Drei Kilometer Glasfaser für Sicherheit und Service von 20.000 Festival-Besuchern
Stand: 01.08.2026, 15:36 Uhr
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Auf dem Rotenburger Flugplatz läuft das Ferdinands-Feld-Festival – samt 22 Kamerastandorten für die Video-Überwachung. Die Firma Hansa-Systems aus Bremen ist Dienstleister für die Ferdi-Veranstalter.
Rotenburg – Rolf Korb sitzt auf dem Ferdinands-Feld-Gelände in einem von außen recht unscheinbaren Container an einem Schreibtisch und schaut auf einen Monitor an der Containerwand. Auf dem Monitor sind viele verschiedene Live-Aufnahmen vom Festivalgelände zu sehen, gefilmt an 22 Kamera-Standorten auf dem Rotenburger Flugplatz. Dort spielt sich an diesem Wochenende das Elektro-Musik-Festival ab, das mehr als 20.000 Besucher anlockt. Bei derlei Großveranstaltungen sei Videoüberwachung mittlerweile behördlich vorgeschrieben, erklärt Korb. Er ist Geschäftsführer der Bremer Firma Hansa-Systems und für die Ferdi-Macher als Dienstleister im Einsatz, schon im achten Jahr. „Man ist anscheinend mit uns zufrieden.“
Korb und seine Kollegen sind eine Woche vor Festivalbeginn nach Rotenburg gereist, um dort drei Kilometer Glasfaser zu verlegen. Mit einem Kupferkabel wäre nach 100 Metern Ende im Gelände, berichtet Korb. Beim Ferdi entsteht wie auch bei anderen Festivals für ein Wochenende eine Stadt auf einer grünen Wiese. Vorteil auf dem Flugplatz: Es gibt einen Internet-Anschluss der Stadtwerke. Und Hansa-Systems arbeitet zusätzlich mit Richtfunk, der aus Bremen den Rotenburger Flugplatz-Tower erreicht. „Eine eigentlich uralte, aber mittlerweile verfeinerte Technik“, bestätigt Korb, „unser Part ist, das Signal auf dem Gelände weiterzuverteilen.“
Verkehrssicherheit und Awareness-Konzept
Die Rotenburger Polizei weist darauf hin, dass sie rund ums Ferdinands-Feld-Festival den Verkehr kontrolliert und dabei insbesondere die Fahrtüchtigkeit überprüft. Die Botschaft sei: Wer trinkt oder andere berauschende Mittel konsumiert, fährt nicht.
Auch für die Polizei ist ein Bestandteil der Sicherheit das Awareness-Konzept auf dem Ferdi. Wer sich unwohl fühlt, belästigt wird und Hilfe benötigt, könne sich mit den Worten „Wo geht‘s nach Panama?“ an Mitarbeitende wenden, die ein Panama-Band tragen. Dazu gehörten der Ordnungsdienst, das Festivalpersonal, der Rettungsdienst und die Polizei. Eine Anlaufstelle befindet sich am Haupteingang.
Die Polizei stellt dem Ferdi auch in diesem Jahr ein gutes Zwischenzeugnis aus: Tag eins sei ausgesprochen friedlich verlaufen, die Beamten mussten nach eigener Aussage kaum einschreiten. „Strafbare Handlungen blieben nahezu aus.“ Auch die Anreise am Freitag sei „ohne nennenswerte Zwischenfälle“ verlaufen.
Nicht nur, um mit der IT-Infrastruktur die Sicherheit im Blick zu haben. Auch um Internet für Gastro-Stände und das bargeldlose Bezahlsystem zu gewährleisten. Im Merchandise-Bereich und an Sponsoren-Ständen gebe es auch W-Lan für Besucher. „Überall auf dem Gelände für schnelles Internet zu sorgen, wäre aber ein noch höherer Aufwand“, erklärt Korb. Seine Firma wird in Bremen auch für Konzerte von den Toten Hosen oder Nina Chuba auf der Bürgerweide beauftragt und von der Polizei für die Video-Infrastruktur auf dem Freimarkt oder der Osterwiese.
Auch die Festival-Sicherheit durch Video-Überwachung ist nach Korbs Auffassung etwas, das nicht nur die Behörden, sondern auch viele Veranstaltungsgäste mittlerweile erwarten. Vorbehalte der Menschen gegenüber der Technik gebe es immer weniger, glaubt Korb. Er versichert, dass der Datenschutz streng beachtet werde. Die Bewegtbilder, die er auf dem Monitor sieht, bekämen außer ihm nur der Sicherheitsdienst und die Polizei vor Ort zu sehen. Sie seien nach außen gesichert durch eine Firewall. Nach 72 Stunden müssten sie gelöscht werden. Außer es gibt Passagen, die tatsächlich eine Straftat zeigen. Dann soll die Bildqualität von der Perspektive und der Pixeldichte her so hoch sein, dass ein Tatverdächtiger tatsächlich erkennbar ist.

Videoüberwachung sei nicht nur gedacht gegen Terror, sexuelle Übergriffe und um zu zeigen, dass jemand Drogen konsumiert oder einem anderen auf die Nase haut. Denn zum einen sei erwiesen, dass es weniger Kriminalität gebe, wenn die Menschen wüssten, dass es Kameras gebe. „Das ist ein Baustein für die friedfertigen Veranstaltungen beim Ferdi.“
Zum anderen geht es auch um „Crowd-Management“: Es ballt sich eine Menschenmenge, weil viele Leute von derselben Stelle aus das Feuerwerk sehen wollen? Die Camper bauen ihre Zelte so großzügig verteilt auf, dass der Platz auf der Wiese knapp wird? Dann sehe man das aus der erhöhten Kameraperspektive besser als wenn man vor Ort mittendrin ist, und könne dem Sicherheitsdienst einen Hinweis geben oder die Bauzäune umstellen, um den Campern mehr Raum zu geben.
Nicht alles auf einem Festival ist planbar
Schwerwiegende Vorfälle gab es auf dem Ferdi in all den Jahren bislang nicht, bestätigt Korb und klopft auf seinen Schreibtisch wie auf Holz. „Im Idealfall müssen wir während des Festivals überhaupt nichts machen“, sagt er, der mit fünf Mitarbeitern auf dem Flugplatz vertreten ist. Klar, auf einem Festival gebe es immer Eventualitäten, auf die man spontan reagieren müsse. Hansa-Systems könne auch erkennen, wenn es zum Beispiel auf dem Gelände einen Stromausfall gebe. Dann könne man einen Techniker hinschicken.
In diesem Jahr hat Hansa-Systems zudem einen „Awareness-Tower“ mit einer Sprechanlage prominent auf dem Gelände platziert – nicht überall können gleichzeitig Security-Mitarbeiter sein. „Awareness ist in aller Munde“, kommentiert Korb. Letztlich geht es darum, dass jeder Festivalbesucher per Knopfdruck in den Tower sprechen kann, dem etwas passiert ist oder dem es nicht gut geht. Und sei es, weil er zu wenig Wasser getrunken hat und ihm schwindlig ist. „Warum nicht?“, meint Korb. Am anderen Ende der Sprechanlage sei der Sicherheitsdienst erreichbar, aber auch der Sanitätsdienst. Im Grunde ist es mit dem Awareness-Tower wie mit der Videoüberwachung: Hansa-Systems stellt die Technik bereit, die Einsatzkräfte nutzen sie.