Schulze halbiert die CDU in Sachsen-Anhalt – erste Rücktrittsforderungen werden laut
Desaströses Ergebnis bei Sachsen-Anhalt-Wahl: Schulze halbiert die CDU
Stand: 06.09.2026, 20:27 Uhr
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Die CDU fährt in Sachsen-Anhalt ein historisch schlechtes Ergebnis ein – und könnte dennoch den Ministerpräsidenten stellen. Der gratuliert schon mal der AfD.
Magdeburg – „Das ist ein historisches Ergebnis und es ist ein ganz klarer Regierungsauftrag“, erklärte AfD-Chefin Alice Weidel nach der ersten Hochrechnung in der ARD sichtlich zufrieden. „Unsere Hand ist immer ausgestreckt“, sagte sie, um in Richtung CDU zu blicken, die mit Sven Schulze den Ministerpräsidenten stellt. Der hatte kurz zuvor der Wahlsiegerin gratuliert: „Wir werden auch als CDU mit diesem Ergebnis umgehen müssen.“ Vermutlich insbesondere er.

Doch kann man dieses „Desaster“ wirklich an seiner Person festmachen? Immerhin war Schulze erst im Januar 2026 ins Amt getreten, nachdem Reiner Haseloff seinen Rücktritt erklärt hatte. Allerdings lagen im Februar die Umfragewerte noch bei um die 26 Prozent – und kannten dann nur noch die Richtung nach unten. Mit 18,5 Prozent in den (nicht endgültigen) Hochrechnungen schaffte er es, das Wahlergebnis von 2021 zu halbieren. Seinerzeit wurde die CDU mit 37,1 Prozent stärkste Kraft.
Sachsen-Anhalt-Wahl: CDU‑Ministerpräsident Schulze macht Merz-Regierung mit verantwortlich
Schulze, der im Februar Bürgergeldempfänger zur Arbeitspflicht heranziehen wollte, macht in einer ersten Analyse die Politik der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) mit für seine Niederlage verantwortlich: „Wir hatten oft Gegenwind und das war nicht immer ganz einfach.“ Auch verwies er auf die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung, die er jedoch nicht hatte nutzen können, im Gegensatz zur AfD, die 157.000 Nichtwähler mobilisierte: „Ich sage, das ist Demokratie.“ Die Menschen hätten ein Zeichen gesetzt und damit müsse umgegangen werden, über Sachsen-Anhalt hinaus.
Hinzu kommt: Die CDU stellt mit 83.000 die meisten Wähler, die zur AfD gewandert sind. Zusätzlich könnte es weitere Abweichler in den eigenen Reihen geben, die einer Zusammenarbeit mit der AfD nicht abgeneigt sind. Weidel hatte diesbezüglich in der ARD bereits Andeutungen gemacht, dass dies durchaus eine Möglichkeit zur Alleinregierung sein könnte. Davon will Schulze nichts wissen und geht von der Geschlossenheit der CDU‑Landtagsfraktion aus – er erwarte keine Abweichler.
Doch wer soll regieren, wenn der AfD die absolute Mehrheit nicht gelingt und es die CDU mit den Worten der Generalsekretärin Franziska Hoppermann hält? Die hatte im Sender Phoenix nämlich weiterhin eine Zusammenarbeit mit den Linken ausgeschlossen. Über den Unvereinbarkeitsbeschluss werde nicht mehr diskutiert. „Wie sollen wir mit einer Partei ernsthafte Gespräche führen, die ein schweres Antisemitismus-Problem hat, die ein anderes Gesellschaftsmodell will als wir und die uns vorwirft, faschistische Politik zu machen?“
Ob Schulze da mitgeht, wenn mit der Linken doch noch eine Chance aufs Regieren besteht? Vielleicht betrifft es ihn gar nicht mehr, denn während in den Parteizentralen und TV-Studios noch herumgerechnet wird, gibt es bereits erste Rücktrittsforderungen. So hat die Junge Union Sachsen-Anhalt in einem Beschluss formuliert, dass es ein „Weiter so“ nicht geben könne; man brauche einen Neuanfang: „Deshalb fordern wir den Rücktritt und eine zeitnahe Neuwahl der gesamten Landesführung.“ Die gesamte Partei stehe an einem Wendepunkt. Das dürften sie auch in Berlin wissen. (Quellen: dpa, eigene Recherche) (ktho)