Die Huthis kontrollieren „Tor der Tränen“ – die Folgen wird auch Europa spüren
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Im Roten Meer bahnt sich die nächste Herausforderung für die globale Wirtschaft an. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz hat in den letzten Tagen große Gebietsgewinne im Jemen erzielt und unter anderem strategisch wichtige Inseln wie Perim besetzt sowie die Hafenstadt Mokka. Zuletzt berichtete die Nachrichtenagentur Reuters auch, dass die Stadt Dhubab an die Huthis gefallen sei. Damit beherrschen die schiitischen Aufständischen die jemenitische Küste zum Roten Meer – und den Zugang zur Meerenge Bab al-Mandab, einem Nadelöhr für den Seetransport von Gütern und Rohstoffen, insbesondere: Öl.

Vor allem der Insel Perim kommt dabei eine entscheidende Bedeutung zu. Das Eiland liegt in der etwa 29 Kilometer breiten Meerenge, die den Golf von Aden mit dem Roten Meer verbindet. Beide sind Teil einer Schifffahrtsroute, die vom Mittelmeer über den Suezkanal bis in den Indischen Ozean führt und somit den kürzesten Schifffahrtsweg zwischen Europa und Asien darstellt. Der für den Welthandel enorm wichtige Schifffahrtsweg durch das „Tor der Tränen“ dürfte damit noch stärker bedroht werden als bisher.
Von ihren neu gewonnenen Positionen aus können die Huthis Handels- und andere Schiffe im Roten Meer noch gezielter angreifen oder stören als zuvor. Die Milizionäre hatten dort in den vergangenen Jahren mehrfach Schiffe angegriffen und teils versenkt oder diese gekapert.
Energiepreise steigen
„Die Bedeutung von Perim kann kaum überschätzt werden“, betont Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Der Experte, unter anderem für politischen Islam und die arabische Halbinsel, sagte unserer Redaktion: „Die Huthis können den Südausgang des Roten Meers nun sehr viel einfacher beschießen und damit schließen als zuvor.“ Dafür müsste die Miliz aber zunächst militärisch nachrüsten und „Raketen, Drohnen und Schiffe heranführen“, gibt Steinberg zu bedenken. Das werde Zeit in Anspruch nehmen und könne durch Luftangriffe verzögert werden.
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Der Miliz spielt allerdings in die Karten, dass die Meerenge deutlich schmaler ist als die Straße von Hormus. Damit können Angriffe auf Schiffe schneller ausgeführt werden, was Verteidigern weniger Zeit zur Abwehr gewährt, etwa von anfliegenden Drohnen oder Raketen. „Die Situation ähnelt der an der Straße von Hormus“, stellt Steinberg fest. Dort hat der Iran den Schiffsverkehr de facto zum Erliegen gebracht und damit rund 20 Prozent des weltweit verfügbaren Öls vom Markt abgeschnitten.

Dieses Satellitenfoto von Planet Labs PBC via AP zeigt eine Landebahn auf der Insel Majun, auch bekannt als Perim Island, in der Straße von Bab al-Mandab vor Jemen.© Planet Labs Pbc/Planet Labs PBC/AP/dpa | Planet Labs Pbc
Ähnliches könnte nun den Huthis gelingen. Um die Blockade der Straße von Hormus zu umgehen, pumpt Saudi-Arabien, das die Regierung des Jemen militärisch unterstützt, Rohöl durch die Ost-West-Pipeline zum Hafen Janbu. Von dort aus wird das Öl nach Süden durch die Meerenge und nach Norden über den Suezkanal verschifft. Nach Angaben des Datenspezialisten Kpler erhöhten sich die saudi-arabischen Öl-Exporte vom Hafen Janbu seit Beginn des Iran-Kriegs um das Fünffache auf rund 3,8 Millionen Barrel pro Tag.
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Nach dem Beginn der Huthi-Angriffe auf Schiffe im Roten Meer brachen die Ausfuhren aber im August auf täglich 1,5 Millionen Barrel ein. Seither steigen die Preise am Weltmarkt: Ein Fass der Sorte Brent ist seit Mitte August mehr als 20 Prozent teurer geworden. Gelingt es der Miliz nun, eine glaubhafte Bedrohungslage in der Meerenge zu erzeugen, könnte sie gänzlich unpassierbar werden, weil Versicherungspolicen für Tanker zu teuer und Transporte damit unwirtschaftlich würden.
Deutsche Reeder besorgt
Die Folgen der jüngsten Eroberungen wird nicht nur Riad zu spüren bekommen. Die Huthi-Miliz bekräftigte am Freitag zwar nur die von ihr ausgerufene Seeblockade gegen saudi-arabische Schiffe. Die Schifffahrt durch die Meerenge Bab al-Mandab sei „für alle Unternehmen sicher, mit Ausnahme saudi-arabischer Schiffe, für die bereits ein Verbot gilt“, erklärte Militärsprecher Jahja Saree.
„Bisher greifen die Huthis nur saudische Schiffe an, sodass die Folgen für den Welthandel begrenzt bleiben“, sagt Steinberg. Hinzu komme, dass viele Reedereien das Rote Meer schon seit Ende 2023 meiden. „Das größte Problem liegt darin, dass die saudischen Ölexporte durch die Angriffe massiv reduziert wurden. Das wird zu weiter steigenden Energiepreisen führen.“
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Der Verband Deutscher Reeder (VDR) zeigte sich am Freitag dennoch besorgt. Die Sicherheit des Seeweges sei für die Versorgung Europas und Deutschlands „von enormer Bedeutung“, erklärte VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger. „Transportiert werden dort nicht nur Öl und andere Energieträger, sondern auch Elektronik, Maschinen und Bauteile, Lebensmittel, Kleidung sowie Medikamente und pharmazeutische Vorprodukte.“
USA wollen nicht militärisch eingreifen
Der Iran gratulierte unterdessen. „Wir freuen uns über die Siege des heldenhaften Volkes des Jemen“, schrieb Vizepräsident Mohammed Resa Aref an die mit Teheran verbündete Miliz gerichtet auf X. Unklar ist allerdings, ob es den Huthis auch gelingt, sich dauerhaft am Roten Meer festzubeißen. Sollte die jemenitische Regierung eine Gegenoffensive starten, sei es „sehr gut möglich“, dass Perim und Mokka wieder aufgegeben werden müssten, schätzt Experte Steinberg. „Die Gegend liegt sehr weit von den Machtzentren der Huthis im nördlichen Hochland entfernt.“
Eine solche Gegenoffensive scheinen Sanaa und Riad aber vorerst aus eigener Kraft stemmen zu müssen. Wie das Nachrichtenportal Axios am Freitag berichtete, lehnte US-Präsident Donald Trump ein Hilfsgesuch des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman ab. Die US-Regierung werde Saudi-Arabien weiterhin nachrichtendienstliche Informationen liefern, zitierte das Medienportal einen Regierungsvertreter. Ein direktes militärisches Eingreifen werde zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht in Betracht gezogen.