungen: Über 300 sollen es sein, 32 haben es in den Duden geschafft.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Um nur eine Auswahl zu nennen: „Knäppchen“, sagt der Rheinländer rechts des Rheins, von „Krustchen“ spricht er auf der anderen Seite. „Knäuschen“ heißt es rund um Trier, „Knust“ nennt der Norddeutsche das Ende des Brotes. „Ranft“ sagt der Sachse in der Nähe von Leipzig; Richtung Bautzen spricht er eher von „Rämpfla“.

Ein aufgeschlagener Duden liegt auf einem Tisch auf Höhe des Buchstabens K.

Weltweit sprechen 134 Millionen Menschen Deutsch als Erst- oder Zweitsprache. © Jens Büttner/dpa

Wen solche Eigenheiten rund um die deutsche Sprache interessieren, der wird hier fündig: „Das große Buch der deutschen Sprache“ heißt das bunte Nachschlagewerk des Dudenverlags, das am 14. September erscheint. Auf 288 Seiten bietet es eine Fülle von Informationen und „Fun Facts“, die von den Autorinnen Andrea Weller-Esser und Lana Bragin kurzweilig und ansprechend aufgeschrieben und gestaltet wurden.

„E“ ist der häufigste Buchstabe

In zehn Kapiteln wird erklärt, wie die Sprache aufgebaut ist, wie sie geschrieben und ausgesprochen wird oder wie sie sich gesellschaftlich und literarisch entwickelt hat. Man lernt, dass der Buchstabe „e“ im Deutschen mit mehr als 13 Prozent am häufigsten vorkommt. Dass der „ch“-Laut wie in „ich“ für Nicht-Muttersprachler extrem schwer zu artikulieren ist.

Oder dass es für nahezu jede Sache ein eigenes Wort gibt – wie etwa den „Nasenhaartrimmer“: Dank der Möglichkeit, lange Bandwurmwörter zu bilden, sind der Wortneuschöpfungsfantasie keine Grenzen gesetzt. Worüber der ein oder andere schon gestritten haben mag: Nur 0,04 Prozent aller deutschen Nomen haben tatsächlich drei mögliche Artikel. So heißt es der, die, das Joghurt und auch der, die, das Dress. Alles drei ist richtig.

Acht Milliarden Menschen gibt es auf der Welt. Davon sprechen 134 Millionen Menschen Deutsch als Erst- oder Zweitsprache. Und es existieren Sprachen, die dem Deutschen ähneln und zu den germanischen Sprachen zählen – wie etwa Niederländisch, Jiddisch oder Lëtzebuergesch.

Darum klingt Deutsch hart

Was ist typisch am Deutschen? – „Dass es so hart klingt“, würde wahrscheinlich mancher Franzose sagen, dessen Sprache eher für melodiösen Klang bekannt ist.

Woran das liegt, wird im Buch auch für Nichtgermanisten erklärt: Ein Grund ist zum Beispiel die sogenannte Auslautverhärtung: Im Deutschen werden Konsonanten am Ende einer Silbe immer stimmlos gesprochen: b, d und g spricht man also wie p, t und k aus.

Auch der „Knacklaut“ ist mitverantwortlich: „Im Deutschen wird vor jedem Wort eine winzige Pause gemacht, während die Wörter eines Satzes in den meisten anderen Sprachen miteinander verbunden werden. Fängt ein Wort oder eine Silbe mit einem Vokal an, ist diese Pause besonders auffällig“, heißt es im Buch – und hört sich wie Knacken an.

Typische DDR-Wörter

Ein Kapitel widmet sich dem Deutschen in der DDR: So entstanden durch das andere politische System auch andere Wörter. „Haushaltstag“ nannte sich etwa ein monatlicher bezahlter Tag für voll berufstätige Frauen mit Kindern, um Hausarbeit zu erledigen. „Wunschkindpille“ hieß die kostenlose Verhütungspille ab 1972.

Neben diesen offiziellen Sprachregelungen gab es viele kreative Wortschöpfungen, die parallel dazu im Alltag verwendet wurden – oft mit einem humorvollen oder ironischen Unterton. „Horch und Guck“ wurde etwa das Ministerium für Staatssicherheit genannt.

Auch die Nazis hinterließen Spuren in der deutschen Sprache. So änderten sie manche Wörter der Weimarer Buchstabiertafel: Um 1903 sagte man „N wie Nathan“ oder „S wie Samuel“, ab 1934 hieß es „N wie Nordpol“ und „S wie Siegfried“. Erst 2022 gestaltete man das Buchstabieren auf Basis von Städtenamen neu. Aus „Siegfried“ etwa wurde „Salzwedel“.

Die häufigsten Fehler

Mit der Geschichte der Rechtschreibung befasst sich ein weiteres Kapitel: Zum Beispiel erfährt das Lesepublikum, welche Fehler besonders häufig gemacht werden. Es heißt nämlich „Zucchini“ und nicht etwa „Zuchini“. Oder „Sonnyboy“ und nicht „Sunnyboy“: Das Wort kommt aus dem Englischen und bezieht sich ursprünglich auf „son“ (Sohn) und nicht etwa auf „sun“ (Sonne).

Viele Alltagswörter des Deutschen sind aus anderen Sprachen entlehnt. „Anorak“ etwa stammt aus dem Grönländischen, „Vampir“ aus dem Serbokroatischen. Die Namen der deutschen Monate kommen aus dem Lateinischen: der „Mai“ etwa vom römischen Gott Maius, der als Gott des Wachstums galt. „Februar“ leitet sich von „februare“ (büßen, reinigen) ab.

Was Sie über die deutsche Sprache vermutlich nicht wissen

Wer sich näher mit dem Deutschen, seiner Entwicklung und seinen Besonderheiten beschäftigen will, wird fündig im „Das große Buch der deutschen Sprache“, das jetzt im Dudenverlag erscheint. Hier eine kleine Auswahl eher unbekannter Besonderheiten:

1. Im Deutschen lässt man gern einmal das aus dem Englischen stammende Wort „Sunnyboy“ ins Gespräch einfließen. Richtig geschrieben wäre es allerdings „Sonnyboy“ – es kommt nämlich nicht von „sun“ (Sonne), sondern von „son“ (Sohn).

2. Der Buchstabe ß: Das „Eszett“ gibt es nur im Deutschen. Das führt mitunter zu Problemen im Ausland, etwa bei Passkontrollen, wenn der Buchstabe im eigenen Namen vorkommt. Die Stadt „Neuss“ in Nordrhein-Westfalen hat genau aus diesem Grund ihren Namen 1968 amtlich geändert: Aus Neuß wurde Neuss.

3. Im österreichischen Deutsch verwendet man Präpositionen teilweise anders als im Bundesdeutschen. So heißt es im Österreichischen häufig „am“ statt „auf dem“. Also: „Theo wohnt am Land“ statt „Theo wohnt auf dem Land“.

4. 10,95 Buchstaben ist die Durchschnittslänge eines Wortes im Deutschen, etwa so etwas wie „Backenzahn“.

5. Manche Wörter fliegen zu einem anderen Zeitpunkt aus dem gedruckten Duden heraus, weil sie nicht mehr gebräuchlich sind – etwa „abgemattet“ (für „müde“), das 1980 gestrichen wurde, oder „fuchsschwänzeln“ (jemandem nach dem Mund reden); es stand bis 1991 im Duden.

6. Der, die, das: Die meisten Nomen im Deutschen haben einen weiblichen Artikel. Zu 45,7 Prozent tragen sie den weiblichen Begleiter „die“. 33,6 Prozent besitzen den Artikel „der“ und 20,7 Prozent „das“.

Von Elwetritsch bis Pidder Lüng

Dem Deutschen haftet etwas Märchenhaftes an, was sich auch in der Sprache niederschlägt: Unzählige Fabelwesen und fantastische Sagengestalten bevölkern den deutschsprachigen Raum. Viele von ihnen sind fest mit einem Ort verbunden, mit einem Felsen, einem Berg oder einem See, je nach Region eben.

Ob Reiter vom Bodensee, rheinische Loreley, der friesische Inselheld Pidder Lüng, das geflügelte Mischwesen Elwetritsch oder die Riesin Frau Hitt: In der deutschen Sprache scheint es ähnlich viele Fabelgestalten wie Namen für das Brotendstück zu geben.