Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig: Experte fordert mehr Transparenz – und nimmt Dobrindt in die Pflicht


Stand: 05.08.2026, 20:22 Uhr

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Eine Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig zeigt: Unsere Flughäfen haben gefährliche Schutzlücken – und die Politik versagt beim Schutz kritischer Infrastruktur.

Leipzig – Am Flughafen Leipzig ist eine mit einem Sprengsatz versehene Drohne entdeckt und entschärft worden. Das sächsische Landeskriminalamt (LKA) bestätigte, dass es sich um eine „Drohne mit einer unbekannten Sprengvorrichtung“ gehandelt habe. Spezialisten der Bundespolizei machten das Gerät unschädlich. Bereits 2024 kam es zu einem ähnlichen Vorfall am Leipziger Flughafen. Damals detonierte ein aus dem Baltikum verschicktes Luftfrachtpaket mit einer versteckten Brandvorrichtung. Eine Flugzeugkatastrophe in der Luft wurde damals nur durch eine kurzzeitige Startverzögerung der Maschine verhindert.

Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle

Eine ukrainische Frachtmaschine vom Typ Antonow steht am Leipziger Flughafen. © Hendrik Schmidt/dpa

Sind unsere Flughäfen also zu schlecht geschützt? Und welche Maßnahmen müssten in Zukunft von der Politik ergriffen werden, um solche Sabotageakte zu verhindern? Laut Manuel Atug, Experte für Cybersicherheit und Sprecher der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen (AG KRITIS), müsse man sich bei einem solchen Vorfall zunächst klar machen, welches Ziel die Akteure mit ihrer Aktion verfolgen. Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media erklärt er: „Vermutlich geht es ihnen in erster Linie darum, die Bevölkerung zu verunsichern. Bei einem Szenario wie diesem hier müsste das Innenministerium hingehen und sagen: Wir veröffentlichen und machen transparent, was hier eigentlich vorgefallen ist.“

Fehlende Kommunikation von Alexander Dobrindt: Was bei Drohnenvorfällen schief läuft

Hier scheitere jedoch Innenminister Alexander Dobrindt. Atug sagt: „Er stellt sich mit populistischen Aussagen hin und erklärt: Man gründe jetzt ein Zentrum und man benötige mehr Befugnisse und so weiter. Stattdessen sollte er klar kommunizieren, dass die meisten dieser Angriffe beispielsweise nur Hobbydrohnen sind. Da müsste man mehr Aufklärung leisten.“

Zur Person

Manuel „HonkHase“ Atug ist Gründer und Sprecher der unabhängigen AG KRITIS. Der 1976 in Wipperfürth geborene Experte befasst sich mit Themen wie Kritischer Infrastruktur, EU-Richtlinien wie NIS2, dem KRITIS-Dachgesetz, Cyberresilienz und digitalem Katastrophenschutz. Seit 2023 bewertet er als Experte für die European Research Executive Agency (EU REA) Forschungsvorhaben zu Kritischen Infrastrukturen und begleitet bewilligte Projekte in der Umsetzung.

Als Beispiel für schlechte Kommunikation des Innenministeriums nennt Atug die Statistik zu den Drohnenvorfällen in Deutschland. Laut dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt kam es vergangenes Jahr zu 116 relevanten Drohnenstörfällen an 25 deutschen Verkehrsflughäfen. „Sicherlich werden sehr, sehr viele davon Hobby-Drohnenflieger am Flughafen oder sogar Hochzeitsfotografen sein, die eine Drohne fliegen lassen und ihre Hochzeitsbilder machen wollen. Oftmals ist es eher Arglosigkeit und nicht Vorsatzhandlung oder Sabotage. Mit dieser Information könnte man diesen Zahlen entgegensteuern.“ Wer kommuniziert, habe die Deutungshoheit und könne dann auch die Leute beruhigen, erklärt Atug im Gespräch mit unserer Redaktion.

Drohnenvorfall in Leipzig: Wie können Flughäfen besser geschützt werden

Weiter sagt er: „Bei denen, wo es wirklich problematisch ist, sollte man auch mit gesicherten Erkenntnissen oder Fakten kommunizieren und das strukturiert darstellen, damit wir die Deutungshoheit behalten und dem eigentlichen Ziel der Akteure – nämlich die Bevölkerung zu verunsichern – entgegenwirken.“

Ohnehin ist der Schutz vor Drohnen an Flughäfen schwierig. „Man kann eben schlecht einen Zaun um den Flughafen errichten. Insofern gibt es an Flughäfen schon hohe Sicherheitsmaßnahmen, aber wenn ein kleines Gerät mit schneller Geschwindigkeit auf den Flugplatz fliegt, dann ist das sehr schwer für den Flughafen zu verhindern.“ Dass dies trotzdem möglich ist, zeige laut Atug, „dass wir eine entsprechende Schutzlücke haben, die sich auch gar nicht so einfach schließen lässt“.

Das KRITIS-Dachgesetz zum Schutz der kritischen Infrastruktur – Detektion von Drohnen fehlt

Sinnvoll hingegen wäre es, im KRITIS-Dachgesetz „auch Detektion, Meldung und – soweit möglich – Abwehr von Drohnen mitaufzunehmen“. Das KRITIS-Dachgesetz legt bundeseinheitliche Mindeststandards für den physischen Schutz von kritischer Infrastruktur fest – darunter Notfallteams, verstärkter Objektschutz und Maßnahmen zur Ausfallsicherheit. Das Gesetz ist seit Mitte März in Kraft.

Hier nimmt Atug deutlich die Politik in die Pflicht: „Wir haben das auch in der Anhörung im Bundestag vorgestellt und wir wurden ignoriert. Und das ist etwas, was ich nicht verstehe. Man müsste und könnte dies im KRITIS-Dachgesetz verankern. Wenigstens so etwas wie eine verpflichtende Detektion an den kritischen Infrastrukturen, eine verpflichtende Bewertung und auch eine verpflichtende Meldung an die Behörden. Damit wir erst mal alle Informationen gesichert erhalten.“ Dies würde dann auch zu mehr Transparenz und Klarheit führen, macht Atug deutlich. (Quellen: AFP/KRITIS-Dachgesetz/Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt/Experten-Gespräch) (sischr)