Fünf häufige Probleme mit dem Pferd – und was dann wirklich hilft
Die fünf häufigsten Probleme im Alltag mit Pferden – und was wirklich hilft
Stand: 19.08.2026, 07:00 Uhr
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Beißen, durchgehen, wegspringen – Reiter berichten immer wieder von den gleichen Problemen mit ihren Pferden. So lassen sich die häufigsten Knackpunkte lösen.
Pferde sind faszinierende Tiere und berühren viele Menschen mit ihrer Sanftheit. Doch im Umgang hakt es häufig. Oft berichten Reiter von Situationen, die den Alltag mit dem Vierbeiner schwer oder sogar gefährlich machen. Warum Pferde bocken, beißen, durchgehen und sich losreißen und was dann wirklich hilft.
Hinter Problemen im Umgang mit Pferden stecken häufig Schmerzen
Viele Probleme sind durch gezieltes Training, Geduld und Vertrauensaufbau in den Griff zu bekommen. Doch es können immer auch Schmerzen oder Unwohlsein des Pferdes dahinterstecken. Daher sollte ein Pferd, das schnappt, dauernd nervös ist oder beim Reiten buckelt, zunächst sorgfältig durchgecheckt werden. Zahnschmerzen, Magengeschwüre, Blockaden, Verspannungen oder unpassende Ausrüstung können die Ursache sein. Ein Check durch den Tierarzt, Physiotherapeuten, Sattler und Hufschmied ist daher bei solchen Problemen ein Muss, um auszuschließen, dass dem Pferd etwas weh tut.
Artgrechte Haltung macht Pferde zufrieden und ausgeglichen
Auch die Haltungsart des Pferdes gehört bei Verhaltensauffälligkeiten oder Problemen im Umgang auf den Prüfstand. Pferde brauchen viel Licht, frische Luft, Artgenossen und Bewegung, um zufrieden und ausgeglichen zu sein. Doch selbst Gruppenhaltungen sind nicht immer optimal. Bei zu wenig Platz und Ressourcen für zu viele Pferde oder einer unpassenden Gruppenzusammenstellung entsteht Stress, der sich wiederum negativ auf den Umgang mit dem Pferd auswirken kann.
Problem 1: Das Pferd bleibt nicht ruhig stehen
Pferde, die beim Putzen und Satteln herumzappeln, gehören in vielen Pferdeställen zum Alltag. Doch das Hufescharren und Herumdrehen ist nicht nur nervig, sondern auch gefährlich. So kann der Mensch versehentlich von einem Huf getroffen oder vom Pferd umgestoßen werden. Und auch das Pferd kann sich verletzen, wenn es mit den Hufen auf den Boden oder gegen die Wand schlägt. Auch beim Aufsteigen bleiben viele Pferde nicht stehen, was ebenfalls riskant für den Reiter ist. Häufig ist Stress der Grund für das unruhige Verhalten. Doch zunächst sollte der Reiter Schmerzen bei seinem Pferd ausschließen.
Um das Problem in den Griff zu bekommen, hilft es, das Stillstehen in kleinen Schritten mit viel Geduld neu zu üben. Am Anfang reicht es schon, wenn das Pferd einen kurzen Moment ruhig steht. Dafür sollte es direkt gelobt werden. Leckerlis sind hier eher ungeeignet. Denn Futterlob kann das Pferd aufdringlich und nervös machen – und somit genau das Gegenteil von dem erzielen, was es eigentlich lernen soll.
Um mögliche Anspannung abzubauen, kann das Pferd danach einen Moment im Schritt geführt werden. Dann geht es wieder an den Anbindeplatz. Allmählich wird die Dauer, die das Pferd stillsteht, weiter gesteigert. Für dieses Training sollte das Umfeld möglichst ruhig sein, also bestenfalls zu einer ruhigen Tageszeit stattfinden, wenn nicht viel los ist im Stall, und nicht während der Fütterungszeit. Wichtig: Das Pferd nicht überfordern. Viele Erfolgserlebnisse und kurze Trainingseinheiten versprechen langfristigen Erfolg.
Problem 2: Das Pferd zieht beim Führen und reißt sich los
Gerade auf dem Weg zur Weide ziehen viele Pferde am Strick oder reißen sich gar los. Das ist nicht nur gefährlich für denjenigen, der das Pferd führt, sondern kann auch schlimme Folgen haben, wenn das Pferd beispielsweise auf eine Straße läuft.
Pferdetrainerin Lisa Röckener sagt gegenüber Landtiere.de: „Wenn wir mit dem Pferd arbeiten, müssen wir ihm Sicherheit geben und die Verantwortung übernehmen.“ In vielen Situationen hat sie aber etwas anderes beobachtet: „Da wird am Strick gezogen, aufs Handy geschaut und das Pferd angemacht, wenn es nicht mitkommt.“ Stattdessen sollte der Reiter sich uneingeschränkt auf sein Pferd konzentrieren. „Ich möchte ja auch die Aufmerksamkeit vom Pferd“, argumentiert die Trainerin. Hier lesen Sie alle Tipps zum Führen von Pferden von Traininerin Lisa Röckener.
Gibt es Probleme beim Führen, muss der Mensch lernen, klar über seine Körpersprache zu kommunizieren – und das Pferd wiederum, darauf zu achten. Für das Losgehen und Anhalten sollten klare Signale etabliert werden, die immer gleichbleiben. Eine Gerte kann gerade am Anfang unterstützen: Ein Antippen der Hinterhand motiviert zum Losgehen. Wird die Gerte vor die Nase des Pferdes gehalten, hilft sie beim Stoppen. Wichtig: Nicht am Strick ziehen. Das Ziel: Mehrfach losgehen und wieder anhalten, dabei nur mit Körpersprache arbeiten und die Hilfengebung immer weiter verfeinern.
Problem 3: Das Pferd beißt oder schnappt
Schnappende Pferde sind keine Seltenheit. Dieses Verhalten kann viele Ursachen haben und ist nicht immer böswillig. Pferde nutzen ihr Maul und ihre Zähne, um Gegenstände zu erkunden oder ihr Futter zu sortieren. Schnappen und Zwicken gehört bei Pferden auch zum Spielverhalten. Bekommt der Mensch die Zähne eines Pferdes zu spüren, kann das jedoch sehr schmerzhaft sein.
Pferdehalter sollten zunächst herausfinden, warum das Pferd beißt oder schnappt. Zeigt es das Verhalten beim Putzen oder Satteln, können Schmerzen zum Beispiel von unpassender Ausrüstung dahinterstecken. Beim Führen kann das Pferd so versuchen, Distanz zwischen sich und dem Menschen herzustellen.
Schnappen kann auch durch unvorsichtige Gabe von Leckerlis antrainiert sein. Manchmal steckt auch Stress dahinter, das Schnappen ist dann eine Übersprungshandlung. Auf keinen Fall sollte man das bestrafen. In vielen Fällen hilft schon etwas mehr Abstand zum Pferd. Ansonsten kommen verzweifelte Pferdehalter mit gründlicher Ursachenforschung und der Unterstützung von einem erfahrenen Pferdetrainer weiter.
Problem 4: Das Pferd ist sehr schreckhaft und nervös
Extrem nervöse und schreckhafte Pferde können Reitern das Leben schwer machen. Besonders sensible Pferderassen wie Araber neigen eher zu Schreckhaftigkeit als ausgeglichenere Rassen wie Isländer oder Haflinger. Doch es gibt immer Ausnahmen.
Schreckhaftigkeit oder Nervosität entsteht bei Pferden meist aus Unsicherheit. Häufig ist der Reiter dafür verantwortlich. Ein angespannter, verkrampfter Sitz löst dieses Verhalten häufig aus. So kann es manchmal schon helfen, bewusst tief ein- und wieder auszuatmen und mit ruhiger Stimme mit dem Pferd zu reden. Auch das Aussetzen der Hilfen, beispielsweise durch Wegstrecken der Beine, verunsichert viele Pferde unter dem Reiter. Je ängstlicher das Pferd ist, desto präsenter muss der Reiter im Sattel sein und Sicherheit ausstrahlen.
Ein abwechslungsreiches Training und regelmäßige Ausritte durch die Natur sorgen für ein ausgeglichenes Pferd. Bodenarbeit stärkt die Beziehung zwischen Mensch und Pferd und steigert das Vertrauen. Und ein Pferd, das dem Menschen vertraut, wird auch in vermeintlich brenzligen Situationen ruhig bleiben und sich auf seinen Reiter verlassen. Nervosität kann jedoch auch gesundheitliche Ursachen haben und die Reaktion auf körperlichen Stress sein. Es können Schmerzen, Nährstoffmängel oder auch Magengeschwüre dahinterstecken.
Problem 5: Das Pferd buckelt und rennt unter dem Reiter los
Probleme mit dem Pferd, was tun?
✅ Check durch den Tierarzt, Physiotherapeuten, Sattler und Hufschmied, um Schmerzen auszuschließen
✅ Stressfaktoren im Leben des Pferdes ausfindig machen, die Haltung überprüfen
✅ Auf Ursachenforschung gehen: Wann zeigt das Pferd das Verhalten? Was könnte der Grund sein?
✅ Das Training kleinschrittig und mit viel Lob und Geduld aufbauen
✅ Dranbleiben, das Training kann mehrere Monate dauern
✅ Wer alleine nicht weiterkommt, sollte einen erfahrenen Trainer um Hilfe bitten
Ein buckelndes Pferd ist für viele Reiter eine Horrorvorstellung. Schließlich können so schnell Unfälle und Verletzungen passieren, wenn der Reiter stürzt. Auch wenn der Schreck groß ist, sobald das Pferd losbockt, und auch Angst im Sattel eine Rolle spielt – das Pferd darf hierfür nicht bestraft werden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Strafe das Verhalten auf Dauer sogar noch weiter verschlimmert.
Der häufigste Auslöser für unkontrolliertes Buckeln oder auch Losrennen unter dem Reiter sind Schmerzen. Entweder passt die Ausrüstung für das Pferd nicht oder der Sattelgurt wurde zu stramm angezogen. Schlimmstenfalls hat das Pferd bereits Sattelzwang entwickelt. Deshalb sollten Reiter beim Nachgurten immer sehr behutsam sein. Auch Blockaden, Verspannungen oder Kissing Spines können die Ursache sein. Ein gründlicher Check durch den Tierarzt und den Sattler steht daher an erster Stelle.
Buckeln und Losrennen kann auch aus Angst passieren, wenn dem Pferd der Reiter auf seinem Rücken nicht geheuer ist. In diesem Fall muss das Aufsteigen und im Sattel sitzen neu trainiert und positiv verknüpft werden. Das ist definitiv etwas für Profis, daher sollte ein erfahrener Pferdetrainer diese Arbeit übernehmen.
Sind angestaute Energie oder Anspannung der Grund für Bocksprünge, hilft es, das Pferd vor dem Aufsitzen an der Longe und vom Boden aus zu arbeiten. Viele Übergänge zwischen den Gangarten, Handwechsel und das Kreuzenlassen der Beine an der Hand helfen dem Pferd, loszulassen und Spannungen abzubauen. Wichtig zu unterscheiden für Reiter: Buckelt das Pferd aus Anspannung oder handelt es sich um Freudensprünge? Letztere sind eher Ausdruck der Lebensfreude eines Pferdes. Erfahrene und sattelfeste Reiter lassen dies bei ihren Pferden gerne kontrolliert zu.