Die Fussballerin Luana Bühler kehrt heim: Im FCZ startet sie nach langer Verletzungspause neu


Die Abwehrchefin der Schweiz hat über ein Jahr nicht mehr Fussball gespielt. Jetzt holt sie im FCZ neu Anlauf

Luana Bühler hat Tottenham nach einer langen Leidenszeit verlassen. Von einem Rückschritt will sie nichts wissen. Was sie in der Zwangspause gelernt hat.

02.08.2026, 05.30 Uhr

5 Leseminuten


Luana Bühler (Mitte rechts) im Training mit dem Nationalteam: Ihr Ausfall bei der Heim-EM war für die Schweiz ein herber Schlag.

Luana Bühler (Mitte rechts) im Training mit dem Nationalteam: Ihr Ausfall bei der Heim-EM war für die Schweiz ein herber Schlag.

Michael Buholzer / Keystone

Als Luana Bühler Ende Juni 2025 im Testspiel gegen Tschechien eingewechselt wird, wächst die Hoffnung, dass sie an der Heim-EM im Juli dabei sein wird. In den Wochen zuvor hatte die Abwehrchefin des Nationalteams unter Knieproblemen gelitten, doch bei der Generalprobe auf der Winterthurer Schützenwiese gelingt ihr eine solide Leistung. Vier Tage später kommt die Absage. Der Körper ist nicht bereit; es sind bis heute die letzten 45 Minuten, die sie auf dem Rasen stand.

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Bühler verpasste nicht nur die EM, sondern eine ganze Saison in ihrem Klub Tottenham. Die Reha nach einer Knieoperation, der sie sich im Sommer nach dem verpassten Turnier unterzogen hatte, verlief nicht wunschgemäss, das entzündete Knie hatte zu wenig Ruhe bekommen. Erst seit sie Anfang 2026 einen Reha-Neustart gemacht hat, verläuft der Aufbau gut. Das ist eine lange Leidenszeit für eine Leistungssportlerin.

Zweifelt man in den endlosen Reha-Stunden nicht, ob der Körper dem Spitzensport noch gewachsen ist? «Es gab eine gewisse Disruption zwischen Körper und Selbst», sagt Bühler. Doch das Reha-Programm sei auch darauf angelegt, das Vertrauen in den Körper wiederzufinden. Nun ist die Verbindung wieder da. Bald soll Bühler mit dem Team trainieren, wann ein erster Einsatz möglich ist, ist offen. Die Saison beginnt für den FCZ am 7. August in Yverdon.

Für Bühler bedeutet das Engagement bei den Zürcherinnen eine Rückkehr. 2018 ist die heute 30-Jährige vom Heerenschürli in Schwamendingen aufgebrochen: Sie ging für fünf Jahre in die Bundesliga nach Hoffenheim, danach kam der Sprung nach England, in die beste Liga der Welt.

Rückkehr in eine Liga, die um Publikum kämpft

Ende Juli sitzt sie wieder in Schwamendingen, im «Home of FCZ», einem modernen, luftigen Holzbau auf dem Trainingsgelände, und spricht über die Veränderungen seit ihrer ersten Zeit hier. Darüber, wie sie vor acht Jahren im Kraftraum unter einem Schrägdach im Keller hinten im Dunkeln trainierte. «Manchmal war keine Kabine frei, oder wir konnten sie nicht abschliessen», sagt sie, «oder wir mussten warten mit Trainieren, weil die vor uns überzogen hatten.» Die professionellen Bedingungen für die Frauen im FCZ heute erzählen vom Fortschritt, den ihr Sport gemacht hat.

Und trotzdem: Warum kommt Luana Bühler zurück in eine Liga, die immer noch um Publikum kämpft? In der kaum eine Spielerin wirklich als Profi bezeichnet werden kann? 89 von 98 befragten Spielerinnen der Women’s Super League gaben in einer anonymen Umfrage des «Tages-Anzeigers» im Mai an, sie könnten nicht von ihrem Lohn leben. Ist das nicht ein gewaltiger Rückschritt?

«Ich schaue das ganz anders an», sagt Bühler. Sie sehe die Herausforderungen der neuen Rolle, die Möglichkeit, sich noch stärker zur Führungsspielerin zu entwickeln. Der Gestaltungsraum ist für eine gestandene Spielerin im FCZ ungleich grösser als bei einem Team wie Tottenham, wo vorwiegend Nationalspielerinnen von Japan bis Schweden um Einsatzzeit kämpfen. An der Verantwortung zu wachsen, sieht sie als Chance in ihrer persönlichen Entwicklung.

Doch Bühler ist auch Teil einer Bewegung, die am Anlaufen ist. Mit ihr sind es nun vier Nationalspielerinnen, die aus dem Ausland heimgekommen sind. Ramona Bachmann hat bei YB nach ihrem Kreuzbandriss eben zum ersten Mal fünfzehn Minuten gespielt, Meriame Terchoun hat sich Servette angeschlossen, und Coumba Sow ist Captain im FC Basel. Zu Servette gewechselt hat auch Laia Ballesté, die bisher nur in Spanien gespielt hat.

Man mag einwenden, dass sie alle älter sind und Grossklubs sich nicht um sie reissen. Aber es stimmt auch, dass ihnen etwas daran liegt, sich aktiv an der Entwicklung ihres Sports in der Schweiz zu beteiligen.

61 Mal für die Schweiz im Einsatz: Luana Bühler.

61 Mal für die Schweiz im Einsatz: Luana Bühler.

Daniela Porcelli / SPP / Imago

Es sind leise Signale, dass sich im Frauenfussball in der Schweiz nach der euphorisierenden Heim-EM tatsächlich «etwas tut», wie Bühler sagt. «Die Liga ist besser geworden, was es für die Spielerinnen attraktiver macht, zurückzukommen.» Aber man könne noch viel mehr herausholen. Die Women’s Super League funktioniert vor allem als Ausbildungsstätte, sobald eine junge Spielerin heraussticht, ist sie weg. Die Attraktivität, die ihr bekannte Nationalspielerinnen verleihen, braucht sie dringend. Und die jungen Talente können von den Erfahrungen der Älteren profitieren.

Die Verletzungen seien auch eine Chance gewesen, sagt Bühler. Das könnte wie «positive thinking» um jeden Preis klingen, wäre Bühler nicht eine reflektierte Person, die bodenständig und sachlich wirkt. Sie habe gelernt, eine bessere Balance zu finden zwischen dem Fussball und dem privaten Leben. «Es ist mental schwierig, wenn man nicht leistungsfähig und nicht beim Team ist», sagt sie, «aber man merkt auch, wie stark der Leistungsdruck ist, wenn man Woche für Woche spielt.» Druck von aussen, aber auch von einem selbst. Erst wenn man Luft zum Atmen habe, spüre man, welchen Belastungen man ausgesetzt sei. Durch die Verletzung hatte Bühler mehr Kapazität, an ihrem Master in Betriebswirtschaft zu arbeiten. Sie hat das B-Diplom als Trainerin erworben und arbeitet am A-Diplom.

Lehren aus der Verletzung für den Alltag

Bühler sagt, sie wäre froh gewesen, jemand hätte sie als junge Spielerin mehr an die Hand genommen. Es hätte sie jemand darauf hingewiesen, dass sie nicht 24 Stunden über Fussball nachdenken müsse, dass es auch voll okay sei, einen Abend in Ruhe mit Freundinnen im Kino zu verbringen. Das will sie den Jungen vermitteln: zu lernen, wann der Fussball im Fokus ist und wann man abschalten, die mentale und körperliche Gesundheit pflegen, neue Energie schöpfen kann.

Bühler arbeitet schon lange mit einem Mentaltrainer. Während der Verletzungszeit sei es vor allem auch um den Umgang mit Alltagssituationen gegangen. «Wie kann ich mich auf das konzentrieren, was ich verändern kann? Und wie komme ich weg von Dingen, die nicht in meiner Hand liegen?» – das waren Fragen, die sie beschäftigten. Wenn sie heute mit dem Auto im Stau stehe, sei sie deutlich ruhiger als früher, sagt Bühler. Die Gelassenheit, Unabänderliches zu erkennen, gebe ihr Energie für andere Dinge.

Bühler streicht das Reifen in der Krise heraus. Aber natürlich muss sie Einbussen in Kauf nehmen. Nicht nur wird sie mit einer spärlichen Zuschauerkulisse auf provinziellen Plätzen konfrontiert sein, gerade im Vergleich mit England. Auch ihr Gehalt wird viel magerer sein. Kann sie davon leben? «Man kann schon. Es kommt darauf an, wie man lebt, was für Ansprüche man hat», sagt sie.

Geld hat in ihrer Situation kaum Priorität. Luana Bühler hat im Idealfall noch einige gute Fussballjahre vor sich. Um an ihr altes Niveau heranzukommen, braucht sie einen Klub, der ihr Zeit und Geduld schenkt.

Kein Happy End in England: Luana Bühler verlässt Tottenham nach einer Saison ohne einen Einsatz.

Kein Happy End in England: Luana Bühler verlässt Tottenham nach einer Saison ohne einen Einsatz.

Li Ying / Xinhua via Imago

Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»

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