Nach Übergabe von Gefangenen: Südkorea verlangt Entschuldigung und droht der Ukraine offen


Diplomatischer Eklat: Südkorea droht Ukraine mit Konsequenzen – wegen Selenskyjs Enthüllung

Stand: 03.10.2026, 21:32 Uhr

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Eine Äußerung Selenskyjs vor den Vereinten Nationen bringt Südkorea und die Ukraine auf Konfrontationskurs. Die Folgen könnten bis in Europas Rüstungspolitik reichen.

Kiew/Seoul – Vor den Vereinten Nationen machte Wolodymyr Selenskyj Ende September einen Gefangenentransfer öffentlich: Nordkoreanische Kriegsgefangene seien aus ukrainischer Hand nach Südkorea gebracht worden. Seoul sieht eine Absprache gebrochen, verlangt eine Entschuldigung und droht nun mit „weiteren Maßnahmen“.

Der Eklat belastet die Partnerschaft zweier NATO-Verbündeter – und die militärische Unterstützung? Der Streit berührt zudem die Sicherheit von Angehörigen in Nordkorea, Seouls vorsichtige Linie gegenüber der Regierung in Pjöngjang und die Frage, ob Südkorea der Ukraine stärker helfen könnte. Für Kiew steht plötzlich die Zusammenarbeit gegen Moskau und Pjöngjang auf dem Spiel.

Ukraine und Südkorea: ein Transfer, zwei Darstellungen

Die beiden Männer wurden Anfang 2025 in der russischen Region Kursk gefangen genommen und gehörten zu nordkoreanischen Soldaten, die Moskau im Krieg gegen die Ukraine unterstützen. Nach Angaben der Associated Press trafen sie Mitte September in Südkorea ein; zuvor hätten sie den Wunsch geäußert, dort zu leben.

Zwischen Südkorea (Präsident Lee Jae-myung bei einer Militärparade) und der Ukraine mit Präsident Wolodymyr Selenskyj gibt es diplomatische Spannungen

Zwischen Südkorea (Präsident Lee Jae-myung bei einer Militärparade) und der Ukraine mit Präsident Wolodymyr Selenskyj gibt es diplomatische Spannungen. © Uncredited/YNA/dpa/TOBIAS SCHWARZ/AFP; Bildmontage: IPPEN.MEDIA

Selenskyj verkündete am 23. September bei der UN-Vollversammlung den Transfer, Seoul protestierte: Die Bekanntgabe könne Gefangene und Angehörige in Nordkorea gefährden. Südkoreanische Medien hatten die Männer vor ihrer Ankunft fotografiert und sie seien erkennbar. Ob die Regierung in Kiew tatsächlich eine Vertraulichkeitszusage gab, ist strittig.

Lee erhöht mit X-Posting den Druck – Sybiha sucht einen Ausweg

Südkoreas Präsident Lee Jae-myung verschärfte am Freitag den Ton: „Wenn die Ukraine sich weiterhin weigert, die Fakten anzuerkennen und sich öffentlich zu entschuldigen, werden wir weitere Maßnahmen ergreifen“, schrieb er auf X. Er wirft Kiew vor, ihn als „Lügner“ darzustellen und betonte die nationale Würde Südkoreas.

Außenminister Andrij Sybiha nennt den Streit ein „diplomatisches Missverständnis“ und betont, Südkorea sei ein wichtiger Partner. Er und sein Pendant Cho Hyun stehen laut Yonhap News Agency „in engem Austausch“ über Ton, Inhalt und Zeitpunkt einer ukrainischen Reaktion. Die Kanäle bleiben dem Vernehmen nach also offen – gleiches gilt für die Frage, ob Kiew sich wie gefordert entschuldigt.

Zoff zwischen Südkorea und Ukraine hat eine Rüstungsdimension

Seouls Geheimdienst wird derweil in einem entsprechenden Bericht von Euronews erwähnt: Ukraine-Präsident Selenskyj könnte die Übergabe deswegen publik gemacht haben, um in Südkorea Unterstützung für mehr Hilfe und Waffenlieferungen an die Ukraine zu gewinnen.

Südkorea hat sich nach der Eskalation in der Ukraine zu einem bedeutenden Waffenexporteur entwickelt, auch dank eines milliardenschweren Rüstungsdeals mit Polen. Jedoch wird Kiew selbst nicht mit tödlichen Waffen beliefert, weil es sich um ein in einen aktiven Konflikt verwickeltes Land handelt. Und das dürfte sich aufgrund des jetzigen Eklats kaum ändern, analysieren Experten.

Nordkoreas Soldaten und ein Krieg auf der Halbinsel

Seouls Sorge gelte auch den Angehörigen der Gefangenen: Nordkorea könnte sie wegen der Bekanntgabe ins Visier nehmen. Lee wies zudem ukrainische Äußerungen über einen möglichen militärischen Zusammenstoß zwischen Nord und Süd zurück und wirft Kiew vor, Kriegsangst auf der koreanischen Halbinsel zu schüren.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine verbindet die Fronten: Kämpfen nordkoreanische Soldaten für Moskau, während Pjöngjang von Russland wirtschaftliche und militärische Hilfe erhält? Laut Kyrylo Budanow, Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, diene der Einsatz der Vorbereitung auf „aktive Kampfeinsätze in der eigenen Region“. Auch diese Äußerungen seien Südkorea ein Dorn im Auge.

Diplomatie unter Zeitdruck

Seoul lässt die Tür für die ukrainische Regierung den Angaben zufolge offen: So sagte ein südkoreanischer Beamter laut Yonhap, die Botschaft müsse auch den andauernden Krieg des krisengebeutelten Landes mit Russland berücksichtigen und dürfe die Beziehungen nicht weiter belasten.

In der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea

Seit Ende des Koreakriegs 1953 werden Nord- und Südkorea entlang der sogenannten demilitarisierten Zone (DMZ) getrennt - hier zu sehen von der nördlichen Seite. © Dita Alangkara/AP/dpa

Welche „weiteren Maßnahmen“ indes Präsident Lee meint, ist offen. Kann Kyjiw Bedauern für den diplomatischen Fehler ausdrücken, ohne eine Vereinbarung anzuerkennen, die es bestreitet – und kann Seoul das als Entschuldigung gelten lassen? Die Antwort entscheidet, ob der Eklat begrenzt bleibt oder zur Belastungsprobe für Partnerschaften im Krieg wird. (Verwendete Quellen: Euronews, Yonhap, AP, eigene Recherche).