Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe: Simon Völker sorgt für die perfekte Fontäne


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Ein Job wie kein zweiter im Bergpark Wilhelmshöhe Der wohl schönste Arbeitsplatz in Kassel: Simon Völker inszeniert die Wasserspiele

Tausende Zuschauer, acht Bar Druck und wenig Spielraum für Fehler: Simon Völker sorgt dafür, dass die historischen Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe reibungslos ablaufen. Es ein Job, den es so kaum ein zweites Mal gibt.

Ein Mann steht vor einem Teich, im Hintergrund ein historischer Pavillon, Bäume und ein Park.

Simon Völker ist als Stellvertretender Wassermeister für die Wasserspiele im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel. Bild © Stefanie Küster (hr)

Einfach einen Hahn aufmachen und das Wasser läuft? So einfach ist das nicht - auch wenn am Ende ein Ruck an der Kette am Fontänenteich reicht. Hier schießt das Wasser mit acht Bar Druck 50 Meter in die Höhe - wie ein Geysir.

Die Fontäne im Bergpark Wilhelmshöhe in Kassel ist das Highlight der jahrhundertealten Wassershow. Damit alles reibungslos funktioniert, sind Simon Völker, stellvertretende Wassermeister, und sein Team schon Stunden vorher im Einsatz.

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02:35 Min.|Jürgen Scholle

Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite

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Balanceakt zur Fontäne

Völker beginnt mit seinen Vorbereitungen entgegengesetzt zum Verlauf des Wassers unten am Fontänenteich. Er schiebt ein Brett über das Wasser, balanciert darauf bis zu einer kleinen Insel und fixiert den Fontänendeckel mit einer Stange.

Alles muss fest sitzen, damit genug Druck aufgebaut wird. Um 15.45 Uhr wird der Schieber an Wasserspiel-Tagen mit einem kräftigen Ruck weggezogen - und die Fontäne steigt vor den begeisterten Zuschauern in den Himmel.

Ein historischer Metallschieber mit einer langen Kette

Der Schieber auf dem Fontainenkopf wird mit einer langen Kette abgezogen. Bild © Jürgen Scholle (hr)

Wasserkunst ganz ohne Pumpen

Damit die Fontäne wirklich aussieht wie ein Geysir, habe man ein bisschen getrickst, erklärt Völker: Viele kleine Löcher gruppierten sich um eine große Öffnung in der Mitte. Das sorge für den nötigen Druck. Ist der Schieber einmal gezogen, müssen die Mitarbeiter von Hessen Kassel Heritage (HKH) schnell verschwinden - denn das Wasser spritzt je nach Windrichtung meterweit.

Insgesamt 16 solcher Schieber sind im ganzen Bergpark verteilt. Das Ganze funktioniert ohne Pumpen - wie zu Landgraf Karls Zeiten. Der Druck entsteht durch den Höhenunterschied im Gelände. Das Fontänenreservoir, aus dem sich die Wasserspiele speisen, liegt 80 Meter weiter oben.

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Lieblingsstation mit Panoramablick

Auf dem Weg nach unten rauscht das Wasser über verschiedene Stationen: Kaskaden, Teufelsbrücke, Aquädukt. Doch am liebsten öffnet Völker den Schieber am Artischockenbecken zu Füßen des Herkules - mit Panoramablick über ganz Kassel im Rücken.

Mit einem langen Metallschlüssel steht er vor einem Schacht inmitten der Kaskaden. Der Schieber hier ist besonders knifflig - durch ein schmales Loch in dem Schachtdeckel muss Völker einen Haken einfädeln, um das Wasser weiter in Richtung Riesenkopfbecken zu lenken.

Insgesamt sorgen drei Kolonnen, also Teams von jeweils sechs Leuten, für funktionierende Wasserspiele. An jedem Wasserspieltag ist eine Kolonne im Einsatz.

Die Wasserspiele sind für ihn eine "wahre Leidenschaft" - und auch mit einer gewissen Anspannung verbunden, sagt Völker. Denn immerhin schauen Tausende Menschen zu - das ist nicht jedermanns Sache, weiß er. Jeder Wasserspieltag sei einzigartig, auch wenn alles perfekt durchchoreografiert ist. "Es ist was Besonderes, die Wasserspiele inszenieren zu dürfen. Ich bin stolz drauf, dass ich das machen darf."

Ein Mann hockt an einem Schacht, er hält den Schachtdeckel in der Hand. Im Hintergrund ein Wasserbecken.

Simon Völker am Schieber direkt am Artischockenbecken. Bild © Stefanie Küster (hr)

Trockener Sommer (noch) kein Problem

Der trockene Sommer sei für die Wasserspiele kein Problem, berichtet Völker. "Wir hatten einen langen Wasser-Zulauf bis Mitte Mai", berichtet er. Das war nicht immer so: 2024 mussten die Wasserspiele wegen der anhaltenden Trockenheit an jeder Station um zwei Minuten verkürzt werden. Nur so konnte die Attraktion bis zum Ende der Saison sichergestellt werden.

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750.000 Liter Wasser in Bewegung

Der Bergpark Wilhelmshöhe und die barocken Wasserspiele entstanden zu Beginn des 18. Jahrhunderts unter Landgraf Karl. Bei den Wasserspielen fließen jeweils mehr als 750.000 Liter Wasser in die Tiefe - nur durch die Ausnutzung physikalischer Gesetze. Pumpen werden hierfür nicht benötigt. Das Wasser wird allein durch den natürlichen Höhenunterschied befördert und läuft anschließend über die Drusel in die Fulda.

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Ein Park von oben. Im Vordergrund steinerne Stufen und Wasserbecken, im Hintergrund eine schnurgerade Straße durch eine Stadt.

Blick von den Kaskaden auf Kassel. Bild © Stefanie Küster (hr)

Learning by doing

Gelernt hat Völker sein Handwerk von Wassermeister Philipp Heußner. Denn einen Ausbildungsberuf gibt es nicht. Alles, was man wissen muss, kann man in einer Fortbildung lernen - oder eben mitlaufen.

"Das ist Learning by doing", erzählt Völker. Er habe Heußner immer wieder begleitet und dabei alle Hintergründe des Bergparks mitbekommen.

Besucher hilft beim Fontänenstart

Dass der Fontänendeckel erst kurz vor den Wasserspielen zugemacht wird, ist eine Sicherheitsmaßnahme, berichtet Völker. Vor Jahren sei es einmal vorgekommen, dass ein Fremder die kleine Insel betreten und sich auf den Schieber gesetzt habe, so der Wassermeister. "Wenn dann in so einem Moment ausgelöst wird, kann das bei acht Bar Druck gefährlich werden."

So richtig schief gegangen ist zum Glück noch nie etwas, so der 28-Jährige. Einmal habe allerdings der Schieber gehangen und ein Besucher musste beim Ruck an der Kette helfen - nur so konnte die Fontäne pünktlich starten.

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Wasserspiele erleben

Die Wasserspiele finden jährlich vom 1. Mai bis 3. Oktober mittwochs, sonntags und an Feiertagen statt. Sie starten jeweils um 14.30 Uhr am Herkules und können dann über die Kaskaden, vorbei am Steinhöfer Wasserfall, der Teufelsbrücke und dem Aquädukt auf zirka 2,3 Kilometern begleitet werden. Den Abschluss bildet die große Fontäne am Schloss Wilhelmshöhe. Beleuchtete Wasserspiele gibt es am 11. und 12. September.

Der Bergpark mit den historischen Wasserspielen zählt seit 2013 zu den Unesco-Weltkulturerbe-Stätten.

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