Satirische News: Lachen beim Sales Guy, Schweigen bei der UBS
Die etwas anderen News Lachen beim Sales Guy, Schweigen bei der UBS
Wir spotten über den Auftritt eines Zürcher Finanz-Bros. Doch beim Gebaren der Grossbanken schauen wir lieber weg.
15.08.2026, 11:55
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Renato Kaiser
Kabarettist
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Mit seiner geschliffenen Sprache trägt Renato Kaiser unentwegt kritische Gedanken an sein Publikum. Diese werden mit so viel Dampf vorgetragen, dass man dabei nicht nur bestens unterhalten, sondern auch regelrecht mitgerissen wird. Die Arbeit des gebürtigen St. Gallers wurde 2020 mit dem Salzburger Stier geehrt. Kaiser ist aktuell mit seinem vierten Bühnenprogramm «NEU» auf Deutschschweizer Bühnen zu sehen.
Was haben wir gelacht über den Sales Guy von der Zürcher Bahnhofstrasse! Wie er in der SRF-Strassen-Gratistherapie «Donat auf Achse» vom «Market Huddle» erzählte und von «Strait of Hormuz, AI, Private Credits, everything that makes market go round, right». Und als er sagte, wie «chatty» er sei und dass er gerne mit Leuten rede, brachen endgültig alle Dämme.
Der wiederkehrende Martullo-Blocher-Fiebertraum, Seven Sinking Steps reloaded, die Schweizer Witzfabrik hat wieder für fünf Jahre ausgesorgt!
Multiple hundert Memes, Videos, Artikel, Werbungen – Sales Guy sells! Aufmerksamkeitsökonomie! Da klingeln die Klickzahlkassen, «whatever makes market go round», der wiederkehrende Martullo-Blocher-Fiebertraum, Seven Sinking Steps reloaded, die Schweizer Witzfabrik hat wieder für fünf Jahre ausgesorgt. Auch seine Antwort «multiple hundert» auf die Frage, wie viel er verdiene, wurde dankbar abgekultet und weiterverwertet.
Bezeichnend: Alle fanden es komisch, dass er «multiple hundert» sagt. Nicht, dass er «multiple hundert» verdient. Und vor allem: Womit eigentlich?! Bei all dem Kauderwelsch hätte auch ein fröhlicher Esoteriker mit Aluhut daherkommen und sagen können, er mache Chemtrail-Impfungen und energetische Wasserwirbel, er sei ein Sales Guy, also ein Salz-Guy, Schüsslersalz! Er rede gerne mit Leuten, auch mit Verstorbenen – und dass er damit multiple hundert verdiene. Das hätte uns jedoch skeptisch gemacht.
Haha, dass der ‹multiple hundert› verdient, während wir kaum Miete und Krankenkasse zahlen können. So! Lustig!
Aber wenn so ein Finanz-Bro ETFs und Private Credits lobpreist, wird das rituell akzeptiert. Unser einziger Widerstand ist harmloser Spott. Wie bei einem Ministranten, der sich milde über den Pfarrer lustig macht und stolz rumerzählt, dass er ihm manchmal den Messwein wegsäuft. Mit gespielter Überlegenheit sagen wir: «Haha, dass der ‹multiple hundert› verdient, während wir kaum Miete und Krankenkasse zahlen können. So! Lustig!»
Es gibt CS-Verantwortliche, die bis heute ihre Boni behalten dürfen. Keine Konsequenzen – die mussten nicht mal mit Donat Hofer übers Leben reden!
Die Finance Guys dieser Welt sollten uns besser erklären müssen, warum sie multiple hundert im Jahr verdienen. Vor allem jene, welche für die Crashes von CS und UBS verantwortlich sind. Es gibt CS-Verantwortliche, die bis heute ihre Boni behalten dürfen. Keine Konsequenzen, keine Bussen – die mussten nicht mal mit Donat Hofer übers Leben reden!
Darum: reden wir über die Lex UBS.
Die eine Grossbank, die selber vor knapp 20 Jahren vom Staat gerettet werden musste, durfte – erneut mit der Finanzhilfe der ganzen Schweiz – die andere krachend gescheiterte Grossbank schlucken. Eine irre Sozialhilfe-Matrjoschka der Grossfinanz. Der Bundesrat hat nun diese Woche neue Regeln vorgeschlagen, damit künftig diejenigen, die den Fehler verursachen, auch dafür geradestehen müssen.
Wir müssen Finanzministerin Karin Keller-Sutter resignierend Recht geben: Anstand kann man anscheinend wirklich nicht regulieren.
Die Schweizerische Bankiervereinigung lehnt diese Regeln nicht nur ab, sondern schreibt in der offiziellen Medienmitteilung, sie verlange: «Eine sorgfältige Prüfung tragfähiger Alternativen zur vorgeschlagenen Maximalvariante sowie eine Gesamtsicht auf alle geplanten Massnahmen, um unnötige Belastungen für den Finanzplatz und die Realwirtschaft zu vermeiden.»
Da verstehen wir etwa gleich viel wie beim Sales Guy von der Bahnhofstrasse und müssen Finanzministerin Karin Keller-Sutter resignierend Recht geben: Anstand kann man anscheinend wirklich nicht regulieren.
Das neue Bankengesetz wird noch im Parlament besprochen werden. Ob die UBS schlussendlich grundsätzlich etwas wird ändern müssen, ist also noch nicht klar. Es bleiben Zweifel. Und zwar multiple hundert(tausend).
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