DFB-Team gegen Australien: „Mag keine vermeidbaren Fehler“: Wücks Lehren nach dem 4:2
DFB-Team gegen Australien „Mag keine vermeidbaren Fehler“: Wücks Lehren nach dem 4:2
Karlsruhe · Mit neuen Alternativen und frischem Selbstbewusstsein überzeugen die deutschen Fußballerinnen gegen Australien. Bundestrainer Wück sieht aber noch Mängel - vor allem wegen einer Situation.
10.10.2026 , 12:42 Uhr
Stark am Ball: Mittelfeldantreiberin Elisa Senß.
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Eine ihrer auffälligeren Szenen hatte Klara Bühl erst nach dem Spiel. Der Teambus stand schon zur Abfahrt bereit, da erhörte die gefragteste Fußball-Nationalspielerin doch noch die „Klara, Klara“-Rufe der Fans. Für die kleine Autogramm-Extraschicht gab es dankbaren Applaus. Denn auf dem Rasen des Karlsruher Wildparks war der Bayern-Star beim 4:2 (2:1) gegen Australien zuvor nur eine Halbzeit lang zu sehen gewesen.
Dass Bundestrainer Christian Wück selbst Weltklassespielerinnen wie die 25 Jahre alte Bühl ohne größere Bauchschmerzen auswechseln kann, spricht für die neue Tiefe im DFB-Kader. Auf weitere Säulen wie Kapitänin Giulia Gwinn oder Stammtorhüterin Ann-Katrin Berger hatte der Coach ohnehin verzichten müssen. „Jeder hat gesehen, dass das Niveau heute auf dem Platz sehr hoch war“, stellte Wück dennoch fest. „Eine starke Leistung“, attestierte er seinem Team.
Alternativen wie Baum, Zicai und Kössler machen Druck
Sah in Karlsruhe einen guten Auftritt seines Teams: Bundestrainer Christian Wück.
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
„Wir haben im Moment den Vorteil, dass wir ein sehr gutes Team auf dem Platz bilden“, meinte Wück, es gebe gute Alternativen. Flügelspielerinnen wie Debütantin Lisa Baum (19) vom FC Arsenal, die in Ansätzen ihr Potenzial unterstrich, oder Wolfsburgs Cora Zicai (21) machen den Etablierten Druck. Stürmerin Melissa Kössler (26) vom US-Team Denver Summit erzielte ihre ersten beiden Länderspieltore. „Eine gewisse Flexibilität“ habe seine Elf mittlerweile auf gewissen Positionen, bemerkte Wück.
Rein damit: Melissa Kössler traf doppelt gegen die Matildas.
Foto: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Der 53 Jahre alte Ex-Profi kann sich die Rochaden leisten, weil sein 4-2-3-1-System und vor allem die Mittelfeld-Achse um Elisa Senß und Sjoeke Nüsken immer besser funktionieren. Über viel Ballbesitz dominierte die DFB-Elf vor 26.352 Zuschauern Spiel und Gegner phasenweise stark. Innenverteidigerin Camilla Küver (83.) und Nüsken (90.+4) erzielten die weiteren deutschen Tore. „Das Schöne ist, dass wir es in der ersten Hälfte sehr gut im Griff hatten“, resümierte Wück.
Senß überzeugt als Chefin im Mittelfeld
Senß unterstrich ihr Selbstbewusstsein als Mittelfeld-Chefin mit einem perfekten Steilpass, der zum 2:0 durch Kössler führte. „Ich fühle mich sehr wohl mit Sjoeke tatsächlich auf der Sechs, das war heute sehr eingespielt“, meinte die vor der Saison von Eintracht Frankfurt zu Real Madrid gewechselte Antreiberin über ihr Zusammenspiel mit Nüsken.
Wück, der seine Spielerinnen auch öffentlich stets kritisch begleitet, sah allerdings auch einige weniger positive Themen. Vor allem das Gegentor durch Australiens Topstar Sam Kerr kurz vor der Pause wurmte ihn. „Ich mag keine vermeidbaren Fehler“, mäkelte er. Vor dem 1:2 sei seine Elf auf die Idee gekommen, bei einer 2:0-Führung Angriffspressing zu spielen. Das ging nach hinten los.
Nüsken habe er am gegnerischen Sechzehner gesehen, führte Wück aus: „Sie kommt nicht in den Zweikampf. Dann wird es schwer, gegen so eine Qualität eben das Tor zu verteidigen.“ Mehr Cleverness wünscht sich Wück in solchen Momenten, die bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Brasilien entscheidend sein können. Das wissen auch seine Spielerinnen. „Schlau sein vor der Halbzeit, nicht mehr hoch pressen“, sagte Senß.
© dpa-infocom, dpa:261010-930-819225/1