Die Nischenprogramm-Macher


Stand: 24.07.2026, 07:23 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Stehen weitere zwei Jahre an der Spitze des Kulturfördervereins Würmtal (v.l.): Brigitte Hageböck (Schriftführerin und Beisitzerin bildende Kunst), Felix Stross (Beisitzer Musik), Anne Gürtler (Vorsitzende), Walter Erpf (Beisitzer Musik), Christine Seidel-Müller (Beisitzerin bildende Kunst) und Richard Schaurich (Schatzmeister).

Stehen weitere zwei Jahre an der Spitze des Kulturfördervereins Würmtal (v.l.): Brigitte Hageböck (Schriftführerin und Beisitzerin bildende Kunst), Felix Stross (Beisitzer Musik), Anne Gürtler (Vorsitzende), Walter Erpf (Beisitzer Musik), Christine Seidel-Müller (Beisitzerin bildende Kunst) und Richard Schaurich (Schatzmeister). © Dagmar Rutt

Abseits des Massengeschmacks steht der Kulturförderverein Würmtal seit Jahren für ein qualitativ hochwertiges Nischenprogramm. Der Vorstand investiert viel Zeit und Herzblut. Über Unterstützung bei der ehrenamtlichen Arbeit und mehr Besucher bei Veranstaltungen würde er sich freuen.

Planegg – Der Kulturförderverein Würmtal setzt auf sein bewährtes Vorstandsteam. Auf der Jahresversammlung am Mittwoch im Planegger Naturfreundhaus wurden die Vorsitzende Anne Gürtler und Schatzmeister Richard Schaurich im Amt bestätigt. Brigitte Hageböck übernahm den Posten der Schriftführerin als Nachfolgerin von Gisela Paetsch, die nicht mehr kandidiert hatte. Alle drei wurden ohne Gegenstimme bei eigener Enthaltung gewählt. Auch die Beisitzer fanden volle Zustimmung: Felix Stross und Walter Erpf sind weiter für die Sparte Musik zuständig, Christine Seidel-Müller und Brigitte Hageböck, zusätzlich zu ihrem Schriftführeramt, für bildende Kunst.

„Es läuft wirklich harmonisch. Das Engagement, das gezeigt wird, ist nicht unbedingt selbstverständlich“, sagte Gürtler, die seit vier Jahren an der Vereinsspitze steht. Gerne hätte sie Gisela Paetsch an dem Abend „die Ehrenmitgliedschaft angetragen“. Doch weil diese verhindert war, „holen wir das nach“. 2024 war Paetsch, die als gute Seele des Kulturfördervereins gilt, für ihr mehr als drei Jahrzehnte währendes Engagement mit der goldenen Ehrennadel des Landkreises München ausgezeichnet worden.

113 Mitglieder zählt der Verein aktuell. 16 von ihnen kamen zur Jahresversammlung. Gürtler wandte sich mit einem Appell an die Besucher: „Ich bitte Sie alle: Seien Sie Werbebotschafter für unsere Konzerte!“ Mit Verweis etwa auf die Jazzabende, für die der Verein regelmäßig erstklassige Musiker ins Kupferhaus holt, sagte sie: „Unser Programm entspricht nicht unbedingt dem Mainstream.“ Und das in einer Region, in der das Kulturangebot enorm groß sei. Vorstandskollege Schaurich formulierte plakativ: „Wir sind fürs Würmtal, was Arte fürs Fernsehen ist: Wir sind ein Nischenprogramm.“

Das hat zur Folge, dass manchmal weniger Besucher kommen als erhofft. Als Panflötistin Hannah Schlubeck und das Hamburger Ensemble Mischpoke Mitte Juni im Rahmen des Würmtaler Inklusionswochenendes ein Konzert der Extraklasse boten, war der Konzertsaal des Kupferhauses – bei freiem Eintritt – gerade einmal halb voll. „Das fand ich ein bisschen wenig“, sagte Schaurich. Auch bei Veranstaltungen, für die es einen Ticketverkauf gibt, stellt der Kulturförderverein Zurückhaltung fest. 2025 betrugen die Veranstaltungseinnahmen 25.300 Euro, im Jahr zuvor waren es 28.300 Euro gewesen. „Das sind elf Prozent weniger Kartenverkäufe“, so Schaurich. „Das erschwert ein bisschen die Programmplanung. Ohne die jährlichen Zuschüsse der Gemeinden Planegg (24.000 Euro) und Gräfelfing (3000 Euro) sei das ambitionierte Programm nicht zu realisieren. Bei stabilen Preisen seit acht Jahren, wie Schaurich betonte.

Künstlerstammtisch im September

Im vergangenen Jahr verpasste sich der Kulturförderverein ein neues Erscheinungsbild mit einem Logo, das das W von Würmtal aufnimmt, und einer Website, die stark aus der Perspektive des Nutzers gedacht ist. Die Kosten dafür wurden von den Einnahmen nicht gedeckt, sodass nach zwei Jahren mit geringfügigem Plus 2025 ein Minus von knapp 8500 Euro zu Buche schlug. Dieses konnte dank konstant umsichtigen Wirtschaftens aus den Rücklagen beglichen werden.

Der Kulturförderverein bemüht sich, über das Stammpublikum hinaus weitere und vor allem auch jüngere Kreise zu erreichen. Im Januar 2025 gelang ihm das mit dem Musikabarett von „Lehrer haben Freizeit“. Der Termin war rasch ausverkauft. Mitte November präsentiert der Verein die fünf Vollblutpädagogen, die in der Planegger Grundschule üben, ein weiteres Mal. Auch dafür gibt es bereits keine Karten mehr.

Zuvor spielt am 26. September, „La Rose Rouge“ erstmals zum Herbsttanz auf. Das von Walter Erpf vor 40 Jahren gegründete Salonorchester lädt regelmäßig am 30. April zum „Tanz in den Mai“ ein. Weil die Nachfrage so groß ist, testet es nun den Termin nach den Sommerferien für eine Tanzveranstaltung.

Auch die Jahresausstellung der bildenden Künstlerinnen und Künstler im Kulturförderverein ist wieder für Herbst fest eingeplant. Das Thema lautet „Spuren der Zeit“. Neben Vereinsmitgliedern haben erneut ukrainische Künstler ihre Teilnahme zugesagt.

Neu seit diesem Jahr ist ein Künstlerstammtisch, bei dem ein „reger Austausch über Kunst und dies und jenes herrscht“, wie Hageböck erzählte. Drei Treffen gab es bereits, zu denen zwischen 15 und 20 Besucher kamen. Im September findet der nächste Stammtisch statt.

Am Samstag, 12. September, beteiligt sich der Kulturförderverein mit einem Glücksrad am Gräfelfinger Straßenfest. Das war schon für vergangenes Jahr geplant gewesen, musste aber mangels Helfern abgesagt werden. Die Straßenfest-Besucher können Karten für Veranstaltungen des Vereins gewinnen.

Für derartige Aktionen, fürs Plakatieren vor Veranstaltungen, aber auch für die Mitgliederverwaltung und den Bereich soziale Medien sucht der Vereinsvorstand ehrenamtliche Unterstützung. Wer Interesse hat, findet online Informationen unter kulturfoerderverein-wuermtal.de.